Politische Wortspielerei: Halle wurde umbenannt
Laut Google Maps: In Stade steht die "Merz-weg-Halle"
- Der Eintrag "Merz-weg-Halle" war öffentlich sichtbar auf Google Maps
- Foto: Screenshot
- hochgeladen von Jörg Dammann
Eigentlich dient die Sporthalle des ehrwürdigen Vincent-Lübeck-Gymnasiums in Stade rein sportlicher Betätigung. Doch bei Google Maps ist offenbar eine neue Disziplin hinzugekommen: politische Wortakrobatik. Dort tauchte die Halle unter der Bezeichnung „Merz-weg-Halle“ auf. Offiziell heißt sie natürlich nicht so.
Wer hinter dem Eintrag steckt, bleibt offen. War hier ein kreativer Gegner von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am Werk? Nimmt jetzt von Stade aus eine Protestbewegung ihren Lauf? Heute Stade, morgen Buxtehude, übermorgen die ganze Republik: Aus banalen Mehrzweckhallen werden politische Kampagnenträger. Werden demnächst landauf, landab öffentliche Gebäude sprachlich „merzifiziert“? Gewissermaßen als digitaler Bürgerprotest mit sehr überschaubarem Demonstrationsaufwand: kein Transparent malen, keine Demo anmelden, einfach Google Maps öffnen und loslegen.
Wortspiel ist nicht neu
Eine Stader Erfindung ist dieses Wortspiel allenfalls in seiner digitalen Variante. Bereits im Bundestagswahlkampf 2025 wurde der Schriftzug einer Mehrzweckhalle in Dachau (Bayern) so verändert, dass daraus eine „Merz-weg-Halle“ wurde. Bei einem Auftritt von Friedrich Merz in St. Ingbert (Saarland) wurde derselbe Spruch auf die Stadthalle projiziert. Und der Kabarettist und Autor Marc-Uwe Kling erklärte im Mai dieses Jahres das Berliner Tempodrom kurzerhand zur „Merz-weg-Halle“.
- Auf Google Maps fand sich bis Dienstagmittag bei der Sporthalle des Stader Vincent-Lübeck-Gymnasiums der Eintrag "Merz-weg-Halle"
- Foto: jd
- hochgeladen von Jörg Dammann
Google sagt nichts dazu
Das WOCHENBLATT wollte von Google nun wissen, wie eine solche digitale Umbenennung erfolgen konnte, ohne dass offenbar eine Überprüfung vorgenommen wurde. Google antwortete im Kern: Zu Einzelfällen äußere man sich nicht. Immerhin gibt es den Hinweis, dass falsche Angaben über die Feedback-Funktion gemeldet werden können. Dabei klingt es schon ein wenig nach Realsatire, wenn Google in seinem eigenen Blog erklärt, Nutzerbeiträge würden die Karte „noch hilfreicher“ machen. Obwohl: Im Sinne der politischen Debattenkultur könnte die Umbenennung ja ein durchaus hilfreicher Beitrag sein. Doch zu spät: Nach der WOCHENBLATT-Anfrage beeilte sich Google, den Eintrag auf der Karte zu löschen.
Und was sagt der Landrat?
Schulträger des Vincent-Lübeck-Gymnasiums ist der Landkreis Stade. Daher wurde auch Landrat Kai Seefried (CDU) um eine Stellungnahme gebeten. Das WOCHENBLATT wollte wissen, was er von dem neuen Namen für die kreiseigene Sporthalle hält. „Mir läge die eine oder andere bissige Kommentierung auf der Zunge“, erklärt Seefried. „Aber wir haben mit diesem offenbar privat erstellten Eintrag nichts zu tun.“ Bei allem Verständnis für das Wortspiel setze er auf den gesellschaftlichen Zusammenhalt und auf Vertrauen in die Bundesregierung, so der Landrat.
Damit entschied sich Seefried, der gern mal in Richtung Berlin wettert, gegen den politischen Elfmeter und übt sich in diplomatischer Zurückhaltung. Vermutlich eine vernünftige Entscheidung. Denn wer weiß: Ein unbedachter Kommentar – und morgen heißt das Kreishaus bei Google plötzlich „Kai-ne-Ahnung-Amt“. So aber blieb der Landrat gelassen und die "Merz-weg-Halle" ist jetzt wieder einfach nur die Sporthalle des Vincent-Lübeck-Gymnasiums.
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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