Ein Projekt mit Passion
Lebensader Este – ein Fluss voller Geschichte(n)
- Hans-Joachim Dammann (li.) und Bernd Utermöhlen organisieren gemeinsam die "Lebensader Este"-Vorträge
- Foto: Hans-Joachim Dammann
- hochgeladen von Pauline Bellmann
Wer der Este folgt, muss sich Zeit nehmen. Der Fluss fließt still durch die Landschaft, verschwindet hinter Bäumen, taucht wieder auf zwischen Wiesen, Dörfern und Feldern. Seit der letzten Eiszeit prägt er das Gesicht der Region – von der Grenze der Lüneburger Heide bis zur Elbe. Und er prägt noch etwas anderes: eine besondere Vortragsreihe, die seit über zehn Jahren Menschen zusammenbringt, um Heimat neu zu entdecken.
Heute ist der Saal im Kulturforum am Hafen in Buxtehude regelmäßig ausverkauft, wenn ein „Lebensader Este“-Vortrag auf dem Programm steht. Die Themen: Geschichte, Natur und Kultur entlang des Flusses. Was einst als Experiment begann, ist längst zu einer festen Größe im regionalen Kulturleben geworden.
Vom Wanderschuh zum Buchprojekt
Begonnen hat alles mit einem Ehepaar, das seit fast 55 Jahren gemeinsam unterwegs ist: Hans-Joachim und Marlis Dammann. Seit dem zweiten Tag ihres Kennenlernens wandern sie zusammen – und fast immer entlang der Este. Die Flusslandschaft begleitete sie durch ihr gemeinsames Leben und wurde zur Herzensangelegenheit. Über die Jahre entstand ein umfangreiches Archiv aus Bildern, Notizen und Geschichten.
Nach dem Ruhestand setzten sie sich ein Ziel: all das in einem Buch zusammenzubringen. Lyrik, Kunst, Historisches – liebevoll kuratiert und zusammengestellt. Die Suche nach Mitwirkenden war zunächst mühsam, entwickelte aber schnell eine eigene Dynamik. Bei der Buchpremiere dann die Überraschung: ein volles Haus und ein begeistertes Publikum. „Die Bücher, die unser Verleger mitgebracht hatte, wurden ihm fast aus der Hand gerissen“, erinnert sich Hans-Joachim Dammann.
Die Geburtsstunde von „Lebensader Este“
Doch bei diesem Abend sollte es nicht bleiben. Dammann entwickelte aus den zahllosen Este-Fotos einen Lichtbildervortrag – und ging damit auf Tour. Von Dorf zu Dorf, entlang des Flusses. Überall das gleiche Bild: offene Ohren, viele Fragen, große Neugier. Schnell wurde klar: Die Este bietet mehr als schöne Ausblicke. Sie steckt voller Geschichten.
Aus dieser Erkenntnis entstand die Idee für eine Vortragsreihe – mit Autorinnen und Autoren des Buches, mit Expertinnen, die bereit waren, fachlich anspruchsvolle, aber verständliche Vorträge zu halten. Gemeinsam mit Dieter Klar vom Kulturforum wurde das Projekt angeschoben. Im November 2013 war Premiere: Förster Wolfgang Steinborn sprach über „Die Estequelle – eine Landschaft im Wandel“.
Ein Fluss, viele Perspektiven
Was folgte, ist eine Erfolgsgeschichte. Die Themen reichen von Archäologie bis Naturkunde, von Heimatdichtung bis Regionalgeschichte. Das Publikum wächst, das Interesse reißt nicht ab. Mal sind es bekannte Referentinnen, mal neue Stimmen – oft vermittelt durch persönliche Kontakte, manchmal durch glückliche Zufälle. Immer geht es darum, einen neuen, frischen Blick auf die Region zu ermöglichen.
Einige Abende blieben Dammann besonders in Erinnerung – etwa der Vortrag von Anna Magdalena Bössen, eine der wenigen diplomierten Gedichtsprecherinnen Deutschlands. Sie war mit dem Fahrrad quer durchs Land gereist, hatte Menschen nach ihrer Sicht auf Deutschland gefragt und ihre Eindrücke in Buchform festgehalten. „Es war ein Vergnügen, ihr zuzuhören“, sagt Dammann – trotz der ungewöhnlich geringen Besucherzahl.
Heimat mit neuen Augen sehen
Das Publikum sei im Kern gleich geblieben, sagt Dammann – nur größer geworden. Inzwischen organisiert er die Reihe gemeinsam mit Bernd Utermöhlen. Ob man künftig auch Themen jenseits der Este-Region aufnimmt, ist offen. Reizvoll sei das durchaus. Aber zugleich liege gerade in der Konzentration auf die nähere Umgebung der Zauber dieser Reihe. Denn wer sich auf das scheinbar Bekannte einlässt, entdeckt oft ganz neue Seiten.
- Ziegelei Wehrt, Borstel, 1889 - Foto aus dem Buch von Heike Linderkamp (Auf Ziegelei an der Niederelbe, Stade 1992) abfotografiert; das Original findet sich im Altländer Archiv, Jork.
- Foto: Heimat- und Geschichtsverein Buxtehude
- hochgeladen von Pauline Bellmann
Der nächste Vortrag der Reihe „Lebensader Este“ findet am Sonntag, 11. Januar, im Kulturforum am Hafen, Hafenbrücke 1, in Buxtehude statt. Historiker Dr. Horst Rößler berichtet über das Ziegelgewerbe im Niederelbe-Raum zwischen 1815 und 1914. Beginn ist um 17 Uhr.
Der reich bebilderte Vortrag zeigt, wie sich im 19. Jahrhundert aus Handstrichziegeleien moderne Dampfziegeleien entwickelten. Auch die Arbeitsbedingungen der Ziegler werden beleuchtet.
Tickets unter kulturforum-hafen.de/tickets/
Redakteur:Pauline Bellmann aus Buxtehude |
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