Business-Frühstück im Autohaus
Mittelstand im Spannungsfeld von Geopolitik und Digitalisierung
- Das Organisationsteam (v.li.): Frederik Schröder (Sparkasse Harburg-Buxtehude), Dr. Moritz Kraemer (LBBW), Oliver Bohn (Autohaus Kuhne + Witte), Kerstin Witte (Autohaus Kuhne + Witte), Kristina Reymann (Sparkasse Harburg-Buxtehude) und Thomas Mattis (S-International Niedersachsen Bremen).
- Foto: Sparkasse Harburg-Buxtehude
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Was in China, den USA oder an den internationalen Finanzmärkten passiert, wirkt sich längst direkt auf Unternehmen in der Region aus. Wie stark geopolitische Verschiebungen, technologische Umbrüche und veränderte Märkte den Mittelstand herausfordern – und welche Chancen sich daraus ergeben –, stand im Mittelpunkt eines gemeinsamen Business-Frühstücks der Sparkasse Harburg-Buxtehude und des Autohauses Kuhne + Witte. Rund 120 Gäste kamen im Audi-Terminal in Fleestedt zusammen, um unterschiedliche Perspektiven auf die Frage zu diskutieren: Wie kann der regionale Mittelstand in einer zunehmend komplexen Welt erfolgreich bleiben?
Vom chinesischen E-Auto-Markt lernen
Oliver Bohn, Geschäftsführer von Kuhne + Witte, zeigte am Beispiel der Automobilindustrie, wie rasant sich Märkte verändern können. China habe sich innerhalb weniger Jahre vom Land der Smog-Krise zu einem führenden Markt für Elektromobilität entwickelt. Der Anteil von E-Autos am chinesischen Markt sei in den vergangenen vier Jahren von rund fünf auf etwa 50 Prozent gestiegen. Die daraus entstandenen Überkapazitäten drängen zunehmend auf die europäischen Märkte.
XPENG im Portfolio
Kuhne + Witte hat mit der Marke XPENG bereits 2024 einen chinesischen Hersteller ins Portfolio aufgenommen. Bohn sieht darin ein Beispiel dafür, wie sich Unternehmen frühzeitig auf neue Wettbewerber und veränderte Kundenbedürfnisse einstellen können. Kunden entschieden heute rationaler und preisbewusster und seien weniger stark an traditionelle Marken gebunden.
Seine Botschaft reicht dabei über die Automobilbranche hinaus: „Jeder Unternehmer sollte sich fragen, was in seinem Geschäft der Diesel ist.“ Denn was gestern noch als Gesetz galt, könne morgen bereits grundlegend infrage stehen. Für Unternehmen komme es deshalb darauf an, Veränderungen früh zu erkennen, Kunden zuzuhören und das eigene Geschäftsmodell konsequent weiterzuentwickeln.
Internationale Geschäfte brauchen internationale Kompetenz
Thomas Mattis, Leiter Vertrieb bei der S-International Niedersachsen-Bremen, richtete den Blick auf die konkreten Herausforderungen mittelständischer Unternehmen im internationalen Geschäft. Lieferketten werden dynamischer, Währungsschwankungen volatiler und internationale Zahlungsströme komplexer. Unternehmen könnten diese Herausforderungen nicht mehr in jedem Fall allein bewältigen – müssten es jedoch auch nicht.
Die S-International verbindet ein internationales Expertennetzwerk mit der regionalen Nähe der Sparkasse. „Weltweit agieren, aber regional entscheiden“, brachte Mattis den Ansatz auf den Punkt. Denn gerade bei internationalen Geschäften bleibe persönliche Nähe ein entscheidender Faktor: „Aus Nähe wächst Vertrauen – und Vertrauen ist die Basis für gute Geschäfte.“
Dr. Moritz Kraemer: „Wir können nicht rückwärts in die Zukunft laufen“
Den großen wirtschaftlichen und geopolitischen Rahmen setzte Dr. Moritz Kraemer, Chefvolkswirt der LBBW. Sein Blick auf die internationalen Märkte machte deutlich, wie stark sich die Rahmenbedingungen für unternehmerische Entscheidungen verändert haben.
Die US-Handelspolitik, geopolitische Konflikte und die zunehmende Volatilität an den Märkten sorgten für erhebliche Unsicherheit. Kraemer bezeichnete die hohe Schwankungsintensität der US-Handelspolitik als „Gift für die Wirtschaft“. Gleichzeitig entwickle sich China seit den 2000er-Jahren mit enormem Tempo weiter. Europa wiederum zeige sich trotz der zahlreichen Belastungen erstaunlich resilient.
Strukturelle Herausforderung
Für Deutschland sieht Kraemer jedoch strukturelle Herausforderungen. Zu wenig werde in Zukunftstechnologien investiert, während zu viel Energie darauf verwendet werde, bestehende Technologien weiter zu perfektionieren. Seine zugespitzte Diagnose: „Wir haben nicht mehr die Produkte, die die Menschen haben wollen.“
Die Antwort könne deshalb nicht darin liegen, sich an der Vergangenheit festzuhalten. „Wir können nicht rückwärts in die Zukunft laufen. Wir müssen uns umdrehen und die Zukunft umarmen.“ Deutschland bringe dafür wichtige Voraussetzungen mit: leistungsfähige Hochschulen und eine exzellente Forschungslandschaft. Was fehle, sei vor allem die Bereitschaft, daraus schneller neue Geschäftsmodelle und Zukunftstechnologien entstehen zu lassen. Europa müsse zudem seine eigenen Stärken nutzen und insbesondere den europäischen Binnenmarkt weiter ausbauen.
Globale Veränderungen verstehen – regionale Chancen nutzen
Für den regionalen Mittelstand ergibt sich daraus eine klare Aufgabe: Globale Entwicklungen lassen sich nicht beeinflussen, jedoch können können lernen, sie früher zu erkennen und ihre Konsequenzen für das eigene Geschäft abzuleiten. Genau hier sehen Sparkasse Harburg-Buxtehude und S-International ihre Rolle: als Partner, der internationale Expertise mit regionaler Nähe verbindet und Unternehmen bei ihren nächsten Schritten begleitet.
„Besonders spannend waren für mich die unterschiedlichen Perspektiven“, sagt Kristina Reymann, Direktorin Firmenkunden der Sparkasse Harburg-Buxtehude. „Oliver Bohn hat eindrucksvoll gezeigt, wie Tradition, Innovation und Kontinuität zukunftsorientiert zusammengebracht werden können. Und wie diese Verbindung zum Erfolgsfaktor für Unternehmen werden kann, die langfristig in disruptiven Zeiten erfolgreich bleiben wollen. Dr. Moritz Kraemer hat deutlich gemacht, wie komplex das internationale Umfeld geworden ist und welche Herausforderungen, und auch Chancen daraus für Deutschland und Europa entstehen.“
Praktische Konsequenz für Unternehmen
Und Frederik Schröder, Vorstandsmitglied der Sparkasse Harburg-Buxtehude, richtet in seinem Fazit den Blick auf die praktische Konsequenz für Unternehmen: „Braucht ein Unternehmen für internationale Geschäfte tatsächlich noch eine klassische Geschäftsbank? Die klare Antwort ist: Nein. Mit der Sparkasse Harburg-Buxtehude und der S-International können wir Unternehmen auch im internationalen Geschäft jederzeit umfassend und kompetent begleiten.“
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