Spatenstich in Dollern: Hier entsteht das Wasserwerk der Zukunft
- Erster Spatenstich mit (v. li.): Jörg Meyer (Ingenieurbüro Lührs Bremen), Knut Willenbockel (Samtgemeinde-Bürgermeister Horneburg), Ralf Burghartz (TWV-Geschäftsführer), Hans-Werner Hinck (TWV-Vorsitzender), Kai Seefried (Landrat) und Vanessa Fischer (Firma Beton und Monierbau GmbH Nordhorn)
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Bagger, Bauhelme und viele zufriedene Gesichter: Mit dem ersten Spatenstich hat der Trinkwasserverband Stader Land (TWV) am Donnerstag den Startschuss für ein Großprojekt gegeben, das die Wasserversorgung im Landkreis Stade für Jahrzehnte sichern soll. Auf dem Firmengelände in Dollern entsteht in den kommenden Jahren ein hochmodernes Wasserwerk – energieeffizienter, leistungsfähiger und fit für die Herausforderungen von Klimawandel und Bevölkerungswachstum. Die Gesamtinvestitionen belaufen sich auf rund 30 Millionen Euro. Das Projekt wird mit 5,4 Millionen Euro öffentlich gefördert.
Lange blieb es nicht beim symbolischen Akt: Bereits am nächsten Tag begannen die ersten Erdarbeiten. Rund 2.000 Kubikmeter Erde müssen für das neue Gebäude bewegt werden. Ebenfalls bereits in Arbeit ist eine Baustraße, damit die großen Fahrzeuge direkt von der Bundesstraße auf das Gelände fahren können. Hierfür stellen örtliche Landwirte extra Flächen zur Verfügung.
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„Das ist eine Zukunftsinvestition für den Landkreis Stade“, betonte Landrat Kai Seefried beim Spatenstich. Tatsächlich gehört das Vorhaben zu den größten Infrastrukturprojekten der vergangenen Jahre in der Region.
Wenn Wasser zur Zukunftsfrage wird
Trinkwasser kommt für die meisten Menschen ganz selbstverständlich aus dem Hahn. Doch hinter dieser Selbstverständlichkeit steckt eine aufwendige Technik – und die muss mit den Anforderungen der Zukunft Schritt halten.
Der Landkreis Stade wächst, gleichzeitig sorgen häufiger auftretende Hitze- und Trockenperioden für einen steigenden Wasserbedarf. Bereits 2018 hatten Versorgungsengpässe gezeigt, dass langfristig gehandelt werden muss.
- Bauschild mit Visualisierung des fertigen Wasserwerks
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Mit dem Neubau reagiert der TWV nun auf diese Entwicklung. Das Besondere: Die neue Anlage wird nicht nur mehr leisten, sondern dabei sogar deutlich weniger Energie verbrauchen. Nach Angaben des Verbandes benötigt die neue Technik mehr als 20 Prozent weniger Energie als die bisherige Anlage.
Aus Grundwasser wird Trinkwasser
Das Wasser, das im Landkreis Stade aus der Tiefe gefördert wird, ist nicht sofort trinkbar. Es enthält natürliche Bestandteile wie Eisen, Mangan, Ammonium und Methan, die zunächst entfernt werden müssen.
Dafür setzt der TWV künftig auf modernste Aufbereitungstechnik. In einem ersten Schritt wird das Grundwasser mit Sauerstoff angereichert. Anschließend durchläuft es offene Quarzsandfilter. Sechs parallele Filterstraßen sorgen dafür, dass künftig bis zu 950 Kubikmeter Wasser pro Stunde aufbereitet werden können.
Zusätzlich entsteht ein neuer Reinwasserspeicher mit einem Volumen von 2.000 Kubikmetern. Zusammen mit den bestehenden Speichern können in Dollern künftig insgesamt 10.000 Kubikmeter Trinkwasser bevorratet werden.
