Kommunale Wohnungsbaugesellschaft will eigenen Gebäudetyp entwickeln

KWG-Geschäftsführer Joachim Thurmann auf dem Balkon des Großen Sitzungssaals im Seevetaler Rathaus
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Die Bedingungen für preisgünstigen Wohnungsbau im Landkreis Harburg sind schwierig. Die Antwort darauf liegt im seriellen Bauen

(ts). Die Kommunale Wohnungsbaugesellschaft für den Landkreis Harburg (KWG) wird in den nächsten fünf Jahren 120 Millionen Euro in den Bau von 800 Wohnungen investieren. Das von Städten, Gemeinden und dem Landkreis im vergangenen Jahr gegründete Unternehmen wolle einen eigenen Gebäudetyp entwickeln, um Kosten im Wohnungsbau zu senken. Das sagte KWG-Geschäftsführer bei einem Vortrag im Planungsausschuss der Gemeinde Seevetal.
Die Kommunale Wohnungsbaugesellschaft hat das Ziel, preisgünstige Wohnungen für Menschen mit kleinem und mittlerem Einkommen zu schaffen. Als preisgünstig gilt ein Quadratmeterpreis von acht oder 8,50 Euro. Die Bedingungen dafür seien schwierig, weil die Grundstückspreise im Landkreis Harburg beinahe überall überdurchschnittlich hoch seien. "Wir haben die Einkommenssituation von Niedersachsen, aber Hamburger Preise", beschrieb Jürgen Thurmann das Dilemma.
Mehrere Faktoren treiben die Kosten für Wohnungsbau in die Höhe. Nicht selten ist an möglichen Bauflächen Lärmschutz notwendig, was das Bauvorhaben teurer macht. "In Seevetal haben wir beinahe überall massive Probleme damit", sagte Thurmann. Preisgünstiger Wohnungsbau in Seevetal sei ein ambitioniertes Ziel.
Das sieht auch der Seevetaler Planungsausschussvorsitzende Norbert Fraederich so: Die Gemeinde habe nur sehr begrenzte Einwirkungsmöglichkeiten auf die Grundstückspreise, sagte er. Wíchtig sei eben auch, dass soziales Wohnen in zentralen Lagen und nicht an "den Rand" gehöre.
Ein Grundstück am Bahnhof Meckelfeld, das die Gemeinde Seevetal für den Wohnungsbau der KWG ausgeguckt hat, hält Jürgen Thurmann für höchstwahrscheinlich ungeeignet. Bis zu 20 Wohnungen sollten eigentlich auf der Fläche mit dem Arbeitstitel "Große Wiesen" entstehen.
Kostentreiber, die preisgünstigen Wohnungsbau erschwerten, seien zudem Vorgaben für Autostellplätze, die Forderung nach barrierefreien Wohnungen und lange Planungszeiten. Thurmann forderte Baugenehmigungen nach vier bis sechs Wochen.
Die Antwort der Kommunalen Wohnungsbaugesellschaft auf die Kosten treibenden Bedingungen liegt im seriellen Bauen. "Das bedeutet nicht, dass jetzt die Platte kommt", sagte Thurmann, um dem Bild von Plattenbausiedlungen sofort entgegenzutreten.
Die Kommunale Wohnungsbaugesellschaft wird preisgünstigen Wohnungsbau in drei Bauformen verwirklichen. Standardisierte Bauten in hoher Stückzahl tragen dazu bei, die Planungskosten zu senken. Die KWG arbeitet dazu mit fünf Bauunternehmen zusammen, die Preise unter den Marktpreisen garantieren.
Häufigster Bautyp wird ein zweigeschossiges Gebäude mit Satteldach sein. Ein solches Mehrfamilienhaus entsteht ab dem 1. Juli in Salzhausen bei dem ersten KWG-Bauprojekt. Preisgünstiges Wohnen verwirklicht die KWG zudem in Reihenhäusern. Partner dabei ist die Deutsche Reihenhaus AG. Dritte Bauform ist ein Gebäude mit zwei Geschossen und zusätzlichem Staffelgeschoss.
Die KWG wolle einen eigenen Gebäudetyp entwickeln, kündigte Jürgen Thurmann im Rathaus in Hittfeld an. Ab dem Bau von 150 Einheiten sei das wirtschaftlich. Vorgesehen sei eine Ausschreibung unter Beteiligung des örtlichen Handwerks.

KWG-Geschäftsführer Joachim Thurmann auf dem Balkon des Großen Sitzungssaals im Seevetaler Rathaus
Zwei Geschosse und Satteldach: Auf diese Bauform (hier am Beispiel Salzhausen) setzt die KWG beim preisgünstigen Wohnungsbau im Landkreis Harburg am häufigsten
Autor:

Thomas Sulzyc aus Seevetal

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