Interview
Schule im Corona-Regelbetrieb: Ein Grundschulleiter gibt Einblick in den Alltag

Grundschulleiter Rolf André
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WOCHENBLATT: Müssen Sie im Unterricht zwischen Ängstlichen, denen die Corona-Maßnahmen nicht weit genug gehen, und denen, die alles für übertrieben halten, vermitteln?
Rolf André: Da wir eine reine Grundschule sind, habe wir kritische Rückfragen oder Diskussionen mit Schülern bislang noch nicht erlebt. Wir haben auch nur zwei Kinder, die mit ärztlichem Attest ohne Maske die Schule betreten dürfen. Es ist grundsätzlich an der Grundschule so, dass der Unterricht ohne Maske durchgeführt wird. Nur bei den Gängen über den Flur, also morgens, zu den Pausen, zum Sport und dergleichen Wegen, wird bei uns eine Maske getragen.
Sicherlich wird der Schulalltag durch die neue Situation geprägt: Alle Kinder müssen sich zum Beispiel die Hände waschen. Das erfordert doch eine gewissen Koordination und auch eine Staffelung der Anfangs- und Pausenzeiten. Sonst träfen sich alle Schüler vor den Waschbecken. Das wäre ja auch kontraproduktiv...
WOCHENBLATT: Wie viele Kollegen bleiben zu Hause, weil sie zu Risikogruppen gehören?
Rolf André: Bei uns sind rund zehn Prozent der Stunden aufgrund von vulnerablen Personen weggebrochen. Das kann man auffangen, da die Landesschulbehörde es uns ermöglicht hat, Stundentafeln kurzfristig zu ändern und die Kräfte so besser zu verteilen. Es fallen keine Stunden aus. Schwierig ist es aber trotzdem, da die Stunden der Kollegen und Kolleginnen im Homeoffice offiziell in der Statistik als vorhanden gezählt werden. Sie sollen Unterricht vorbereiten oder Korrekturen übernehmen. Das ist in der Praxis komplizierter als die Idee dahinter, da die Kollegen und Kolleginnen ja gar nicht "im Film" sind und die Korrekturen von Arbeiten .ohne das Unterrichtsgeschehen miterlebt zu haben, schwierig sind. Die wegfallenden Stunden sind dann also Doppelbesetzungen, Förder- und Forderangebote und AG-Stunden.
WOCHENBLATT: Mit welchen Erwartungen werden Sie von Eltern konfrontiert?
Rolf André: Der größte Elternwunsch ist, dass die Schule möglichst nicht wieder ins Szenario B (Wechselbetrieb Schule und Homeschooling, Anm. der Redaktion) wechselt. Viele Eltern haben ihren Urlaub komplett aufgebraucht. Wenn die Kinder wieder wochenweise zu Hause im Homeschooling sind, wird es für sie problematisch. Sicherlich wird eine Notbetreuung angeboten werden. Man muss aber bedenken, dass für jede Notbetreuungsgruppe ja auch ein Betreuer nebst eigenem Raum benötigt wird. Hier wird offensichtlich, dass das nur begrenzt möglich ist. Außerdem fällt im Szenario B das Ganztagsangebot komplett weg. Das bedeutet, dass die Kinder nach der fünften Stunde nach Hause gehen.
WOCHENBLATT: Wie ist die Stimmung im Klassenzimmer beim täglichen Lüften?
Rolf André: Die Kids machen das prima. Sie unterstützen die Lehrkräfte beim Stoßlüften. Die Regeln dazu sind besprochen und das Lüften wird oft als Element in den Unterricht eingebaut. Aufstehen, Dehnübungen, alles Dinge, die ohnehin viel öfter gemacht werden müssten, als man es tut. Nun tun wir es. Allen ist klar, dass es nun kühler in den Klassenräumen ist und die Kinder werden angehalten, sich entsprechend zu kleiden. Und wenn einer die Jacke anbehalten will, soll er es doch tun!
WOCHENBLATT: Halten Sie es für wahrscheinlich, dass Schulen ohne Teilungsgruppen und Fernunterricht durch den Winter kommen?
Rolf André: An vielen Schulen ist es schon vorgekommen, dass Gruppen in Quarantäne geschickt wurden, an vielen ist es aktuell so. Die Entscheidung dazu trifft immer das Gesundheitsamt. Die Schule ist nur "Befehlsempfänger", wie weiter zu verfahren ist. Das Szenario B wird grundsätzlich erst in Betracht gezogen, wenn der Inzidenzwert im Landkreis die 100 überschritten hat und an einer Schule ein Fall von COVID-19 bestätigt ist. Auch muss die Lage über den Landkreis hinaus in Niedersachsen betrachtet werden. So einfach ist Frage also nicht zu beantworten, da es viele Variablen in der Gleichung gibt. Ich denke, dass noch einige Schule Gruppen in Quarantäne schicken müssen. Ob es schlimmer wird, hängt nicht zuletzt vom Verhalten der Bevölkerung und den sich daraus entwickelnden Inzidenzwerten ab.
An dieser Stelle sei angemerkt, dass die Gesundheitsämter bemüht sind, uns schnelle Antworten zu geben. Aber jeder Fall ist ein Einzelfall und muss als solcher entschieden werden. Ich bin mir sicher, das die Gesundheitsämter an ihrer Leistungsgrenze arbeiten und habe Verständnis für Verzögerungen. Dass diese Verzögerungen im Falle einer bestätigten Covid-19-Erkrankung dann bei Eltern wieder auf Unverständnis stoßen, da sie ja nicht wissen, wie die Abläufe sind, ist ebenfalls nachvollziehbar. Eine offene Kommunikation zwischen Schule und Eltern ist an dieser Stelle unbedingt notwendig.

Autor:

Thomas Sulzyc aus Seevetal

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