Solaranlage auf dem Dach
Auch beim Thema Nachhaltigkeit setzt der Verband auf moderne Lösungen. Auf dem Dach des neuen Wasserwerks wird eine Solaranlage mit 130 Kilowattpeak Leistung installiert. Dazu kommen besonders effiziente Pumpen und moderne Steuerungstechnik.
Für den Ernstfall wurde ebenfalls vorgesorgt: Sollte die digitale Steuerung einmal ausfallen, kann die Anlage weiterhin manuell betrieben werden. Außerdem investiert der Verband zusätzlich rund fünf Millionen Euro in neue Brunnen und ein Notstromaggregat.
- Die Baustraße ist bereits in Arbeit
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Das neue Wasserwerk entsteht auf einem Grundstück, das bereits dem Trinkwasserverband gehörte. Ganz ohne Eingriff in die Natur geht ein solches Projekt allerdings nicht: Für den Bau mussten rund 3.000 Quadratmeter Wald gerodet werden.
Der Verband will dies jedoch mehr als ausgleichen. In der Nähe von Heinbockel sollen 6.000 Quadratmeter neuer Wald entstehen. Damit wird deutlich mehr Fläche aufgeforstet, als gesetzlich vorgeschrieben wäre.
Abschied vom alten Wasserwerk
Wenn alles nach Plan läuft, wird das neue Wasserwerk Ende 2028 fertiggestellt. 2029 folgen die Inbetriebnahme und die sogenannte Einlaufphase. Im dritten Quartal soll das Werk schließlich ans Trinkwassernetz angeschlossen werden.
Dann endet zugleich ein Kapitel in der Geschichte der Wasserversorgung: Das bisherige Wasserwerk wird nach der erfolgreichen Inbetriebnahme abgeschaltet.
Für die meisten Bürger dürfte davon kaum etwas zu merken sein. Genau das ist das Ziel des Projekts. Denn auch in Zukunft soll Trinkwasser jederzeit zuverlässig aus dem Hahn fließen – selbst wenn die Anforderungen weiter steigen.
Der lange Weg zum Neubau
- 2018: Versorgungsengpässe machen den steigenden Handlungsbedarf deutlich
- 2019: Ausbau einer Aufbereitungsstufe im Wasserwerk Heinbockel
- 2020: Der Verbandsausschuss befasst sich mit der langfristigen Sicherung der Wasserversorgung und beschließt die Suche nach einem Planungsbüro
- 2022: Das Ingenieurbüro Lührs aus Bremen wird mit der Planung einer neuen Aufbereitungsanlage beauftragt
- 2024: Abschluss der Genehmigungsplanung
- 2025: Bauantrag wird eingereicht; Ausschreibung der Erd- und Rohbauarbeiten
- Januar 2026: Erteilung der Baugenehmigung
- März 2026: Förderzusage über 5,4 Millionen Euro vom Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit
- Mai 2026: Die Firma Beton- und Monierbau GmbH aus Nordhorn erhält den Auftrag für die Erd- und Rohbauarbeiten
- 28. Mai 2026: Erster Spatenstich für den Neubau des Wasserwerks
- 2029: Geplante Inbetriebnahme und Anschluss an das Trinkwassernetz
Warum der TWV zum Wassersparen aufruft
Im Landkreis Stade ist genügend Grundwasser vorhanden. Das Problem liegt nach Angaben von TWV-Geschäftsführer Ralf Burghartz an anderer Stelle: Die Kapazitäten zur Aufbereitung des Wassers zu Trinkwasser sind begrenzt.
Mit einer geplanten Informationskampagne möchte der Verband deshalb für einen bewussteren Umgang mit Trinkwasser werben. Gerade die Bewässerung von Rasenflächen mit aufbereitetem Trinkwasser sieht der TWV kritisch. Stattdessen sollen Bürger verstärkt auf Regenwassernutzung und andere Alternativen setzen.
Denn je sparsamer Trinkwasser verwendet wird, desto besser lässt sich die Versorgung auch in heißen Sommern sichern.
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