Ukrainische Gruppe ist zu Besuch
Harsefelder Pfadfinder verbringen erlebnisreiche Tage im Bundeslager

Die Harsefelder Pfadfinder (blaue Kluft) mit ihren ukrainischen Gästen auf dem BdP-Bundeslager | Foto: Stamm Horse
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5.700 Pfadfinderinnen und Pfadfinder, Gruppen aus 21 Ländern und mittendrin der Harsefelder Stamm „Horse“: Beim Bundeslager des Bundes der Pfadfinder*innen (BdP) in Immenhausen erleben 49 junge Harsefelder derzeit eine ganz besondere Woche. Mit ihnen zelten zwölf Jugendliche aus der Ukraine – Mitglieder zweier Pfadfindergruppen aus den ukrainischen Städten Mykolijiw und Perwomajsk, mit denen die Harsefelder Pfadis seit vielen Jahren eng verbunden sind. Neben dem Stamm „Horse“ aus Harsefeld sind aus dem Landkreis Stade der Stader Stamm „Hasko“ mit 19 und die „Likedeeler“ aus Fredenbeck mit 13 Pfadfindern angereist.

Der Lagerplatz ist für zehn Tage zu einer großen Zeltstadt geworden | Foto: BdP/Malte Rueger
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Für die Harsefelder hat dieses Bundeslager allerdings eine ganz besondere Bedeutung. Mit ihnen leben, kochen und feiern zwölf Pfadfinderinnen und Pfadfinder aus der Ukraine. Die Freundschaft besteht schon seit etlichen Jahren. Früher gab es regelmäßig Besuche und Gegenbesuche. Doch seit 2019 war keine persönliche Begegnung mehr möglich. Erst machte Corona Reisen schwierig, später verhinderte der russische Angriffskrieg auf die Ukraine weitere Treffen. Umso größer ist nun die Freude darüber, dass endlich wieder Gäste aus der Ukraine nach Harsefeld kommen konnten.

Bei diesem Lagerprogramm kann man richtig abheben | Foto: Niklas Krüger
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31 Stunden im Fernbus
Die Anreise war alles andere als kurz. Von der westukrainischen Stadt Uman aus ging es mit dem Fernbus mehr als 1.800 Kilometer Richtung Deutschland. Rund 31 Stunden war die Gruppe unterwegs. Für viele der Jugendlichen sei es die erste Reise ins Ausland und überhaupt die erste große Reise gewesen, erzählt ihre Gruppenleiterin Tetjana. Noch bevor man gemeinsam zum Bundeslager weiterreiste, verbrachten die Ukrainer einige Tage in Harsefeld. Untergebracht waren sie bei Familien der örtlichen Pfadfinder. Es standen zahlreiche Aktivitäten auf dem Programm – darunter ein Hamburg-Besuch und ein Ausflug nach Cuxhaven, wo Strand und Kletterpark angesagt waren. So war die Gruppe bereits zu einer Gemeinschaft zusammengeschweißt, bevor auf dem BdP-Lager die Zelte aufgebaut wurden.

Flugzeuge am Himmel
Bei aller Gemeinsamkeit gab es bei diesem Besuch auch ganz unscheinbare Momente, die für die deutschen Gastgeber völlig unspektakulär waren, bei den ukrainischen Gästen aber Emotionen hervorriefen. Wenn etwa ein Passagierflugzeug am Himmel vorbeizog. Für die Menschen in Deutschland ist das ganz normal. Für die ukrainischen Jugendlichen nicht. Seit Beginn des Krieges ist der zivile Luftverkehr in der Ukraine eingestellt. Wer dort ein Flugobjekt sieht oder hört, denkt nicht an Ferienflieger – sondern an Drohnen, Raketen oder russische Kampfjets. Dass in Deutschland Zivilmaschinen friedlich über den Himmel ziehen und niemand deshalb nervös nach oben schauen muss, ist für die jungen Gäste ein ungewohnter Eindruck. Gerade solche kleinen Alltagserlebnisse machen deutlich, was es heißt, in einem Land zu leben, in dem Krieg herrscht.

Harsefelder Pfadfinder pflanzten Bäumchen in der Ukraine / Hoffnung auf eine Zukunft ohne Krieg und Konflikte

Wyschywanka und Wareniki
Zurück zu den schönen Erlebnissen: Besonders bunt wurde es beim internationalen Abend des Bundeslagers. Dort stellten die Gastgruppen ihre Heimatländer vor. Die ukrainischen Jugendlichen präsentierten sich in ihren traditionellen Wyschywankas, kunstvoll bestickten Hemden und Blusen mit Blumenmotiven und typischen slawischen Mustern. In ihren Trachten servierten die ukrainischen Jugendlichen eine Spezialität ihrer Heimat: Wareniki – mit Kartoffeln gefüllte Teigtaschen.

In ihren Trachten präsentierten sich die Gäste aus der Ukraine auf dem internationalen Abend | Foto: Niklas Krüger
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Auch die Harsefelder kamen in den Genuss ukrainischer Küche. Für sie wurde eine ordentliche Portion Borschtsch gekocht – in der klassischen herzhaften Variante mit reichlich Fleisch als Grundlage. Auch wenn es in diesem Fall nicht vegetarisch bzw. vegan war – wie sonst mittlerweile bei Pfadfindern üblich: So funktioniert internationale Verständigung bei Pfadfindern ganz praktisch – gemeinsam kochen, gemeinsam essen, gemeinsam etwas erleben.

Schwarzes Meer statt "Malle": Jugendliche aus Harsefeld fuhren in die Ukraine
Auf dem Bundeslager wurde sogar eine Bühne aufgebaut  | Foto: BdP/Daniel Lienert
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Jubiläumslager des BdP
Auch sonst bietet das Bundeslager reichlich Programm. In den Unterlagern wird gebaut, gespielt und gewerkelt – dazu gibt es Workshops, Ausflüge und Begegnungen zwischen den Gruppen. Zwischendurch sorgte die Feuerwehr angesichts der hochsommerlichen Temperaturen für eine willkommene Abkühlung. Berichte von den einzelnen Lagertagen finden sich im "Bula-Blog" des BdP: www.bundeslager.pfadfinden.de/lagerblog/

Auf dem Lager finden die verschiedensten Aktivitäten statt | Foto: Niklas Krüger
  • Auf dem Lager finden die verschiedensten Aktivitäten statt
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Das Lager ist zugleich ein Jubiläum: Der BdP feiert in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen. Der 1976 gegründete Verband ist interkonfessionell und überparteilich und zählt rund 30.000 Kinder und Jugendliche. Sein Prinzip lautet unter anderem „Jugend leitet Jugend“ – Verantwortung soll möglichst früh übernommen und praktisch gelernt werden.

Bald heißt es Abschied nehmen
Am Sonntag endet das Bundeslager. Dann kommen die ukrainischen Gäste zunächst noch einmal mit zurück nach Harsefeld. Dort wird es einen Abschiedsabend geben. Am Montagmorgen beginnt für die ukrainische Gruppe am Hamburger Busbahnhof schließlich die lange Rückfahrt Richtung Heimat.

Redakteur:

Jörg Dammann aus Stade

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