Bisher keine weiteren Kontrollen erfolgt
Müll der Ex-Lühesand-Dauercamper: Landkreis zeigt sich geduldig
- Auf der Elbinsel Lühesand müssen jede Menge Baustoffreste von Parzellen der ehemaligen Dauercamper entsorgt werden (Symbolfoto)
- Foto: Adobe Stock/Nigel Graver
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Eine Insel im Umbruch: Nachdem die früheren Dauercamper die Elbinsel Lühesand verlassen haben, geht es ans große Aufräumen und Sanieren, damit die neuen Campingplatz-Pächter im kommenden Jahr durchstarten können. Alte Planen, verrostete Drahtgestelle, Anhängerteile, Möbel, Baumaterialien – all das hat sich über die Jahre unkontrolliert angesammelt. Etliche Ex-Camper waren den Sommer über dabei, die Hinterlassenschaften von ihren Dauerparzellen zu beseitigen. Doch einige schalten offenbar auf stur und haben bisher nicht auf die Aufforderung reagiert, ihren Krimskrams wegzuholen. Beim Landkreis Stade als zuständiger Abfallbehörde herrscht aber noch Gelassenheit.
Große Mengen an Abfall entdeckt
Bereits im Frühjahr nahmen Vertreter der Kreis-Abfallbehörde die Insel in Augenschein. Während es bei der ersten Begehung noch hieß, es gebe „keinen entsorgungspflichtigen Unrat“, zeigte sich wenig später ein ganz anderes Bild: Große Mengen an Abfällen aller Art – besonders auf dem alten Campingplatzgelände – wurden plötzlich entdeckt. Heute spricht die Abfallbehörde auf WOCHENBLATT-Nachfrage von einer „fortschreitenden Aufräum- und Entsorgungssituation“. Mit anderen Worten: Es tut sich wohl etwas, aber es dauert, da es sich hauptsächlich um sperrige Baustoffreste handelt.
Ex-Pächter ist in der Pflicht
Doch an wen hält sich der Landkreis, wenn die Insel nicht - wie gefordert - bis zum Herbst vom Unrat befreit ist? Juristisch ist die Lage komplex – wie so oft beim Thema Abfall. Grundsätzlich gilt: Wer den Müll produziert oder besitzt, muss ihn auch loswerden. Da es aber keine Liste der bisherigen Dauercamper gibt, richtet sich der Blick der Behörden auf den Ex-Pächter. Er ist in der Pflicht, sich darum zu kümmern, dass die Ex-Camper ihren Müll einsammeln, ans Festland bringen und dort fachgerecht entsorgen.
Beseitigungsverfügung als letzte Konsequenz
Noch aber setzt der Landkreis auf Freiwilligkeit: Solange der ehemalige Betreiber sich kooperativ zeigt und "der freiwillige Wille zur ordnungsgemäßen Entsorgung besteht", sehe man keine Notwendigkeit für eine Beseitigungsverfügung, heißt es aus dem Stader Kreishaus. Wenn der Müll aber nicht bis zum Herbst von der Insel verschwunden ist, behält sich der Landkreis "geeignete ordnungsrechtliche Maßnahmen" vor. Dann könnte auch eine sogenannte Ersatzvornahme erfolgen. Das heißt: Der Landkreis lässt räumen und die Kosten müsste ggf. der Ex-Pächter tragen.
Fraglich ist allerdings nach wie vor, ob bei den Begehungen tatsächlich sämtlicher (Wild-)Müll erfasst wurde.
"Aufgrund fehlender belastbarer Informationen gestaltet sich die Identifikation potenzieller Ablagerungen schwierig", so die Abfallbehörde. Die Insel sei zu groß, um ohne Anhaltspunkte etwa systematisch nach vergrabenen Abfällen zu suchen. Der Landkreis prüfe die Möglichkeit stichprobenartiger Untersuchungen. Dafür müssten aber konkrete Hinweise vorliegen, wo sich noch Abfälle befinden könnten.
Bürgermeister gibt sich zuversichtlich
Lühe-Samtgemeindebürgermeister Timo Gerke gibt sich indes gelassen. „Die anfänglichen Unkenrufe einzelner ehemaliger Dauercamper sind verflogen“, sagt er. Tatsächlich nutzten viele Ex-Camper schon im Frühjahr die ersten Fährfahrten, um ihre zum Teil über Jahrzehnte angesammelten Habseligkeiten von der Insel zu holen. Gerke zeigt sich zuversichtlich: „Mit Ablauf dieser (nicht stattgefundenen) Saison soll das Ganze abgeschlossen sein. Dann können wir den neuen Betreibern zur Saison 2026 ein ordentliches Gelände übergeben.“
Ein Neustart mit Blick auf Familien
Das künftige Betreiber-Ehepaar Nora und Philipp Köhnken hat große Pläne mit dem Campingplatz. Auf Lühesand soll ein moderner, familienfreundlicher Erholungsort entstehen. Geplant sind Tiny Houses, ein buntes Programm mit Kinderanimation, Holzwerkstatt, Kanu-Workshops – kurz: eine Insel, die jungen Familien Raum für Auszeit bietet. Damit wird sich das Gesicht der Insel deutlich verändern. Die Ära des improvisierten Campings mit Solarpaneel und Wasserkanister ist dann vorbei. Stattdessen soll Lühesand ein Platz werden, an dem Menschen für ein paar Tage den Alltag vergessen – mitten in der Elbe, mit Blick auf die Schiffe, die vorbeiziehen.
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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