Böser Brief an die Deutsche Bahn
Bahn-Frust auf der Regionalexpress-Strecke: Stader Landrat platzt der Kragen
- Ein typische Szene am Bahnhof Horneburg: Der Regional-Express fällt mal wieder aus
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Wer aus dem Landkreis Stade mit S5 oder RE5 nach Hamburg pendelt, braucht starke Nerven. Verspätungen, Ausfälle und widersprüchliche Informationen gehören längst zum Alltag. Jetzt wird Landrat Kai Seefried deutlich: In einem Brief an die Deutsche Bahn fordert er, die Strecke Hamburg–Stade–Cuxhaven endlich mit der nötigen Priorität zu behandeln.
„Beinahe täglich erreichen mich inzwischen Beschwerden über verspätete oder ausgefallene Züge, über falsche oder fehlende Informationen in der Bahn-App oder an den Bahnsteigen“, schreibt Seefried an die Konzernbevollmächtigte der Deutschen Bahn für den Norden. Für den Landrat ist die Verbindung eine Lebensader der Region. Tausende Menschen fahren täglich aus Stade, Horneburg, Buxtehude und den umliegenden Gemeinden zu ihren Arbeitsplätzen nach Hamburg. Auch für Unternehmen und Tourismus ist eine verlässliche Bahnverbindung wichtig.
Neuer Betreiber, alte Probleme
Seit dem 1. August wird die Regional-Express-Strecke RE5 zwischen Hamburg und Cuxhaven von DB Regio betrieben. Das Unternehmen hat die Bahntochter Start Unterelbe abgelöst. Doch schon in den ersten Tagen kam es erneut zu Ausfällen und Störungen. Am ersten Wochenende endeten Verbindungen wegen eines personellen Ausfalls im Stellwerk Hechthausen vorzeitig. Reisende strandeten in Stade, Ersatzbusse standen kurzfristig nicht zur Verfügung. In den Tagen danach folgten weitere Störungen auf der RE5-Strecke sowie auf der S-Bahnlinie S5. Zudem gab es Probleme bei der Fahrgastinformation.
Von einem problemlosen Neustart kann also keine Rede sein.
Seefried macht aber nicht nur den Betreiber verantwortlich. Viele Ursachen liegen in der Infrastruktur. Für Gleise, Weichen, Signale und Stellwerke ist die DB-Tochter DB InfraGO zuständig. Genau dort sieht der Landrat erheblichen Nachholbedarf.
Deutliche Kritik an der DB
Seefried bemängelt störanfällige Technik, Probleme an Bahnübergängen und weitere Schwachstellen entlang der Strecke. Vor allem aber vermisst er innerhalb des Bahnkonzerns Tempo, Abstimmung und pragmatische Lösungen. Seine Kritik formuliert er in scharfen Worten: „Mein Eindruck ist, dass es weniger am verfügbaren Geld mangelt als an einem pragmatischen Vorgehen der jeweils zuständigen Bahngesellschaften – und mitunter erstaunlicherweise auch an einem echten Problembewusstsein.“
Damit kritisiert Seefried nicht nur fehlende Investitionen. Er stellt grundsätzlich infrage, ob die Probleme der Strecke innerhalb der Bahn mit der nötigen Dringlichkeit behandelt werden.
Für den Landkreis geht es längst um mehr als verspätete Pendler. Seefried berichtet, dass die schlechte Bahnanbindung inzwischen sogar die Suche nach Fachkräften erschweren könne. Bewerber aus Hamburg zögerten mitunter, eine Stelle in Stade anzunehmen, weil sie die Verbindung für zu unzuverlässig hielten. Damit wird aus Bahnfrust ein Standortproblem.
Besonders bemerkenswert ist, wie grundsätzlich Seefried die Lage inzwischen bewertet: „Ich bin ein großer Fan des Öffentlichen Personennahverkehrs und setze mich vehement für die Verkehrswende ein – aber die Bahn auf der Strecke von und nach Hamburg kann ich in meinem Landkreis niemandem als echte Alternative zum Auto empfehlen. Damit würde ich mich vollends unglaubwürdig machen.“ Härter lässt sich das Urteil eines Landrates, der eigentlich die Bürger dazu motivieren möchte, auf Busse und Bahnen umzusteigen, kaum formulieren.
Hamburg bleibt Nadelöhr
Zusätzliche Sorgen bereitet der Hamburger Bahnknoten. Zwischen Harburg und Hauptbahnhof teilen sich S-Bahn, Regional-, Fern- und Güterzüge einen stark belasteten Korridor. Die Infrastruktur wird zwar in den kommenden Jahren umfassend modernisiert, doch neue Stellwerke und der Neubau der Elbbrücken werden zunächst weitere Baustellen und Einschränkungen bringen. Auch zwischen Stade und Cuxhaven bleibt die Strecke anfällig. Der eingleisige Abschnitt sorgt dafür, dass sich Störungen schnell auf den Gegenverkehr übertragen.
Für Seefried ist deshalb klar: Die Strecke muss als Ganzes betrachtet werden. Betreiber und Infrastrukturunternehmen dürfen Verantwortung nicht hin- und herschieben. Für die Pendler ist ohnehin nur eines entscheidend: Kommt der Zug – und bringt er mich pünktlich zur Arbeit?
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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