Ratten in Seevetal
Seit Monaten Befall in Maschen und EU-Gestzesänderung
- Die Stelle im Mauerwerk, durch die die Tiere immer wieder in das Müllhäuschen eindringen
- Foto: sra
- hochgeladen von Sven Rathert
Immer wieder gibt es in Seevetal Meldungen über Ratten in einzelnen Ortschaften. Nun sorgt ein neuer Fall in Maschen für Aufsehen. Wie die Rattenfänger von Hameln fühlen sich manche Anwohner, nur ohne Flöte. „Es ist eine absolute Zumutung“, sagt Horst Carls, der im betroffenen Moorweidendamm wohnt. Nach eigenen Angaben hat er sich bereits mehrfach an die Gemeindeverwaltung gewandt, bisher jedoch ohne Erfolg.
Wie in Mehrfamilienhaussiedlungen üblich, stehen auch bei ihm im Hof Sammelcontainer für den Müll der Hausbewohner. Zum Schutz wurden diese in einem verschließbaren Steinhaus untergebracht, denn das Wohnungsunternehmen KWG (Kommunale Wohnungsbaugesellschaft für den Landkreis Harburg mbH) war sich der Gefahren durch frei zugänglichen Müll bewusst. Wildtiere könnten angelockt werden, bei Hitze beginnt der Abfall zu stinken, Wespen und Ungeziefer finden leicht Nahrung und auch Unbefugte hätten Zugriff. Eigentlich also eine sinnvolle Lösung, doch hier liegt das Problem: Laut den Anwohnern haben sich vermutlich Ratten durch das massive Gestein genagt und so ein Einfallstor geschaffen. „Reinlaufen, fressen, verschwinden“, beschreibt Carls den Kreislauf. Die intelligenten Tiere kommunizieren miteinander, sodass weitere Artgenossen nachziehen. Ein frei zugänglicher Sammelort für Müll ist ein Eldorado für die Tiere. Schon jetzt berichten Anwohner, wenn auch mit einem Augenzwinkern, von „Ratten so groß wie Katzen“.
Die KWG ist nicht untätig. Sie bekämpft die Ratten mithilfe eines Schädlingsbekämpfers auf der gesamten Anlage bislang mit Giftfallen. Laut den Anwohnern sei das jedoch nicht ausreichend – dringend notwendig sei es, das Loch im Schutzhaus zu schließen.
EU-Verbot von Rattengift ab 2026
Die Bekämpfung der Tiere wird besonders für Privatpersonen in Zukunft schwieriger. Ab dem 1. Juli 2026 gilt ein EU-weites Verbot für die vorbeugende Dauerbeköderung mit Rattengift. Private dürfen Rodentizide mit blutgerinnungshemmenden Wirkstoffen dann nicht mehr verwenden. Gift darf nur noch bei akutem Befall und ausschließlich durch zertifizierte Fachbetriebe eingesetzt werden. Ziel ist es, Menschen, Tiere und die Umwelt zu schützen.
Schon ab Januar 2026 müssen Giftköder in der Nähe von Gewässern und Kanälen in manipulationssicheren Boxen ausgelegt werden. Der Grund: 95 Prozent der Rattengifte enthalten Antikoagulanzien, die sich in der Nahrungskette anreichern und auch Greifvögel, Füchse oder Katzen tödlich treffen können. Kinder und Haustiere sind ebenfalls gefährdet.
Wie groß die Herausforderungen sein können, zeigt der Fall in Maschen. Trotz regelmäßiger Beköderung durch die Hausverwaltung bleibt das Schlupfloch im Müllhäuschen offen. „Das Loch wird immer größer“, warnt Carls. Ein Nachbar ergänzt, man müsse vermutlich das ganze Schutzhäuschen erneuern.
Auch in Fleestedt gibt es Sorgen. Dort befürchten Hühnerhalter steigende Kosten für die Schädlingsbekämpfung, da der Einsatz von Fachfirmen zwischen 300 und 700 Euro kosten kann.
Vorbeugung statt Gift
Tierschutzorganisationen und das Umweltbundesamt sehen in dem Verbot jedoch eine Chance. Statt Gift sollen künftig nachhaltige Methoden Vorrang haben: Mülltonnen dicht verschließen, Futterreste nicht offen lagern, bauliche Abdichtungen vornehmen und Schlag- oder Lebendfallen einsetzen. Moderne Monitoring-Systeme können helfen, Befall rechtzeitig zu erkennen.
Ratten sind anpassungsfähig und vermehren sich rasant. Ein Weibchen kann bis zu 500 Nachkommen pro Jahr haben. Klar ist: Nur mit vorbeugenden Maßnahmen lässt sich das Problem dauerhaft eindämmen.
Ratten – Fakten und Mythen
Fakten
- Übertragen bis zu 120 Krankheiten, meist indirekt über Kot, Urin oder Parasiten
- Ein Weibchen wirft bis zu sechsmal im Jahr rund acht Junge, die nach zwei Monaten geschlechtsreif sind
- Theoretisch bis zu 500 Nachkommen pro Jahr
- Allesfresser: Offene Mülltonnen, Essensreste und Tierfutter sind Hauptanziehungspunkte
- Rattengift gehört laut Umweltbundesamt zu den größten Belastungen für Wildtiere und Gewässer
- Ratten sind entgegen dem Volksmund sehr reinliche Tiere, die sich häufig selbst putzen
Mythen
- „Ratten übertragen die Pest.“ – Die Pest wurde nicht direkt von Ratten, sondern von deren Flöhen verbreitet
- „Ratten leben nur in der Kanalisation.“ – Sie siedeln überall dort, wo es Futter und Unterschlupf gibt
- „Rattengift ist die einzige Lösung.“ – Hygienemaßnahmen, bauliche Sicherungen und Fallen sind oft wirksamer und sicherer
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Redakteur:Sven Rathert aus Seevetal |
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