Nach anonymen Hinweisen: Leiterin des Impfzentrums weist Vorwürfe zurück
Gab es auch im Landkreis Stade Impfvordrängler?

Die Leiterin des Impfzentrums, Nicole Streitz, widerspricht Behauptungen hinsichtlich einer angeblichen Bevorzugung bei Impfungen
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jd. Stade. Man kennt sie von der Supermarktkasse, vom Stadion oder vom Ticketschalter: Leute, die sich vordrängeln statt in die Schlange einzureihen. Dieser Typus Mensch offenbart nun auch bei den Corona-Schutzimpfungen seinen Charakter. Täglich wird über neue Fälle von Impfvordränglern berichtet. Sogar Geschäftsführer von Kliniken ergattern schon den ersehnten Piks, obwohl sie noch gar nicht dran waren. Das ist nicht nur "moralisch verwerflich und unsolidarisch", wie es Regierungssprecherin Anke Pörksen bezeichnet hat, es sorgt auch bei denjenigen, die trotz Berechtigung bisher leer ausgegangen sind, für böses Blut. Ärger und Gerüchte wegen vermeintlicher Vordrängler hat es auch schon im Landkreis Stade gegeben.

Es klang zunächst nach einem schwerwiegenden Vorwurf: Die gesamte Rettungsleitstelle sei bereits durchgeimpft worden, während diejenigen Mitarbeiter im Rettungsdienst, die täglich vor Ort im Einsatz seien, wie etwa Rettungssanitäter und Notärzte, noch keine Impfung erhalten hätten. Das behaupteten mehrere anonyme Hinweisgeber, die sich bei der Redaktion gemeldet hatten. Die Rede war von persönlichen Kontakten, die eine Bevorzugung hinsichtlich der Impfreihenfolge ermöglicht hätten.

Mögliche Mauschelei bei der Rangfolge der Impfungen: Für die Leiterin des Impfzentrums, Kreis-Dezernentin Nicole Streitz, sind solche Vorwürfe aus der Luft gegriffen. Die erwähnten Personen seien tatsächlich geimpft worden - aber: "Die Impfungen erfolgten nicht, weil die Betreffenden in der Rettungsleitstelle arbeiten, sondern weil sie als sogenannte organisatorische Leiter Teil des Rettungsdienstes sind und auch in den Außeneinsatz gehen."

Streitz verweist auf die Corona-Impfverordnung des Bundes, wonach die Rettungsdienste bei den Impfungen in die Gruppe mit der höchsten Priorität einzustufen seien - so wie die Altenheimbewohner, das Pflegepersonal auf den Corona-Stationen der Krankenhäuser und die über 80-Jährigen. Das Gleiche gelte für die Mitarbeiter des Impfzentrums, so Streitz. Als dessen Leiterin sei sie deshalb auch bereits geimpft.

Dass man in den Alten- und Pflegeheimen mit den Impfungen begonnen hat, ist laut Streitz eine Vorgabe des Landes. Der Grund liegt auf der Hand: Dort ist das Gefährdungspotenzial besonders hoch, wie die Corona-Ausbrüche in verschiedenen Heimen gezeigt haben. Die 28 Heime im Landkreis sind inzwischen durchgeimpft, bei der Hälfte von ihnen erfolgte bereits die zweite Impfung.

Stader Impfzentrum hat offiziell den Betrieb aufgenommen

Für die missbräuchliche Impfung von nicht berechtigten Personen sind anderswo offenbar Impfreste abgezweigt worden. Solche Reste fallen auch im Landkreis Stade an. Streitz hält es aber für ausgeschlossen, dass hier Missbrauch betrieben wurde. Tatsächlich sind nach ihren Angaben in den Heimen öfter mal bis zu fünf Impfdosen übrig geblieben. Mit diesen "Resten" wurden die Beschäftigten im Rettungsdienst sozusagen auf Abruf geimpft. "Unser Ziel ist es, auf keinen Fall eine Impfdosis ungenutzt verfallen zu lassen oder entsorgen zu müssen", so Streitz.

