Kampf mit den guten Vorsätzen
Das erleben die WOCHENBLATT-Redakteure in ihrer ganz persönlichen Fasten-Challenge

Bewusster Verzicht kann auch eine Bereicherung sein | Foto: AdobeStock / fotofabrika / Drobot Dean / bodnarphoto / oksix
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  • Bewusster Verzicht kann auch eine Bereicherung sein
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Bergfest der Fastenzeit: Von 40 Tagen Verzicht zwischen Aschermittwoch und Ostersonntag ist die Hälfte geschafft. Zeit für die WOCHENBLATT-Redaktion, einen Zwischenbericht ihrer persönlichen Fasten-Challenge zu veröffentlichen. Zur Erinnerung: Drei Redakteurinnen und ein Redakteur entsagen von Aschermittwoch bis Ostersonntag bestimmten Gewohnheiten oder Konsumgütern. Welche Herausforderung konnten sie meistern? Oder wurde der gute Vorsatz bereits gebrochen?

Vorsatz von Anika Werner aus Winsen: "Der Start meines Fastenprojekts, den Schreibtischstuhl möglichst links liegenzulassen und statt im Sitzen am Stehpult zu arbeiten, war holprig. Eine Erkältung legte mich direkt lahm, und mein Kreislauf zwang mich schneller wieder in die Sitzposition, als mir lieb war.
Doch sobald es gesundheitlich wieder ging, wurde aus der Herausforderung eine echte Veränderung. Statt mich zu fragen, wie lange ich wohl durchhalte, denke ich mittlerweile andersherum: Muss ich mich wirklich setzen? Ich stehe viel mehr als früher – zwar nicht durchgehend, aber deutlich bewusster. Das ist schon ein echter Fortschritt, denn genau darum ging es ja.

Anika Werner schreibt ihre Artikel zurzeit im Stehen | Foto: Werner
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Vor der Fastenzeit hatte ich oft vergessen, meinen Schreibtisch auf Stehhöhe einzustellen. Jetzt ist es Routine geworden. Anfangs war meine Muskulatur noch schnell überfordert, aber inzwischen klappt es immer besser.

Ein kleines Schmunzeln gab’s übrigens auch: Passend zu meiner Challenge veröffentlichte das Satire-Magazin 'Der Postillon' einen Artikel über das erste Auto, in dem man im Stehen fährt – damit man nicht zu viel sitzt (https://t1p.de/q7anb). Vielleicht gar keine so schlechte Idee …

Vorsatz von Christoph Ehlermann aus Salzhausen: "'Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach', lautet ein Sprichwort, das bezüglich meines Fastenvorhabens auch für mich gilt. Ich hatte mir fest vorgenommen, auf die von mir leider heißgeliebten Süßigkeiten zu verzichten. In den ersten gut anderthalb Wochen klappte das auch gut, indem ich auf Orangen und Wurzeln als Alternativen zurückgriff. Doch dann musste immer mal wieder Nervennahrung in Form von Schokoriegeln her, auch um sich gegen den Arbeitsstress zu wappnen. 'Das ist eine ungesunde Art, Kraft zu tanken', höre ich Sie zu Recht sagen. Deshalb werde ich für den Rest der Fastenzeit versuchen, meinem Vorsatz noch stärker treu zu bleiben - und wenn mich beispielsweise nach Feierabend der Heißhunger auf Süßes überfällt, diesem mit einem ausgedehnten Spaziergang davonlaufen. Gesünder wär's in jedem Fall."

Rohkost statt Schoki: Christoph Ehlermann kämpft mit süßen Verlockungen | Foto: AdobeStock / Mouse Family
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Vorsatz von Pauline Bellmann aus Buxtehude: "Mein Fazit nach zwanzig Tagen 'plastikfrei': ganz genau aufpassen. In diesen Wochen wurde ich immer wieder vom Plastik überrascht. Als ich dachte, in der Tiefkühlabteilung einen Ausweg aus dem Fleischersatz-Plastikwahnsinn gefunden zu haben, musste ich beim Öffnen der Pappverpackung feststellen, dass der Inhalt darin noch einmal extra in Plastik verpackt war.
Oder beim Brotkauf: Um den Papiertüten mit Plastikfenstern im Supermarkt zu entgehen, entschied ich mich, direkt beim Bäcker zu kaufen. In der ersten Bäckerei wurden mir zwar die Brötchen in einer Papiertüte, geschnittenes Brot aber im Plastikbeutel gereicht. Beim nächsten Bäcker kaufte ich mein Brot ungeschnitten in Papier – beim Baguette begegnete mir jedoch wieder das Plastikfenster.

Pauline Bellmann: Der Gemüsekauf ist einfach ­plastikfrei erledigt | Foto: pau
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Allerdings kann ich auch ein paar Erfolge verzeichnen. Ich komme viel mit Menschen ins Gespräch. Plastikmüll beschäftigt viele. Jede Person, mit der ich spreche, hat kleine Kniffe oder gute Tipps zu dem Thema. Meine nächste Aufgabe beim Plastikverzicht: gemahlener Kaffee. Mein Vorrat neigt sich dem Ende zu, und ich hoffe, meine Tasse am Morgen nicht aufgeben zu müssen. Ob ich doch auf Tee umsteigen muss, wird sich zeigen."

Vorsatz von Stephanie Bargmann aus Buxtehude: "Mein Vorsatz, jeden Tag bewusst etwas Umweltfreundliches zu tun, was über meine alltäglichen Gewohnheiten hinausgeht, hat mich deutlich stärker gefordert als ursprünglich eingeschätzt. Da ich sehr ländlich wohne und einen langen Arbeitsweg habe, kann ich auf mein Auto nicht verzichten. So blieb es bisher bei kleinen Dingen: Soja- statt Milchjoghurt zum Frühstück (zwei Drittel weniger CO₂), für meinen Besuch vegane Muffins gebacken und dafür im Nachbardorf über Kleinanzeigen ein gebrauchtes Muffinblech gekauft, für den Obst- und Gemüseeinkauf die Mehrwegnetze wieder aus der Versenkung geholt sowie bewusst auf den Kauf von Südfrüchten verzichtet und stattdessen zum Apfel gegriffen.

Neues Frühstück für Stephanie Bargmann (kl. Foto): Müsli mit Sojajoghurt und Apfel | Foto: sb
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Ein für mich großer Eingriff war, den Bildschirm meines Laptops auf vollen Energiesparmodus zu stellen – trotz Brille für meine Augen eine echte Herausforderung, aber belohnt mit rund 50 Prozent weniger Energieverbrauch. Zudem habe ich mir die App 'Too good to go' heruntergeladen, mit der man überschüssige Lebensmittel retten kann. Viele Angebote kamen für mich allerdings bisher nicht infrage, weil ich dafür nach Feierabend noch einmal mit dem Auto fahren müsste, um diese abzuholen."

Besinnung auf das Wesentliche: Die Fastenzeit beginnt
Redakteur:

Stephanie Bargmann aus Stade

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