Mett-Igel und Petticoat waren groß in Mode / "Hippy hippy shake" im Museum Harsefeld

Die Ausstellungsmacher Reiner Klintworth (li.) und Heinz Rörup mit einem Violin-Bass und einer halbakustischen E-Gitarre aus der Beat-Ära
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  • Die Ausstellungsmacher Reiner Klintworth (li.) und Heinz Rörup mit einem Violin-Bass und einer halbakustischen E-Gitarre aus der Beat-Ära
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Reiner Klintwort und Heinz Rörup zeigen ihre schönsten Exponate

tp. Harsefeld. Herrenwinker und Pilzköpfe, Mett-Igel und Käsespieße, Musicbox, Transistorradio und der warme Sound von Röhren-Gitarrenverstärkern - das waren die 1960er Jahre: "Ein aufregendes Jahrzehnt", sind sich  Reiner Klintworth (68) aus Helmste und Heinz Rörup (62) aus Mulsum einig. Lauter schöne Erinnerungen an die "wilden Sixties" wecken die beiden Sammler jetzt in der Ausstellung "Hippy hippy shake - The Swinging Sixties" im Museum Harsefeld. Es gibt tolle Exponate wie einen schmucken Violin-Bass im Beatles-Stil und Vinyl-Schallplatten regionaler Szene-Größen zu bestaunen.

Stolz präsentiert Reiner Klintworth, Hobby-Autor und Lokal-Chronist, einen riesigen Starschnitt von Marilyn Monroe. 17 Mal musste er als Jugendlicher dafür von seinem Taschengeld das Bravo-Magazin kaufen. Die Hollywood-Blondine hängt mit wehendem Rock über der ersten Vitrine, die neben der 50 Jahre alten Jugendzeitschrift auch Exemplare der "Star-Club-News" und Flexi-Singles zeigt.

Beim Zusammentragen der Ausstellungsstücke bekam Reiner Klintworth, der früher in der Band "Royal Embassy" spielte, seine alte Bassgitarre, einen inzwischen wertvollen Beatles-Bass, wieder in die Hände: "Hätte ich ihn damals bloß nicht verkauft."

Für Klintworth, Ideengeber der Ausstellung, waren die 60er „ein Jahrzehnt mit großen Veränderungen in der Weltpolitik und der Musik": Die Sturmflut in Hamburg löste eine Katastrophe aus, der Vietnam-Krieg begann, JF Kennedy und Martin Luther King wurden ermordet. Auf der anderen Seite erlebte die Nachkriegsgeneration eine grundlegende kulturelle Veränderung. Die Kleider wurden bunter und kürzer, die Tänze und Frisuren gewagter, Bowle das Haupt-Getränk auf privaten Partys - gern gereicht mit Käsehäppchen, Zigarren und Weinbrand-Bohnen.

Plötzlich kamen berühmte Bands wie "Jimmy and the Rackets" oder "The Byrds" ins Bahnhofshotel Deinste - dem Beat-Zentrum an der Unterlebe. The Torpids, die Lokalmatadore der Region, wurden überregional bekannt.

In einer Vitrine werden besondere Plattencover aus der Zeit zur Schau gestellt. Eine Langspielplatte liegt Heinz Rörup besonders am Herzen - die erste Beatles-LP überhaupt: "Please please me". Auch Scheiben weiterer Stars, mit denen Musikfans aufregende Zeiten verbinden, sind dort zu finden: Rolling Stones, The Who und natürlich "Hippy Hippy Shake" von den Swinging Blue Jeans, nach der die Ausstellung benannt ist. Besonderes Augenmerk richtet Heinz Rörup, der mehrere tausend Schallplatten besitzt, auf Platten von den "Blizzards" aus Stade und von der Schlager- und Beat-Sängerin "Gigi" aus Buxtehude.

Größere Kneipen leisteten sich damals eine Musicbox. Ein Exemplar der US-Marke "GP Imperial" ist der Mittelpunkt der Ausstellung.

Museumsleiterin Monika Roesberg (61) ist begeistert von einem türkisblauen Petticoat: "Ich hatte früher eins in Rot."

Zu sehen ist die Ausstellung „Hippy hippy shake“ bis Ende Mai 2019, dienstags bis sonntags, 15 bis 17 Uhr, an Sonn- und Feiertagen zusätzlich von 10 bis 12 Uhr. Führungen nach Vereinbarung, Tel. 04164 - 6910.

Zeitzeugen gesucht

Für eine Dokumentation der Musikszene der 1960er Jahre im Landkreis Stade sucht Reiner Klintworth  Zeitzeugen, die ihm Anekdoten erzählen und Plakate, Eintrittskarten etc. -  von Nachtlokalen, Tanzgaststätten, Tanzschulen usw. - zur Verfügung stellen. Tel. 04149 - 389.

Autor:

Thorsten Penz aus Stade

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