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"Ringen um die besten Köpfe"

Zogen eine positive Bilanz des Ausbildungsmarktes 2013/2014: Günther Neumann (Handwerkskammer), Dagmr Froelich (Agentur für Arbeit, Mi.) und Maike Bielfeldt (Industrie und Handelskammer)
 
Einen leichten Aufwärtstrend bei der betrieblichen Ausbildung verzeichnet die IHK: Im vergangenen Jahr wurden 2.359 neue Verträge abgeschlossen (Foto: IHK)

Entspannte Lage auf dem Ausbildungsmarkt / Mehr offene Lehrstellen, weniger junge Leute auf der Suche

tp. Stade. Goldene Zeiten für junge Leute auf dem Weg ins Berufsleben: "Die Arbeitgeber ringen um die besten Köpfe", sagt die Chefin der Agentur für Arbeit Stade, Dagmar Froelich, die jetzt mit Spitzenvertretern aus Industrie, Handel und Handwerk die Bilanz des Ausbildungsmarktes 2013/2014 präsentierte. Angesichts des demografischen Wandels zu einer alternden Gesellschaft mit weniger jüngeren Menschen hat sich die Lage auf dem Ausbildungsmarkt entspannt. Die Azubi-Generation von heute hat wieder mehr Wahlfreiheit.

Im zurückliegenden Ausbildungsjahr lag die Zahl der gemeldeten offenen Stellen im Agenturbezirk (Landkreise Stade, Cuxhaven und Rotenburg) leicht über dem Niveau des Vorjahres: Sie stieg um 38 auf 3.363. Gleichzeitig sank die Zahl der Bewerber um 80 auf 4.363 junge Männer und Frauen, die die Berufsberatung nutzten.

Trotz des Positiv-Trends steht die Arbeitsagentur vor Herausforderungen: Die Anforderungen der Lehrstellenanbieter passen häufig nicht zum Profil der Lehrstellensuchenden, sodass viele Stellen unbesetzt bleiben. Noch 99 Betriebe suchen derzeit einen Auszubildenden. Aktuell führt die Arbeitsagentur mit jungen Leuten Nachvermittlungs-Gespräche und ermittelt mit Kompetenz-Checks die Stärken der verbliebenen Bewerber.

Dagmar Froelich empfiehlt Bewerbern für das kommende Jahr, sich schon jetzt bei der Berufsberatung zu melden. "Angesichts des wachsenden Fachkräftebedarfs gehen die Firmen immer eher auf die Suche nach passenden Auszubildenden. Der Startschuss für 2015 ist schon gefallen."

Das bestätigt Maike Bielfeldt, Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Stade: "Unsere Betriebe haben die Herausforderung erkannt. Sie investieren erfolgreich in die Ausbildung ihrer Nachwuchsfachkräfte." Mit 2.359 abgeschlossenen Ausbildungsverträgen verzeichnete die IHK im Elbe-Weser-Raum im Jahr 2014 noch einmal einen leichten Anstieg um 1,2 Prozent. "Dennoch dürfen wir die Augen nicht davor verschließen, dass sich die demografische Schere in unserem Bezirk öffnet."

Der demografische Wandel wirkt sich laut Bielfeldt unterschiedlich auf die Branchen aus: Während Bauwirtschaft oder Handel bei der Zahl der Azubi-Verträge noch einmal zulegten, verzeichneten Verkehr und Transport teilweise herbe Verluste. Die Betriebe suchen inzwischen neue, moderne Wege der Nachwuchsakquise wie "Speed-Dating", "Nächte der Ausbildung" oder einen Online-Attraktivitäts-Check der IHK für Unternehmen und Bewerber.

Außerdem liegt Maike Bielfeldt am Herzen, leistungsstarke Jugendliche für eine betriebliche Ausbildung im dualen System zu gewinnen: "Denn zurzeit können wir wenige Abiturienten begeistern." Bielfeldt beobachtet eine starke Abwanderung besser qualifizierter Schulabgänger an die Universitäten. Die IHK wolle sich daher für eine Verbesserung der Studien- und Berufsorientierung an Gymnasien einsetzen.
Auch im Handwerk kämpft man um die Top-Azubis. Laut dem Leiter Berufliche Bildung bei der Handwerkskammer (HWK) Braunschweig-Lüneburg-Stade, Günther Neumann, gibt es im Landkreis Stade im Jahr 2014 gegenüber dem Vorjahr noch einen leichten Anstieg bei den abgeschlossenen Ausbildungsverträgen. Doch auch die Handwerkskammer geht bei der Suche nach Fachnachwuchs neue Wege und schafft attraktive Ausbildungsinhalte. Unter anderem sollen Handwerks-Azubis verstärkt Auslandsaufenthalte ermöglicht werden.

Ferner macht die Handwerkskammer mit intensiver Aufklärungsarbeit gegen veraltete Vorstellung wie "auf den Knien über die Baustelle robben" mobil. Neumann empfiehlt jungen Leuten, sich über die realen Arbeitsbedingungen im Handwerk zu informieren und sich mit der Frage "Kenne ich wirklich die Inhalte meines Traumberufes?" für Alternativen zu öffnen.