Interview mit ADAC-Sprecherin über Senioren am Steuer
Fahrtauglichkeits-Tests lehnt der ADAC ab

ADAC-Sprecherin Katharina Lucà: "Verpflichtende Tests sind unverhältnismäßig"
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WOCHENBLATT: Wo liegen die Hauptrisiken, wenn betagte Autofahrer unterwegs sind?
Katharina Lucà: Wahrnehmung, Reaktionsvermögen und Aufmerksamkeit sind zentrale Grundvoraussetzungen für eine sichere Verkehrsteilnahme. Das zunehmende Alter führt zu körperlich bedingten Einbußen, die oftmals nicht schlagartig auftreten, sondern sich schleichend ankündigen. Deshalb empfehlen wir in allen medizinischen Problemfeldern regelmäßige ärztliche Untersuchungen. Offensichtliche gesundheitliche Probleme müssen unverzüglich im vertraulichen Gespräch zwischen Arzt und Patient geklärt werden. Damit einhergehen sollte - verstärkt beim älteren Fahrer - eine realistische Einschätzung der eigenen Fähigkeiten.
Entgegen der weit verbreiteten Meinung, dass die Gruppe der älteren Autofahrer (65+) überdurchschnittlich viele schwere Unfälle verursacht, zeigt die Unfallstatistik ein anderes Bild. Senioren verursachten im Jahr 2017 lediglich 16 Prozent der Unfälle mit Personenschaden, obwohl sie 21 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachten.

Keine Einsicht? Überprüfung der Fahrtauglichkeit

WOCHENBLATT: Moderne Technik hilft - aber wie stark sind ältere Autofahrer damit überfordert? Etwa durch Bedienung über Touchscreen.
Katharina Lucà: Fahrerassistenzsysteme können älteren Fahrern dabei helfen, eventuelle motorische Defizite auszugleichen. So besteht schon heute die Möglichkeit, den Einparkvorgang mit Hilfe eines Parkassistenten sicher durchzuführen. Darüber hinaus ermöglichen Assistenten in der Längs- und Querführung eine sicherere Fahrweise. Sogar ein Spurwechsel kann inzwischen vom Fahrzeug überwacht werden und gegebenenfalls vor einer Kollision warnen. Zudem können spezielle Fahrtrainings wie das "Generation-Plus-Training" im realen Verkehr helfen, die Fahrkompetenz zu steigern.

WOCHENBLATT: Muss es vor dem Hintergrund der immer älter werdenden Gesellschaft eine Überprüfung der Fahrtüchtigkeit geben und wenn ja, ab welchem Alter?
Katharina Lucà: Verpflichtende Testverfahren hält der ADAC nicht für verhältnismäßig. Durch verpflichtende Testverfahren besteht die Gefahr, dass geeignete Fahrer irrtümlich als ungeeignet eingestuft werden. Hinzu kommt, dass ein positives Testergebnis einen älteren Fahrzeugführer dazu verleiten kann, seine eigenen Fähigkeiten weit über den Testzeitpunkt hinaus zu überschätzen. Denn Tests geben immer nur eine Momentaufnahme wieder. Insofern erscheinen Forderungen nach einer gesetzlichen Verpflichtung von Eignungsprüfungen für alle Kraftfahrer nicht verhältnismäßig. Dies ist auch zentrales Ergebnis eines wissenschaftlichen Symposiums der Bundesanstalt für Straßenwesen.

Nach Todesfahrt auf der A26: Nützen größere Warnschilder für Geisterfahrer?

Müssen Autobahnen besser gegen Geisterfahrer gesichert werden?

(tk). Pro Jahr kommt es zu rund 1.800 Falschfahrten auf Deutschlands Autobahnen. 2019 kamen dabei elf Menschen ums Leben. Laut ADAC sind vor allem junge Fahrer unter Alkohol und Drogen oder Senioren unter Medikamenteneinfluss am häufigsten als Geisterfahrer unterwegs. Bewusste Falschfahrten werde man nie ausschließen können, so der ADAC in einem Positionspapier.

Gezielte Maßnahmen sollten dort ergriffen werden, wo es gehäuft zu Falschfahrten kommt. Etwa durch Umbau und eine bessere Beschilderung. Alle vier Jahre, empfiehlt der ADAC, sollten Anschlussstellen und Rastanlagen bei einer Nachtverkehrsschau inspiziert werden. Alle vier Jahre Nachtverkehrsschau

ADAC-Sprecherin Katharina Lucà: "Verpflichtende Tests sind unverhältnismäßig"
Bei dem Geisterfahrerunfall am vergangenen Wochenende starben die Unfallverursacherin (87) und ein weiterer Autofahrer
Autor:

Tom Kreib aus Buxtehude

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