Natürliche Rasenmäher in Emmelndorf
Schafe, Ziegen und Rinder fördern Biodiversifizierung in Regenrückhaltenbecken
- Eine Schafsherde im Regenrückhaltebecken in Emmelndorf
- Foto: sra
- hochgeladen von Sven Rathert
Tiere übernehmen in Seevetal seit dem vergangenen Sommer eine neue Aufgabe. In Zusammenarbeit mit dem Betriebshof, der Landwirtschaftskammer Niedersachsen und dem Schäfereibetrieb Reuscher hat die Gemeinde die Pflege von drei Regenrückhaltebecken neu organisiert. Ziel ist es, die biologische Vielfalt zu fördern und die Standorte ökologisch aufzuwerten.
Betroffen sind die Regenrückhaltebecken „Jesdal“ und „Auf dem Wittenberg“ in Fleestedt sowie „Bosteler Feld“ in Hittfeld. Regenrückhaltebecken dienen als temporäre Wasserspeicher bei starken Niederschlägen und fallen anschließend wieder trocken. Der Pflanzenbewuchs muss regelmäßig gepflegt werden.
Bislang wurden die Flächen durch Mulchmahd gepflegt. Dabei blieb das zerkleinerte Schnittgut auf den Flächen liegen. Nun setzt die Gemeinde auf eine naturnähere Lösung. Teilbereiche wurden gefräst und mit artenreichem, gebietseigenem Saatgut neu eingesät. Die ausgewählten Pflanzen sollen Insekten, Vögeln und Amphibien zusätzliche Lebensräume bieten. Ein zentraler Bestandteil des neuen Konzepts ist die extensive Beweidung mit Schafen. Sie halten die Flächen offen und ersetzen teilweise die maschinelle Pflege. Gleichzeitig werden deutlich weniger Insekten verletzt als bei einer herkömmlichen Mahd.
Paarhufer als natürliche Rasenmäher
Zwischenstand nach rund einem Jahr nach Projektstart: Nach Angaben der Gemeinde hat sich das Konzept bislang bewährt. „Das Projekt läuft super und entwickelt sich sehr gut“, sagt Bürgermeisterin Emily Weede. Dies gelte auch für weitere Beweidungsprojekte in der Gemeinde. Die Schafe übernehmen dabei mehr als reine Landschaftspflege. Neben dem Einsatz als natürliche „Rasenmäher“ fördern die Wiederkäuer gleichzeitig die Artenvielfalt. Ihr Kot lockt zahlreiche Insekten an, die wiederum Vögeln und kleinen Säugetieren als Nahrungsquelle dienen. Dadurch entstehen zusätzliche Nahrungsketten und Lebensräume auf den Flächen.
Begleitend wird ein Amphibienmonitoring durchgeführt. In den Nassbereichen konnten bereits Grasfrösche, Erdkröten und Teichmolche nachgewiesen werden. Die schonende Beweidung schützt insbesondere junge Amphibien, die nach ihrer Entwicklung im Wasser geeignete Landlebensräume aufsuchen.
„Wir sind überzeugt, dass dieses neue Pflegekonzept beispielgebend für den naturnahen Umgang mit technischen Bauwerken sein kann“, sagt Simon Clausing von der Stabsstelle Umwelt der Gemeinde Seevetal.
Weitere Beweidungsprojekte geplant
Neben den Schafen setzt die Gemeinde inzwischen auch auf weitere tierische Helfer. Ziegen werden zur Bekämpfung invasiver Pflanzenarten eingesetzt. Darüber hinaus laufen Projekte mit Rindern, die bei der Eindämmung des Jakobskreuzkrauts helfen sollen. „Auch diese Projekte laufen sehr gut an“, sagt Emily Weede. Die Resonanz aus der Bevölkerung sei positiv. Beschwerden habe es bislang nicht gegeben. Die Gemeinde sieht in der Beweidung einen wichtigen Baustein für eine naturnahe Flächenpflege und den Erhalt der Artenvielfalt.
Redakteur:Sven Rathert aus Seevetal |
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