Impfpriorisierung
Trotz Termins erhält ein Fleestedter zwei Tage vor 80. Geburtstag keine Impfung

(ts). Die niedersächsische Landesregierung drängt auf ein schnelleres Tempo bei den Corona-Schutzimpfungen, fordert die Kommunen auf, künftig durchgängig an sieben Tagen in der Woche zu impfen. Da passt das Erlebnis eines Mannes aus Seevetal-Fleestedt (Name der Redaktion bekannt) nicht ins Bild, der trotz Impftermins das Impfzentrum in Buchholz wieder verlassen musste. Grund: Der damals 79-Jährige war zwei Tage vor seinem 80. Geburtstag zu jung und nicht impfberechtigt.
Das Land Niedersachsen hatte dem Fleestedter das Impfangebot gemacht und per SMS bestätigt. Als der Mann im Impfzentrum Buchholz seinen Personalausweis zeigte, fiel auf, dass er im Alter von 79 Jahren und 363 Tagen zwei Tage zu jung sei - und musste wieder gehen. Immerhin erhielt er einen neuen Impftermin, vier Tage nachdem er fortgeschickt wurde.
Hätte die Impfgerechtigkeit Schaden genommen, wäre der Mann zwei Tage vor dem Stichtag geimpft worden? Hätte das Personal nicht ein Auge zudrücken können? Die Leiterin des Impfzentrums in Buchholz, Nadine Fischer von den Johannitern, antwortet darauf: „Laut Coronavirus-Impfverordnung des Bundes haben derzeit nur Personen mit höchster Priorität Anspruch auf Schutzimpfung. Das sind Menschen, die das 80. Lebensjahr vollendet haben. Das bedeutet, dass wir niemanden impfen dürfen, der kurz vor seinem 80. Geburtstag steht – auch wenn es sich nur um ein paar Tage handelt.
Das sind die Regeln, an die wir uns strikt halten, und die für eine faire Impfreihenfolge sorgen. Deshalb wird bei jedem Impfling bei der Anmeldung im Impfzentrum Buchholz nicht nur die Impfberechtigung, sondern auch das Geburtsdatum überprüft.
Eigentlich hätte es diesen Fall gar nicht geben dürfen, denn wer bei der Impfhotline einen Impftermin am Telefon oder online vereinbaren möchte, wird nach seinem Geburtsdatum gefragt, da nur bei der entsprechenden Berechtigung, 80 Jahre und älter, ein Termin zugewiesen wird.“
Was ging dem Fleestedter durch den Kopf, als er trotz Impftermins wieder gehen musste? "Ich hielt das erst für einen Scherz", sagt er. "Dann habe ich gedacht: armes Deutschland."

Autor:

Thomas Sulzyc aus Seevetal

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