Deich-Buddler gefährden den Küstenschutz
200 neue Fallen: Landkreis Stade rüstet Jägerschaft im Kampf gegen Nutrias aus
- Übergabe der Nutria-Fallen an die Jäger
- Foto: Daniel Beneke/LK Stade
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Nutrias sehen ein wenig aus wie zu groß geratene Meerschweinchen, sind hervorragende Schwimmer und können mit ihren orangefarbenen Schneidezähnen durchaus putzig wirken. Doch bei Deichverbänden, Landwirten und Jägern schrillen die Alarmglocken, wenn der Name Nutria fällt. Denn die Nager haben eine unangenehme Angewohnheit: Sie buddeln. Und zwar ausgerechnet dort, wo besser niemand buddeln sollte – an Deichen und Uferböschungen.
Damit die ungebetenen Tiefbauarbeiter künftig häufiger aus dem Verkehr gezogen werden können, hat der Landkreis Stade jetzt kräftig aufgerüstet. Rund 200 neue Lebendfallen wurden in der vergangenen Woche beim Vorsitzenden der Kreisjägerschaft, Jens Hariefeld, in Kutenholz angeliefert. Von dort werden sie nun auf die Hegeringe im gesamten Landkreis verteilt.
- Die Fallen werden gründlich in Augenschein genommen
- Foto: Daniel Beneke/LK Stade
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Ganz billig ist die Aktion nicht: 95.000 Euro aus den Hochwasserschutzmitteln hat der Kreistag dafür bereitgestellt. Angesichts dessen, was Nutrias anrichten können, ist das aus Sicht des Landkreises gut angelegtes Geld. „Damit leisten wir einen wichtigen Beitrag zum Hochwasserschutz“, erklärte Hariefeld bei der offiziellen Übergabe. Die Arbeit beginnt für die Jäger allerdings erst, wenn die Fallen verteilt sind: Sie stellen diese ehrenamtlich auf, kontrollieren sie und erlegen die gefangenen Tiere, sobald die Falle zugeschnappt hat.
Kleine Nager, großes Problem
Dass der Landkreis den Nutrias mit gleich 200 weiteren Fallen zu Leibe rückt, hat einen handfesten Grund. Die Population ist in Niedersachsen trotz Bejagung weiterhin hoch. Und wo viele Nutrias leben, wird auch viel gebuddelt. Das ist in einer Region wie dem Landkreis Stade, die auf den Schutz durch die Deiche angewiesen ist, höchst problematisch. Die Tiere graben ihre Wohnröhren in Ufer und Deiche. Was oberirdisch nach einem harmlosen Loch aussehen mag, kann sich im Inneren zu einem ausgedehnten Gangsystem entwickeln. Bei einem Deich, der bei Sturmflut oder Hochwasser enorme Wassermassen zurückhalten soll, können solche Hohlräume zu schwersten Schäden führen. Wie wichtig daher die Unterstützung seitens der Jäger für den Hochwasserschutz ist, machte bei der Zusammenkunft Wilhelm Ulferts, Oberdeichrichter des Deichverbandes der Zweiten Meile des Alten Landes, deutlich.
- Der Eingang zu einer Nutria-Höhle in der Nähe eines Gewässers
- Foto: Daniel Beneke/LK Stade
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Nachwuchs im Nutria-Tempo
Warum die Jäger überhaupt so viel Unterstützung brauchen, erklärte Kreisjägermeister Axel Schuldt. Nutrias seien bei der Familienplanung ausgesprochen ehrgeizig: Sie können mehrmals im Jahr Nachwuchs bekommen, laut Schuldt mit bis zu zwölf Jungen. Bereits nach wenigen Monaten ist die nächste Generation wiederum fortpflanzungsfähig. „Wir müssen etwas gegen diese Populationsentwicklung unternehmen“, betonte Landrat Kai Seefried bei der Übergabe. Er sei „richtig froh“, dass die Fallen nun angekommen seien. Die Eindämmung der Nutria-Population sei wichtig und ein Dienst an der Allgemeinheit, betonte Schuldt. Einen Hinweis richtet er dabei auch an Spaziergänger und Tierfreunde: Nutrias sollten auf keinen Fall gefüttert werden. Wer den vermeintlich possierlichen Nager am Gewässer mit Brot oder anderem Proviant versorgt, tut dem Hochwasserschutz keinen Gefallen.
Vom Deich auf den Teller?
Dem Nutria-Problem lässt sich sogar eine kulinarische Seite abgewinnen. Unter dem Motto „Kulinarischer Küstenschutz“ berichtete das WOCHENBLATT über die Idee, den schmackhaften Schädling auf den Speiseplan zu setzen. In Breitenwisch wurde daraus längst Praxis: Dort kamen bei einem Nutriaessen Jäger, Freunde und neugierige Feinschmecker zusammen. Der Deichschädling landete als Schmorbraten auf dem Teller – und soll geschmacklich durchaus überzeugt haben. Ob die rund 200 neuen Fallen im Landkreis nun für Nachschub in der Küche sorgen, bleibt den Jägern und Köchen überlassen. Ihr eigentlicher Zweck ist ohnehin ein anderer: Die Nutria-Bestände sollen spürbar reduziert werden.
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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