Bahn-Chaos zwischen Cuxhaven und Hamburg
Deutsche Bahn schiebt Fragen des Stader Landrates aufs Abstellgleis
- Ein DB-Regio-Zug fährt Mitte September in den Stader Bahnhof ein. An der Lok und an den Wagen prangt fast anderthalb Monate nach dem Betreiberwechsel noch immer das alte START-Logo
- Foto: jd
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Es gibt Dinge, auf die ist bei der Deutschen Bahn Verlass. Zum Beispiel darauf, dass man mal wieder seinen Anschluss verpasst, weil der Zug Verspätung hat. Stades Landrat Kai Seefried hat das auch schon erlebt. Aber auch in Sachen Kommunikation scheint der Faktor Zeit bei den DB-Verantwortlichen keine Rolle zu spielen. Anfang August schickte Seefried einen "Brandbrief" an die Konzernbevollmächtigte Nord, Ute Plambeck. Der Betreff des Schreibens lautete: „Bahnverbindung Cuxhaven-Hamburg: Dringender Appell für mehr Verlässlichkeit und bessere Kommunikation“.
Brief mit null Informationswert
Die Bahn reagierte in einem für sie ungewöhnlichen Tempo: nämlich schon zwei Wochen später. Sogar schriftlich - aber nicht mit Antworten auf Seefrieds Fragen. Die Post kam von Plambeck persönlich. In dem Brief teilte sie Seefried mit, dass sie nach mehr als vier Jahrzehnten bei der Bahn „mit Wirkung zum 1. September den Staffelstab weiterreichen“ werde. Für Plambeck gewiss eine wichtige Nachricht. Für einen Landrat, der wissen möchte, wie der Schienenverkehr in seinem Landkreis wieder verlässlich funktionieren soll, hat sie ungefähr den Informationswert der Durchsage „Heute umgekehrte Wagenreihung“, während die Fahrgäste eigentlich nur wissen wollen, ob ihr verspäteter Zug überhaupt noch ankommt.
Ende August öffnete Seefried erwartungsvoll das nächste Schreiben der Bahn - und zog vermutlich ein langes Gesicht. Denn in dem Brief hieß es lapidar: Wegen der „Komplexität des Sachverhalts“ und „noch laufender Abstimmungen“ verzögere sich die Antwort „leider etwas“. Man werde sich „schnellstmöglich“ melden. Das muss man der Bahn lassen: Sie lebt ihre Marke bis in die Korrespondenz hinein: Selbst die Antworten auf eine Beschwerde über Verspätungen haben Verspätung.
Betreiberwechsel mit Hindernissen
Dabei hatte Seefried keinen Forschungsauftrag zur Zukunft der Quantentechnologie erteilt. Er wollte lediglich wissen, wie die Bahn die Zustände auf der Strecke zwischen Cuxhaven, Stade und Hamburg verbessern will. Verspätungen, Ausfälle, dürftige Fahrgastinformationen, marode Fahrzeuge, Kommunikationsprobleme – die Mängelliste ist lang. Besonders der Wechsel von Start Unterelbe zu DB Regio stößt ihm auf. Seefried verweist auf vermehrte Zugausfälle. Zudem bezeichnet er die Kundeninformationen als "ausgesprochen schwierig".
Und auch der Betreiberwechsel selbst scheint nach Bahnlogik eher ein fließender Prozess zu sein. Mehr als einen Monat nach dem Umstieg fahren auf der Strecke noch immer Züge mit Start-Logo. Man könnte sagen: DB Regio fährt schon – Start ist nur noch nicht ausgestiegen. Vielleicht befindet sich der Logo-Austausch aber auch in einer „laufenden Abstimmung“.
Sie will aufhören – und macht doch weiter?
Merkwürdig ist die Geschichte mit der Konzernbevollmächtigten. Laut ihrem Schreiben wollte Plambeck zum 1. September den Staffelstab weiterreichen. Am 9. September saß sie jedoch bei der Konferenz „Weichenstellung für die Zukunft“ der Metropolregion Hamburg – laut Pressemitteilung weiterhin als Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn. Dort verkündete sie einen bemerkenswerten Satz: „Ein Weiter-so wie in der Vergangenheit, das haben wir klar erkannt, kann es nicht mehr geben.“
Offenbar gilt das "Weiter-so" nicht für Plambecks Ruhestandsfahrplan. Oder warum hat sie die Abfahrt in den Ruhestand verpasst? Möglich wäre eine besonders innovative Form des DB-Personalmanagements: Man verabschiedet sich zum 1. September und ist – passend zur üblichen Bahn-Verspätung – am 9. September immer noch da. Vielleicht kam bei Plambeck aber auch die Durchsage: „Ihre Abfahrt in den Ruhestand verzögert sich auf unbestimmte Zeit.“
Für Kai Seefried bleibt derweil nur der Wartebereich. Seine eigentlichen Fragen sind offenbar auf das Abstellgleis geschoben worden.
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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