Dithmarscher Modell als Vorbild
Gegen den Lehrermangel: Kreis Stade plant Lehrkräfte-Servicebüro
- Der Landkreis Stade möchte mit speziellen Förderprogrammen Referendare und Junglehrer in die Region holen
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Das neue Schuljahr hat begonnen – doch mit dem Klingeln zur ersten Stunde kehrte auch ein altbekanntes Thema zurück: der Lehrermangel. Im Landkreis Stade ist die Lage schon länger angespannt. Mit einer Unterrichtsversorgungsquote von zuletzt rund 90 Prozent war man das Schlusslicht in Niedersachsen. Um Abhilfe zu schaffen, will der Landkreis neue Wege gehen – und orientiert sich dabei am erfolgreichen Beispiel aus Dithmarschen (Schleswig-Holstein).
Servicebüro als Anlaufstelle
Kernstück der neuen Strategie ist - angegliedert an das bestehende Bildungsbüro - der Aufbau eines Lehrkräfte-Servicebüros - als zentrale Anlaufstelle für Lehrkräfte und Lehramtsstudierende und als Ausdruck einer besonderen Willkommenskultur. Dabei geht es um mehr als bloße Information: Wer künftig in Stade unterrichtet oder sein Referendariat absolviert, soll aktiv beim Ankommen unterstützt werden – von Wohnungssuche über Kitaplatz-Vermittlung bis hin zur Vernetzung mit anderen Neuankömmlingen. Denkbar sind auch persönliche Begrüßungsveranstaltungen oder Unterstützungsangebote zum Start – angelehnt an die Praxis im Kreis Dithmarschen, wo gemeinsame Veranstaltung wie Bowlingabende bereits zum Standard gehören.
Kostenlose Unterkunft für Praktikanten
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf dem neuen Praktikantenprogramm. Lehramtsstudierende sollen gezielt für Pflichtpraktika in die Region geholt und dort umfassend betreut werden – inklusive kostenloser Unterkunft, Rahmenprogramm und individueller Begleitung. Das Modell folgt direkt dem Dithmarscher Vorbild, wo ähnliche Maßnahmen erfolgreich laufen. In Schleswig-Holstein wurden kürzlich sogar die Plätze für Praktikanten aufgestockt, weil die Nachfrage so groß war. Der Landkreis Stade will dieses Erfolgsmodell übernehmen – und mit eigenen Mitteln fördern. Rund 102.500 Euro sollen dafür im Haushalt 2026 eingeplant werden.
Kooperationsvereinbarung mit dem Kultusministerium
Doch das Servicebüro ist nur ein Baustein eines umfassenden Maßnahmenpakets, das durch eine im Februar geschlossene Kooperationsvereinbarung zwischen den Landkreisen Stade und Cuxhaven sowie dem niedersächsischen Kultusministerium auf den Weg gebracht wurde. Auch die Studienseminare sollen gestärkt werden – etwa durch bessere Sichtbarkeit im Netz, gezielte Beratung und die Möglichkeit, sich frühzeitig zu bewerben. Ziel ist es, mehr Referendarinnen und Referendare für das Stader Seminar zu gewinnen, das in den vergangenen Jahren rückläufige Bewerberzahlen hatte.
Image als "Bildungsregion" stärken
Zudem werden neue Wege bei der Personalplanung beschritten. Mehr Flexibilität bei der Einstellung, befristete Verträge auf Wunsch, oder sogenannte Personalgewinnungs-Zuschläge gehören ebenso dazu wie unterstützende Maßnahmen für bereits tätige Lehrkräfte. Auch die Digitalisierung wird als Standortvorteil betrachtet – mit Beteiligung an digitalen Bildungsinitiativen und dem Einsatz künstlicher Intelligenz im Unterricht. Parallel dazu arbeitet der Landkreis an einer besseren Außendarstellung: Mit gezieltem Marketing, informativen Webseiten, Schulporträts und eventuell auch einer Stipendienvergabe für angehende Lehrkräfte mit Bleibeverpflichtung will man das Image als „Bildungsregion“ stärken.
Der Schulausschuss des Stader Kreistages berät auf seiner Sitzung am Donnerstag, 28. August, um 15 Uhr in den BBS III Stade (Speisesaal im Erdgeschoss) über das Thema.
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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