Mega-Deal: "Big Player" wollen im Stader Seehafen investieren

Im Beisein des Niedersächsischen Wirtschaftsministers Bernd Althusmann wurde die Kooperationsvereinbarung unterschrieben
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Im Seehafen soll ein neues Flüssiggas-Terminal gebaut werden / Wird Stade ein wichtiger Teil der nationalen Versorgungsstrategie?

bc. Stade. Wenn wir an die Öffentlichkeit gehen, dann aber mit ganz großem Aufschlag, müssen sich die Investoren gedacht haben, als sie am Freitag die "Bombe" platzen ließen. Im Stader Industriepark in Bützfleth soll Deutschlands erster Terminal für importiertes Flüssiggas (LNG) entstehen. Die extra dafür gegründete Projektgesellschaft LNG Stade plant, insgesamt 500 Millionen Euro zu investieren. Eine Mega-Summe, die langfristig den Wirtschaftsstandort Stade sichern würde.
Am vergangenen Freitag unterzeichneten die Projektpartner LNG Stade und der Chemie-Konzern Dow eine Kooperationsvereinbarung, nachdem sie im Verborgenen bereits zwei Jahre an dem Projekt gefeilt hatten, wie Manfred Schubert, Geschäftsführer der LNG Stade, dem WOCHENBLATT bestätigt: "Solange haben wir gebraucht, die Partner an Bord zu bekommen."
Zur LNG Stade gehören neben dem unabhängigen Projektentwickler "umwelttechnik & ingenieure", die Macquarie-Gruppe, einer der weltweit größten Finanzdienstleister und Investoren für Infrastrukturprojekte, sowie China Harbour Engineering Company (CHEC), das solche Anlagen bauen kann. "Das sind richtige Big Player", so Schubert. In Europa gibt es laut Schubert schon ca. 30 LNG-Terminals, das nächstgelegene ist Rotterdam.
Stade hat gegenüber den Konkurrenten Wilhelmshaven und Brunsbüttel, die sich ebenfalls um einen LNG-Terminal beworben haben, den großen Standortvorteil, dass bei der Dow die nötigen Pipelines bereits vorhanden sind. Zehn Prozent des deutschen Erdgas-Bedarfs können hier ins Netz eingespeist werden. In einer weiteren Ausbaustufe könnten sogar 15 Prozent des nationalen Bedarfs gedeckt werden.
Entsprechend positiv hörten sich die Statements von Bund und Land an. Niedersachsens Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) sprach von einem prioritären Projekt für Niedersachsen. Ein LNG-Terminal sei Teil der nationalen Versorgungsstrategie. Stade sehe er nicht zwingend als Konkurrenten zu Wilhelmshaven, Deutschland könne perspektivisch zwei Standorte vertragen. Das Land als Betreiber der landeseigenen Häfen plane mit einem Kostenvolumen von ca. 150 Mio. Euro für den reinen Hafen-Ausbau.
Auch der Bund unterstützt das Mega-Vorhaben in Stade. Enak Ferlemann aus Cuxhaven, Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, sagte dazu: "LNG ist der Schiffstreibstoff der Zukunft." Der Bund baue derzeit Schiffe mit LNG-Antrieb, auch Kreuzfahrtschiffe seien in Vorbereitung. Der Standort in Stade sei ideal, die Vorbereitung ebenfalls. Die Investoren seien internationale Top-Adressen, so Ferlemann.
Bis 2020 wollen die Investoren nun die Wirtschaftlichkeit des Projektes prüfen und die Genehmigungen zum Bau und Betrieb des LNG Import Terminals und des zugehörigen neuen Hafens einholen. Ab Ende 2020 bis 2022 sollen das Terminal und der Hafen gebaut werden, so dass ab 2023 das Erdgas ins Netz geliefert werden kann. Althusmann: "Der Zeitplan ist realistisch."

IHK hofft auf Rückenwind aus Berlin

(bc). Für den Stader Wirtschaftsstandort wäre ein LNG-Terminal im Bützflether Seehafen von enormer Bedeutung. "Stade bietet hervorragende Möglichkeiten. Wir haben die Hafenkapazitäten, ausreichend Flächen, sind hervorragend an das Erdgasnetz angeschlossen und können in den regionalen Salzstöcken in großen Mengen Gas speichern", erläutert Maike Bielfeldt, Hauptgeschäftsführerin der Industrie- und Handelskammer (IHK) Stade.
LNG biete für Deutschland die Möglichkeit, die Bezugsquellen von Erdgas zu diversifizieren und die Versorgungssicherheit damit weiter zu erhöhen. Von dem Terminal profitiere aber auch unmittelbar der chemcoastpark in Stade, der so direkt versorgt werden könnte. Eine wachsende Rolle spiele zudem der Einsatz von LNG im Mobilitätssektor.
"Immer mehr Schiffe werden auf LNG als Treibstoff umgestellt", so Bielfeldt. Da es in Hamburg auf absehbare Zeit kein eigenes LNG-Terminal geben werde, könnten in Stade Bunkerschiffe befüllt werden, die dann als mobile Tankstellen im Hamburger Hafen eingesetzt werden.
Bielfeldt: "Jetzt hoffen wir auf Rückenwind aus Hannover und Berlin."

Was ist LNG eigentlich?

Flüssigerdgas LNG (Liquefied Natural Gas) entsteht durch Abkühlen auf minus 161 bis minus 164 Grad. LNG weist nur etwa ein Sechshundertstel des Volumens von gasförmigem Erdgas auf.

Autor:

Björn Carstens aus Buxtehude

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