Ahlerstedt
Hausarzt schmeißt wegen Impfpflicht und Pharmaindustrie hin

Die meisten Ärzte sind laut der Ärztekammer geimpft, ob es im März zu Personalmangel kommt, bleibe abzuwarten
  • Die meisten Ärzte sind laut der Ärztekammer geimpft, ob es im März zu Personalmangel kommt, bleibe abzuwarten
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sv. Ahlerstedt. Noch knapp zwei Monate haben ungeimpfte Mitarbeiter in Arztpraxen, Kliniken, Betreuungseinrichtungen und in der Pflege Zeit, sich gegen Corona impfen zu lassen, bevor am 16. März die einrichtungsbezogene Impfpflicht greift. Was in vielen Einrichtungen bereits jetzt zu Personalmangel führt, hat Hausarzt Dr. Jens Wagner in Ahlerstedt (Landkreis Stade) sogar dazu gebracht, seine ärztliche Tätigkeit zu beenden: Noch bis Anfang Juni will er in der Praxisgemeinschaft mit Dr. Nicole Lenzi-Sommer weitermachen und nach einem Nachfolger suchen, dann ist für ihn Schluss.

"Die Entscheidungen der Politik haben überhaupt keine Beweggründe in medizinischer Sache mehr", sagt Wagner. "Für die Politiker, die auf dem medizinischen Gebiet keine Ahnung haben, scheinen ärztliche Kompetenzen in Entscheidungsfragen nicht mehr zu zählen. Das ist reine Schikane."

Wagner impft nicht gegen das Coronavirus, da er die Nebenwirkungsrate für zu hoch hält. Dr. Nicole Lenzi-Sommer impft dagegen schon länger. Dass Wagner die Stelle in der Praxisgemeinschaft nun aufgibt, nachdem er sie erst im Juli 2015 von Dr. Ulrich Härtel übernommen hatte, hängt für ihn nicht nur mit der Impfpflicht zusammen. Die Pandemie sei aber ein gutes Beispiel dafür, wie die Pharmaindustrie jede Chance und Krisensituation nutze, um Profit herauszuschlagen. Noch hat Wagner keinen Plan B. Im medizinischen Bereich zu bleiben, könne er sich aber nur vorstellen, wenn "ich etwas finde, wo meine Kompetenzen geschätzt werden".

Auf die Entscheidung von Dr. Wagner reagiert Ahlerstedts Gemeindebürgermeister Uwe Arndt nur wortkarg. "Ich gehe davon aus, dass wir auch in den nächsten fünf Jahren noch zwei Arztpraxen in Ahlerstedt haben werden", ist sein einziger Kommentar dazu. Mithilfe mobiler Impfteams würde die Gemeinde die beiden nicht impfenden Ärzte Dr. Wagner und Dr. Matthias Parpart, die Arndt beide einst in die Gemeinde geholt hatte, bisher gut ausgleichen.

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Impfstoff sei nicht ausreichend erprobt

Auch Dr. Matthias Parpart impft in seiner Hausarztpraxis in Ahlerstedt nicht gegen das Coronavirus, da er die Impfstoffe für nicht ausreichend erprobt hält. "Bei gewöhnlichen Impfstoffen erfolgt die Zulassung erst nach acht bis zehn Jahren", sagt Parpart. Dass jetzt alles so schnell erfolgt, sieht er kritisch. "Das öffentliche Gesundheitssystem wurde komplett kaputt gespart. Das sieht man ja schon daran, dass die Gesundheitsämter nicht mehr mit der Kontaktverfolgung nachkommen."

Ob er in seiner Praxis mit Personalmangel rechnet, kann er noch nicht sagen. Das Gesundheitsamt habe in dem Beschäftigungsverbot für ungeimpfte Mitarbeiter ab Mitte März auch eine Kann-Regelung eingebaut, sodass ein tatsächliches Beschäftigungsverbot im Einzelfall geprüft wird. Über eine Schließung der Praxis in einem solchen Fall will Parpart nicht nachdenken, denn: "Wo sollen die 2.000 Patienten im Quartal sonst hin?"

Ärzte haben noch viele Fragen zur Impfpflicht

Die meisten Ärzte sind geimpft

Thomas Spieker, Sprecher der niedersächsischen Ärztekammer, möchte nicht über einen eventuellen Personalmangel durch die Impfpflicht spekulieren: "Es gilt, die Entwicklung abzuwarten. Sicher ist, dass der allergrößte Teil der Ärztinnen und Ärzte, egal ob niedergelassen oder angestellt arbeitend, geimpft ist."

Ministerin spricht von "Bestandsschutz"

(jd). Mit welchen Sanktionen müssen niedergelassene Ärzte rechnen, deren Personal bis zum Stichtag nicht geimpft wurde? Auf diese Frage antwortete Niedersachsens Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) bei einer Veranstaltung in der Region, dass den Gesundheitsämter hier einen Ermessensspielraum hätten. Ein Leitfaden für diesen Spielraum werde gerade erarbeitet. Sollten Ungeimpfte gemeldet werden, fordere das Gesundheitsamt eine Stellungnahme beim Praxisinhaber an. Behrens spricht von einem "Bestandsschutz": Nicht geimpftes Personal müsse nicht mit sofortiger Entlassung rechnen. Auf jeden Fall werde das Gespräch gesucht, um Überzeugungsarbeit zu leisten. Ungeimpfte dürfen ab dem 15. März aber nicht neu eingestellt werden.

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Autor:

Svenja Adamski aus Buchholz

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