Von Federkiel und Rechenschieber
Sammlung von Christine Strüfing wird Ausstellung am Kiekeberg
- Die ehemalige Schulleiterin Christine Strüfing (li.) mit Lea Finzel
- Foto: FLMK
- hochgeladen von Sven Rathert
Wie wurde um 1900 unterrichtet und wie heute? Im Freilichtmuseum am Kiekeberg entsteht derzeit die Sonderausstellung „Von Federkiel und Rechenschieber – Entwicklung des ländlichen Schulwesens“. Sie zeigt vom 8. November bis 17. August 2026, wie sich Schule auf dem Land über zwei Jahrhunderte gewandelt hat. Grundlage ist die über 60 Jahre aufgebaute Privatsammlung der ehemaligen Schulleiterin Christine Strüfing. Die meisten ihrer Objekte überließ sie dem Freilichtmuseum am Kiekeberg.
Sammlung mit biografischem Kern
„Bezugspunkt war immer meine eigene Kindheit und Schulzeit und die entsprechenden Schulutensilien – das hat mein Interesse geweckt. Eine Tafel und ein Griffelkasten waren der Start für meine Sammelleidenschaft, und die begann schon im Jugendalter, mit etwa 15 Jahren“, erzählte Christine Strüfing. Über sechs Jahrzehnte wuchs die Sammlung auf mehr als tausend Exponate an: Schulmöbel, Schreibmaterialien, Schulwandbilder, Ranzen, Tierpräparate, Zeugnisse, Lehrpläne und pädagogische Fachliteratur – meist aus der Zeit zwischen 1830 und 1950. Die Sammlung ist eng mit ihrer beruflichen Biografie verknüpft: Christine Strüfing leitete viele Jahre die Grundschule in Felm (Schleswig-Holstein).
Historische Schulstunden zur Vermittlung
Christine Strüfing präsentierte ihre Sammlung lange Zeit im Heimatmuseum Gettorf in einer von ihr gestalteten Schulstube um 1900. In ihrer Rolle als „Fräulein Lehrerin“ integrierte sie alte Rituale, Kleidung und Lehrmethoden. Sie richtete ihre Angebote an Kinder, Erwachsene, Seniorengruppen, Schulklassen und Menschen mit Einschränkungen. Die Vermittlung war für sie zentraler Bestandteil ihrer Sammlungstätigkeit.
Ein Ort für das Lebenswerk
Nach ersten Gesprächen im Jahr 2020 entschloss sich Christine Strüfing, große Teile ihrer Sammlung dem Freilichtmuseum am Kiekeberg zu übergeben. Museumsdirektor Stefan Zimmermann würdigte die Sammlung als „unsäglichen Gewinn“, der Wissen, Geschichten und Erfahrungen vereine. Strüfings Erfahrungen und biografische Perspektive fließen direkt in die Ausstellung ein.
Schulalltag im Wandel
Die Ausstellung zeigt rund 150 ausgewählte Exponate und greift zentrale Themen des Schulalltags auf – von Einschulung, Unterrichtsfächern und Schulmöbeln über Zeugnisse bis hin zur Entwicklung des Lehrer-Schüler-Verhältnisses. Ein Projekt mit siebten Klassen der Integrierten Gesamtschule Seevetal widmet sich den Fragen: „Was bedeutet Schule heute?“, und „Wie stellen sich Jugendliche die Bildung der Zukunft vor?“
- Stefan Zimmermann mit Christine Strüfing (Mi.) und Lea Finzel. Ihre Privatsammlung überließ Strüfing zu großen Teilen dem Freilichtmuseum am Kiekeberg
- Foto: FLMK
- hochgeladen von Sven Rathert
Themenschwerpunkte der Ausstellung
- Einschulung mit Schultüten von 1910 bis heute
- Schulranzen aus Holz von 1850 bis zur Gegenwart
- Schulstube von 1900 und Klassenzimmer der 2020er-Jahre
- Möbel und Lernmaterialien, teils mit Mitmachaktionen
- Unterrichtsfächer und Lehrmethoden im Wandel
- Zeugnisse und Strafmaßnahmen
- Zukunft der Schule – Projekt mit der IGS Seevetal
Die Ausstellung wird von der VGH Stiftung, der Stiftung der Sparkasse Harburg-Buxtehude und dem Förderverein des Freilichtmuseums unterstützt.
- Begleitband: „Von Federkiel und Rechenschieber“
- Herausgeber: Stefan Zimmermann und Lea Finzel
- Band 109 der Schriften des Freilichtmuseums am Kiekeberg
- Erhältlich ab 8. November im Museumsladen, Preis: 21,90 Euro
Redakteur:Sven Rathert aus Seevetal |
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