"Ich pump die Elbe voll Sauerstoff"

Die an einer Boje befestigte Turbine erzeugt Strom zum Antrieb eines Kompressors, der Oberflächenwasser mit Luft verquirlt und durch ein Rohr in tiefe, sauerstoffarme Wasserschichten leitet
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  • Die an einer Boje befestigte Turbine erzeugt Strom zum Antrieb eines Kompressors, der Oberflächenwasser mit Luft verquirlt und durch ein Rohr in tiefe, sauerstoffarme Wasserschichten leitet
  • Foto: Skizze Schönwälder/Grafische Bearbeitung MSR
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"Düsentrieb" Joachim Schönwälder hat simple Waffe gegen Fischsterben / Wasserturbine treibt Gebläse an / "Weltweiter Markt"

tp. Stade. Die Meldungen der Naturschützer waren alarmierend: In der Unterelbe starben jüngst massenhaft Fische. Gegen die Ursache, Sauerstoffmangel im Flusswasser, zieht der Diplom-Maschinenbau-Ingenieur Joachim Schönwälder (73) jetzt mit einer ebenso einfachen wie genialen Idee zu Felde: "Ich pump die Elbe voll Sauerstoff." Dazu hat er ein nur durch die Eigenströmung des Wasser angetriebenes Gebläse entwickelt. Schönwälders Vision: Mit den Vorrichtungen, die er in regelmäßigen Abständen an Bojen befestigen will, könnten die rund 140 Kilometer Unterelbe von Geesthacht bis Cuxhaven belüftet und künftige Fischsterben verhindert werden.
Auf der Oberfläche des Elbstromes trieben jüngst tonnenweise Kadaver von Meerforellen, Stinten und Co. aufgrund extremer Sauerstoffarmut des Elbwassers. Hauptursachen waren laut Expertenmeinung Sauerstoffverluste durch Sonnenerwärmung, verstärkt durch Nährstoffeinträge: Genährt vor allem durch Düngemittel-Einträge aus dem Bereich der Oberelbe wucherten Algen, die flussabwärts trieben. Die Wasserpflanzen starben ab und sanken. Der folgende Zersetzungsprozess zehrte den Sauerstoff in tiefen Wasserschichten auf. Die Elbvertiefung 1999 beförderte diesen Prozess. Ähnliche Gefahr droht von der aktuell geplanten geplante Ausbaggerung.
Diplom-Ingenieur Schönwälder, seit Jahren Hafenmeister in Stade, sieht einen großen Absatzmarkt für seine verblüffend simple Wasserbelüftung, die er beim Patentamt als Gebrauchsmuster angemeldet hat. Seite ?

Joachim Schönwälders Anlage zur Anreicherung der Unterelbe besteht in der Standardausführung aus einer Wasserturbine mit ca. 60 Zentimetern Durchmesser, einem etwa drei Mal so großen, an eine Boje montierten Schwimmkörper, an dem ein ca. zwölf Zentimeter dickes und gut zwei Meter langes, senkrechtes Mantelrohr befestigt ist. Darin liegt ein dünneres Saugrohr, das am Grund verankert wird.

Mit der Wasserturbine, die sich unabhängig von der Fließrichtung dreht, will Schönwälder den Kompressor antreiben. Der Wirkungsgrad betrage 15 Prozent. Die Leistung von etwa 150 Watt reiche, um das Oberflächenwasser mit Sauerstoff aus der Luft zu verquirlen und durch das Rohr in die Tiefe zu leiten. Gleichzeitig wird mit dem Antrieb fortwährend sauerstoffarmes Wasser vom Grund durch das Saugrohr empor befördert. Alternativ können die Wasserbelüfter mit Solarstrom oder Windkraft angetrieben werden. Die Anlage soll 24 Stunden am Tag ganzjährig laufen.

Nach Schönwälders Kalkulation kostet die Wasserbelüftung rund 3.000 Euro je Einheit. Für eine ausreichende Versorgung des Elbstroms müssten nach Berechnung des Erfinders an den Bojen zwischen Geesthacht und Cuxhaven rund 600 solcher Anlagen installiert werden. Zu den Materialkosten von insgesamt 1,8 Millionen Euro kommen laut Schönwälder maximal sechs Millionen Euro für Entwicklung und Montage.

Die Anwendungsmöglichkeiten sind vielfältig. Die Wasserturbinen könnten beispielsweise auch an Pontons an Flüssen befestigt werden und - in Kombination mit einem Stromspeicher - Elektrizität zur Beleuchtung von Promenaden und zum Betrieb von Elektrogeräten in Ess- und Trinkständen erzeugen.

Joachim Schönwälder sucht Investoren sowie hiesige Maschinenbau-Unternehmen, die in die Entwicklung einsteigen.

• Tel. 0162 - 9796232.

Autor:

Thorsten Penz aus Stade

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