Bewerber kritisiert Zustand der Kreis-CDU
Kampfkandidatur beim Stader CDU-Kreisverband: André Weseloh will gegen die Vorsitzende Melanie Reinecke antreten

André Weseloh möchte neuer Vorsitzender des Stader CDU-Kreisverbandes werden | Foto: Weseloh
  • André Weseloh möchte neuer Vorsitzender des Stader CDU-Kreisverbandes werden
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André Weseloh aus Drochtersen will neuer CDU-Vorsitzender im Landkreis Stade werden. Weselohs Kandidatur sei nicht wirklich überraschend, heißt es aus Parteikreisen. Die Ankündigung zu diesem Zeitpunkt und in dieser Form kam aber dann doch unerwartet. Der 44-jährige Unternehmer veröffentlichte seine Bewerbung am Mittwochabend über ein Rundschreiben sowie mit einem Videoclip auf Instagram. Zeitgleich schaltete er eine eigene Internetseite frei (cdu-andre-weseloh.de). Damit tritt er offen gegen die amtierende Vorsitzende Melanie Reinecke an, die den Kreisverband seit dem Herbst 2021 führt. Reinecke hatte das Amt von Kai Seefried übernommen, nachdem dieser zum Landrat gewählt worden war. Weseloh ist seitdem einer der drei Stellvertreter Reineckes. Die Wahl des neuen Kreisvorstandes erfolgt auf dem CDU-Kreisparteitag am 8. November.

Positive Rückmeldungen
„Die Reaktionen auf meine Kandidatur sind bisher durchweg positiv gewesen“, berichtet Weseloh am Donnerstagmorgen gegenüber dem WOCHENBLATT. Er habe bis tief in die Nacht telefoniert: „Das waren alles gute Gespräche.“ Bereits am frühen Morgen hätten ihn weitere Anrufe erreicht. Weseloh hält es für bemerkenswert, dass Zuspruch auch über die Landkreisgrenzen hinweg gekommen sei. Er fühle sich jetzt hoch motiviert. Sein Fazit: „Wenn das so bleibt, dann ist meine Kandidatur auf dem besten Weg.“

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Kritische Analyse
In seiner ausführlichen Bewerbung begründet Weseloh seine Entscheidung mit einer kritischen Analyse des aktuellen Zustands der Partei. „Unsere Mitgliederzahlen sinken rapide. Mit jedem einzelnen Monat, der verstreicht“, stellt er fest und warnt zugleich vor dem Erstarken der politischen Ränder. Während die CDU vielerorts stagniere, gründe die AfD neue Ortsverbände. Der CDU-Kreisverband müsse diesen Entwicklungen entschlossen begegnen: „Ich sehe nicht, dass wir aktuell dafür aufgestellt sind, das zu tun. Und ich sehe den Kreisverband in der Pflicht“.

Wunsch nach Erneuerung
Seine Kandidatur sei aus einem innerparteilichen Impuls heraus entstanden: „In unserer Partei bewegt sich etwas. Nicht immer laut, aber spürbar.“ Viele Mitglieder hätten sich in den vergangenen Monaten mit dem Wunsch nach Erneuerung an ihn gewandt. „Irgendwann war für mich der Punkt erreicht, an dem ich wusste: Abwarten ist keine Option mehr“, erklärt Weseloh. Er wolle helfen, neue Wege zu gehen, und der CDU im Landkreis Stade ein „klares Angebot“ machen: „Lasst uns gemeinsam die CDU im Landkreis Stade erneuern – mit Mut, Offenheit und Zusammenhalt“.

Neustart ist notwendig
Mit Blick auf die bevorstehende Kommunalwahl 2026 betont Weseloh die Dringlichkeit eines politischen Neustarts: „Es braucht einen echten Neustart. In der CDU, in Stade und mit einer Politik, die den Menschen wieder echte Perspektiven bietet.“ Dabei setzt er auf eine offene, sachliche und gestaltende Parteiarbeit: „Ohne Extreme, ohne einfache Parolen – dafür mit Sachlichkeit, Klarheit und echtem Gestaltungswillen“. Weseloh wirbt um das Vertrauen der Mitglieder – und für eine CDU, die, wie er sagt, „mit klarer Haltung, neuen Ideen und dem festen Willen, gemeinsam mehr zu erreichen“ wieder sichtbarer und zukunftsfähiger werden soll.

