Verband der Ersatzkassen kritisieren
Heimplatz nicht mehr bezahlbar? Pflegekosten in Niedersachsen steigen rasant
Die Kosten für einen Platz im Pflegeheim in Niedersachsen sind im Vergleich zum Vorjahr um rund zehn Prozent gestiegen. Pflegebedürftige zahlen im ersten Jahr ihres Heimaufenthalts mittlerweile durchschnittlich 2.903 Euro monatlich aus eigener Tasche – 264 Euro mehr als 2023. Laut dem Verband der Ersatzkassen (vdek) liegt dieser Betrag rund 60 Prozent über dem Niveau von vor vier Jahren.
„Wir sind weiter denn je davon entfernt, dass eine Durchschnittsrente für einen Heimaufenthalt ausreicht“, kritisiert Hanno Kummer, vdek-Landeschef in Niedersachsen. Die finanzielle Belastung sei enorm, während konkrete politische Lösungen weiter auf sich warten ließen. Der jüngste „Zukunftspakt Pflege“ der Bund-Länder-Arbeitsgruppe enthalte bislang wenig Greifbares. Ohne Gegenmaßnahmen drohe immer mehr Heimbewohnern der Gang zur Sozialhilfe.
Zwar verringern sich die Eigenanteile mit längerer Aufenthaltsdauer durch gestaffelte Zuschüsse der Pflegekassen – auf 2.639 Euro nach einem Jahr, 2.286 Euro nach zwei und 1.844 Euro ab dem dritten Jahr –, doch laut Kummer werde dieser Effekt von der Kostendynamik überholt. Eine grundlegende Reform sei dringend notwendig, um die Pflegeversicherung zukunftssicher zu machen.
Besonders kritisiert der vdek die Verlagerung zusätzlicher Kosten auf die Heimbewohner: Neben Pflegekosten tragen sie Investitionskosten für Gebäude, Unterkunft und Verpflegung sowie die vollständigen Ausbildungskosten für Pflegepersonal. Allein hier sieht Kummer ein Entlastungspotenzial von über 600 Euro monatlich, das das Land Niedersachsen übernehmen sollte.
Redakteur:Julia Paepcke aus Buchholz |
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