Blau macht sexy
Tierische Liebesrituale in den Mooren des Landkreises Stade
- Wenn das Moorfrosch-Männchen "heiß" wird, färbt es sich blau: ein Froschpärchen beim Liebesspiel
- Foto: Joachim Schaffhäuser
- hochgeladen von Jörg Dammann
Er ist klein, er ist selten – und im Frühling macht er richtig blau: Der Moorfrosch ist „Lurch des Jahres 2025“. Der quakende Zeitgenosse sorgt in den Moorlandschaften des Landkreises Stade gerade für ein Schauspiel der besonderen Art. Während sich andere Frösche noch aufwärmen, sind die Männchen dieser faszinierenden Art schon mitten in der Balz – und das in einem Outfit, das direkt ins Auge springt: himmelblau bis violett.
Blaue Romantik in den Hochmooren
Normalerweise kommt der nur sechs bis acht Zentimeter große Moorfrosch eher unscheinbar daher – bräunlich, gefleckt, kaum auffällig. Doch sobald die Temperaturen steigen und die Paarungszeit beginnt, legt das Männchen seinen Tarnmodus ab: Die Haut färbt sich für wenige Wochen in leuchtendes Blau. Warum genau, ist nicht ganz klar – vermutlich, um bei den Weibchen Eindruck zu schinden oder den Rivalen zu zeigen, wer hier der Chef im Moor ist.
Dazu kommt ein Sound, der im wahrsten Sinne des Wortes unter die Haut geht: Der Paarungsruf klingt wie das Blubbern einer Wasserflasche – glucksend, geheimnisvoll und ziemlich unverwechselbar. Besonders spannend: Diese Rufe erklingen im Chor der Froschmännchen sowohl bei Tag als auch bei Nacht – ein echtes Konzert unter freiem Himmel.
Lurch mit Klimabotschaft
Doch so beeindruckend die Show auch ist – sie ist leider selten geworden. Der Moorfrosch steht unter strengem Schutz, denn seine Bestände sind in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Damit ist er nicht nur ein Juwel der heimischen Amphibienwelt, sondern auch ein Symboltier für eine Landschaft, die immer mehr verschwindet: das Moor.
Und genau deshalb wird der Moorfrosch auch gern als „Klimafrosch“ bezeichnet. Denn Moore speichern riesige Mengen CO₂ – aber nur, wenn sie intakt sind. Werden sie trockengelegt oder zerstört, kehrt sich der Effekt um. Der Schutz dieser Lebensräume ist also nicht nur ein Gewinn für Frösche, sondern auch für unser Klima.
Landkreis macht es richtig
Im Landkreis Stade läuft einiges richtig: „Unsere Moore wie das Feerner Moor, das Oederquarter Moor und das Hohe Moor stehen unter Naturschutz und sind als FFH-Gebiete ausgewiesen“, erklärt Dr. Uwe Andreas, Leiter des Amtes Naturschutz. Dank gezielter Maßnahmen zur Wiedervernässung finden die Moorfrösche hier wieder ideale Bedingungen vor – und können ihre „blaue Hochzeit“ feiern.
Nach der Paarung legen die Weibchen zwischen 500 und 2000 Eier in Laichballen ab. Danach heißt es: Ab in den Sommerurlaub – auf Wiesen, Weiden oder trockene Moorränder. Dort futtern sich die Frösche durch ein Menü aus Insekten, Spinnen und Regenwürmern.
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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