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Reaktionen auf die Kandidatur von André Weseloh

Nach der Ankündigung von André Weseloh, für den Vorsitz des CDU-Kreisverbandes Stade kandidieren zu wollen, hat das WOCHENBLATT mit den CDU-Vorsitzenden aus den drei größten Kommunen des Landkreises Stade (Stade, Buxtehude und Harsefeld) sowie mit der Vorsitzenden der Kreis-Frauenunion gesprochen. Hier ihre Stellungnahmen:

Arne Kramer, Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes Stade:
Aus Kramers Sicht erfolgt die Kandidatur von André Weseloh ohne wirklichen Anlass. Mit Melanie Reinecke an der Spitze sei der Kreisverband gut aufgestellt. Einige seiner Kritikpunkte sei nachvollziehbar – allerdings gehöre Weseloh selbst seit vier Jahren dem Kreisvorstand an und hätte dort entsprechend mitgestalten können. Kritik sollte zuerst parteiintern diskutiert werden, statt eine öffentliche Debatte zu führen. Das Wahlkampfziel der CDU dürfe zudem nicht allein darin bestehen, die AfD kleinzuhalten. Man müsse die Menschen durch sachorientierte Politik vor Ort erreichen. Nur so gewinne man Vertrauen. Kramer fragt sich außerdem, ob es wirklich notwendig war, die Kandidatur mit einem so großen medialen Aufschlag zu verkünden.

Marcel Haberkorn, Vorsitzender des CDU-Stadtverbandes Buxtehude:
Mit der Kandidatur von André Weseloh sei zu rechnen gewesen, da er sich bereits in Stellung gebracht habe. So viel stehe aber schon jetzt fest: Der Vorstand des CDU-Stadtverbandes Buxtehude werde sich im Vorfeld des Kreisparteitags für keinen Kandidaten aussprechen. Man möchte vermeiden, dass es zu einer Spaltung innerhalb des Kreisverbandes kommt. Eine vorzeitige Empfehlung könnte unnötige Gräben aufreißen. Jedes Parteimitglied sollte sich frei entscheiden können.

Mirco Dawideit, Vorsitzender des CDU-Samtgemeindeverbandes Harsefeld:
Die Bewerbung von André Weseloh komme nicht überraschend. Er habe sich in den vergangenen Monaten sehr aktiv auf Landkreisebene eingebracht – besonders im Bundestagswahlkampf, bei dem er sich an Infoständen engagiert habe. Man werde im Harsefeld Ortsvorstand nun intern über die Personalie sprechen, bevor wir man sich eventuell positioniere. Grundsätzlich wünscht sich Dawideit, dass die CDU im Landkreis mit einer Stimme spricht. Andererseits sei eine Auswahl zwischen zwei Bewerbern durchaus legitim. Eine Kampfkandidatur könnte auch dazu beitragen, dass mehr Mitglieder am Kreisparteitag teilnehmen.

Silja Köpcke, Vorsitzende der Frauenunion im Landkreis Stade:
André Weseloh sei in den vergangenen Wochen sehr präsent gewesen, habe viele Versammlungen in den Ortsverbänden besucht. Seine Kandidatur könne sie aber nicht nachvollziehen. Die amtierende Kreisvorsitzende mache einen hervorragenden Job. Köpcke unterstützt sie als Stellvertreterin mit voller Überzeugung. Melanie Reinecke bringe frische Ideen ein und bewege viel. Nach der Ansicht von Köpcke könne mit der CDU im Landkreis Stade so weitergehen. Natürlich gehöre eine Gegenkandidatur zu einem demokratischen Verfahren. Aber man stehe kurz vor den Kommunalwahlen. Da sollte die CDU ihre Energie lieber in Sacharbeit als in Personaldebatten stecken.

Redakteur:

Jörg Dammann aus Stade

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