Nur wenn niemand aus der höchsten Prioritätsgruppe 1 kurzfristig zur Verfügung steht, dürfte im Ausnahmefall eine Person aus einer niedrigeren Kategorie geimpft werden, so die Dezernentin. Diese mit dem Sozialministerium abgestimmte Regelung sei vernünftig, denn der angemischte Impfstoff von Biontech/Pfizer könne nur sechs Stunden verwendet werden.

Endlich: Alle Seniorenheime im Landkreis Stade sind durchgeimpft

Mittlerweile sind von den kreisweit 250 Mitarbeitern im Rettungsdienst jetzt alle - bis auf ein paar Krankheitsfälle - einmal geimpft worden. Für sie und die Notärzte gab es zusätzlich drei Termine im Impfzentrum. Diese Impfungen erfolgten mit Chargen, die man sonst aufgrund der begrenzten Haltbarkeit hätte entsorgen müssen. Solche Impfreste fallen vor allem deshalb an, weil sich die Impfdosen aus einer Lieferung nie genau kalkulieren lassen.

"Wir erhalten jeweils 195 Fläschchen, aus denen sich normalerweise fünf Einzeldosen ziehen lassen", erläutert Streitz. Bei zahlreichen Fläschchen reiche die Menge aber auch für die berühmte "sechste Dosis". Wer nachrechnen möchte: Auf jeden Fall stehen pro Lieferung mindestens 975 Impfdosen zur Verfügung, inklusive der Dosis Nummer 6 kämen man sogar auf bis zu 1.170 Impfungen. Das wären immerhin 20 Prozent mehr.

Elbe Kliniken: Keine Chance für Impfvordrängler

Klinikleitungen, die sich gegen Corona impfen ließen, während Pflegepersonal und Ärzte weiter auf eine Impfung warten müssen: In mehreren niedersächsischen Krankenhäusern gab es bereits solche Fälle. Das WOCHENBLATT hakte bei den Elbe Kliniken nach: Wie sieht die dortige Impfpraxis aus?

An den beiden Standorten der Elbe Kliniken in Stade und Buxtehude sind rund 800 der ca. 2.500 Beschäftigten der Gruppe mit der höchsten Impfpriorität zuzuordnen. Dabei handelt es sich in erster Linie um das Personal, das einem besonders hohen Risiko einer Corona-Infektion ausgesetzt ist. Dazu zählen die Mitarbeiter in den Notaufnahmen, auf den Intensivstationen und in den Bereichen, in denen COVID-19-Patienten untergebracht sind. Insgesamt ist die Impfbereitschaft in den Elbe Kliniken sehr hoch: Je nach Bereich ließen sich 60 bis 99 Prozent der Beschäftigten impfen bzw. für eine Impfung registrieren.

Das Impfprozedere lief dann wie folgt ab: Vor Beginn wurde durch die Abteilung für Arbeitsmedizin abgefragt, wer sich impfen lassen möchte. Danach erfolgte eine Einteilung der impfwilligen Mitarbeiter in die Priorisierungsgruppen gemäß der Impfverordnung. "Damit ist sichergestellt, dass eine Impfung von Personen außerhalb dieser Risikogruppen ausgeschlossen ist", sagt Klinik-Sprecher Daniel Hajduk. Die Erfassung der Impfungen sei auch nicht durch eigene Mitarbeiter, sondern durch das Personal des Impfzentrums erfolgt, so Hajduk. "Mauschelei" kann es daher nicht geben: Impfvordrängler haben so keine Chance und auch sogenanntes Impfhopping, also Doppelmeldungen durch Impflinge, die sich an mehreren Stellen für eine Impfung melden, wird hierdurch vermieden.

Von den rund 800 Beschäftigten der Elbe Kliniken mit der höchsten Priorität hätten bislang 354 die Erstimpfung und davon wiederum bereits 174 die zweite Impfung erhalten. Einen festen Impfzeitplan gebe es aufgrund der Verzögerungen bei den Lieferungen nicht. Geimpft werde stets anhand tagesaktueller Listen, sobald eine neue Impfstofflieferung durch das Impfzentrum freigegeben wird.

Autor:

Jörg Dammann aus Stade

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