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Gegen den Willen der Anwohner
Hanstedter Ausschuss treibt Gewerbe-Erweiterung voran

Die zu erweiternde Gewerbefläche würde künftig bis auf etwa 120 Meter an die Wohnbebauung heranreichen | Foto: hg
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  • Die zu erweiternde Gewerbefläche würde künftig bis auf etwa 120 Meter an die Wohnbebauung heranreichen
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Trotz zahlreicher Einwände aus der Bevölkerung hat der Ausschuss für Umwelt, Planen und Bauen der Gemeinde Hanstedt den nächsten Schritt für die Erweiterung des Gewerbegebiets westlich der Harburger Straße beschlossen. Mit Mehrheit stimmten die Ausschussmitglieder dafür, das Bebauungsplanverfahren fortzuführen. Die Entscheidung fiel im Beisein zahlreicher Anwohner, die ihre Bedenken erneut deutlich machten.

Im Mittelpunkt der Diskussion steht die geplante Erweiterung einer Gewerbefläche, die der dort bereits ansässigen MA-YA Dienstleistung GmbH zugesprochen wurde. Das Unternehmen ist unter anderem in den Bereichen Gussasphaltkocherverleih, Schüttgutlogistik und Containertransport tätig.

Bereits während der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung Anfang April hatten sich zahlreiche Bürger zu Wort gemeldet. Nach Angaben aus dem Verfahren gingen insgesamt knapp 70 Einwendungen ein. Die vorgetragenen Bedenken reichten von zusätzlichem Schwerlastverkehr über Lärmbelastungen, Emissionen, Lichtverschmutzung bis hin zu Auswirkungen auf den Naturschutz und die Lebensqualität im gesamten Ort.

Für Ingenieur Matthias Mock vom Planungsbüro PGN, der das Vorhaben erläuterte, ergaben sich daraus jedoch keine Gründe für grundlegende Änderungen. Nach seiner Bewertung enthielten die Stellungnahmen keine Aspekte, die das Verfahren stoppen oder eine wesentliche Anpassung der Planung erforderlich machen würden. Entsprechend soll der Bebauungsplan nun in die nächste Auslegungsphase gehen.

Ein zentraler Kritikpunkt bleibt jedoch die erwartete Zunahme des Schwerlastverkehrs. Nach Angaben von Anwohnern dürfte das Unternehmen eine große Rolle bei Asphalttransporten im Zusammenhang mit Arbeiten an der A7 spielen. Befürchtet wird, dass bis zu 40 LKW mit Gussasphalt auf dem Gelände stationiert, befüllt, abgefertigt oder zwischengeparkt werden. Die daraus resultierenden Fahrbewegungen würden nach Ansicht der Kritiker weit über die unmittelbare Nachbarschaft hinausreichen.

„Es geht nicht nur um einige Häuser in unmittelbarer Nähe“, war aus Reihen der Anwohnerschaft zu hören. Die zusätzliche Verkehrsbelastung könne Auswirkungen auf den gesamten Ort haben. Für zusätzliche Skepsis der Anlieger, an deren Wohnhäuser das Betriebsgelände auf lediglich nur noch etwa 120 Meter Abstand heranreichen würde, sorgt der Umgang des Unternehmens in der bisherigen Betriebsphase. Kritisiert werden 170 dokumentierte Verstöße gegen die Nachtruhe, auch an Wochenenden und Feiertagen, eine zeitweise als massiv störend empfundene Beleuchtung in den Nachtstunden sowie die nicht genehmigte Aufstellung eines Containers auf einer Fläche, die erst durch das laufende Verfahren planungsrechtlich erweitert werden soll.

Zwar sieht die Planung unter anderem einen Schutzwall vor, der Auswirkungen auf die Nachbarschaft mindern soll. Dennoch sind die Anwohner skeptisch und äußern Zweifel daran, ob potenzielle Gewerbesteuereinnahmen der Firma mit Hauptsitz in Hamersen bei Rotenburg im Verhältnis stünden zu den Einbußen an Lebensqualität. Vielmehr lege der Verdacht nahe, dass es sich hier um eine Gefälligkeitsplanung handele, angesichts der Tatsache, dass die betreffende Firma vom Verfahren entkoppelt, also nicht Bestandteil des Bebauungsplans sei, obwohl nur diese die Fläche wird nutzen können.

Im Ausschuss wurden die unterschiedlichen Sichtweisen erneut deutlich. Ratsmitglied Lars Heuer (SPD) sprach sich für die Erweiterung aus und erklärte: „Die Kritik der Bürger, die an Lärmbelästigung oder der Anzahl der Fahrzeuge geäußert wird, ist nicht Bestandteil des Bebauungsplans. Außerdem geht es hier nur um eine relativ kleine Fläche.“ Vertreter von CDU und Grünen unterstützten die Fortsetzung des Verfahrens, wohingegen Florian Schönwälder von der Wählergemeinschaft UNS deutliche Vorbehalte äußerte und bemängelte, dass es trotz der aufgeheizten Stimmung nicht gelungen sei, frühzeitig einen umfassenden Dialog zwischen Unternehmen, Politik und Anwohnerschaft zu etablieren.

Verwaltung und Planungsbüro weisen hingegen den Vorwurf zurück, es handele sich um eine auf ein einzelnes Unternehmen zugeschnittene Planung. Die Gemeinde verfolge grundsätzlich das Ziel, ortsansässigen Betrieben Entwicklungsmöglichkeiten zu eröffnen und Arbeitsplätze langfristig zu sichern. Mit dem positiven Votum des Ausschusses ist das Verfahren jedoch noch nicht abgeschlossen. Als Nächstes wird sich der Verwaltungsausschuss mit den Planungen befassen. Die Anwohnerschaft sieht sich unterdessen gezwungen, sich juristischen Beistand zu holen. 

Kommentar

Mehr Transparenz wagen 

Auch wenn am Ende alles rechtlich korrekt ist,  bleibt ein ungutes Gefühl. Denn bei dieser Gewerbegebietserweiterung geht es nicht allein um vermeintliche Befindlichkeiten einzelner Anwohner, sondern auch um die Frage, wie lebenswert Hanstedt und die umliegenden Orte in Zukunft bleiben. Umso bedauerlicher ist, dass es nicht gelungen ist, die Beteiligten an einen Tisch zu bringen. Eine echte Mediation hätte Brücken bauen können. Stattdessen wurde ein Schiedsmann ins Spiel gebracht – ein Instrument, das eher Konflikte verwaltet als Vertrauen schafft.

Demokratie lebt nicht allein von Paragraphen, sondern von Vertrauen. Wer Bürgerbeteiligung ernst nimmt, muss Menschen nicht nur anhören, sondern mitnehmen. Vielleicht wäre deshalb die Zeit reif für einen Kommunikationsbeauftragten – nicht als weitere Verwaltungsebene, sondern als Brückenbauer zwischen Politik, Verwaltung und Bürgern. Denn nur dort, wo Entscheidungen nachvollziehbar sind, wächst Akzeptanz und die Bereitschaft, sich für die Gemeinde zu engagieren.

Heidi Goch-Lange

Die zu erweiternde Gewerbefläche würde künftig bis auf etwa 120 Meter an die Wohnbebauung heranreichen | Foto: hg
Das bisherige Betriebsgelände der MA-YA GmbH  | Foto: hg
Redakteur:

Heidi Goch-Lange aus Buchholz

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