Wenn nur einer zur Wahl steht
Kommunalwahl 2026 im Landkreis Stade: In sechs Kommunen gibt es nur einen Kandidaten

Bei nur einem Kandidaten heißt es lediglich "Ja" oder "Nein" | Foto: KI-generiert
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"Wer die Wahl hat, hat die Qual" heißt es im Volksmund. Denn die Freiheit, sich zwischen mehreren Möglichkeiten entscheiden zu müssen, kann durchaus als Belastung empfunden werden. Umgekehrt ist es unbefriedigend, gar keine Wahl zu haben.

Bei der Kommunalwahl am Sonntag, 13. September, sind die Bürgerinnen und Bürger im Landkreis Stade zur Wahl aufgerufen. Unter anderem geht es um wichtige Führungspositionen: Wer wird Chef oder Chefin im Kreishaus und in den Rathäusern der Städte, Einheits- und Samtgemeinden? 

Wahl ist nicht gleich Auswahl

Bei den Direktwahlen der Bürgermeisterinnen und Bürgermeister gibt es im Landkreis Stade allerdings nicht überall eine echte Auswahl zwischen mehreren Bewerbern. In den elf Städten, Gemeinden und Samtgemeinden, in denen die Verwaltungsspitzen gewählt werden, gibt es in sechs Fällen nur einen Bewerber: In Oldendorf-Himmelpforten, Fredenbeck, Jork, Apensen, Harsefeld und Horneburg. Hier hat der Wähler bzw. die Wählerin nur die Möglichkeit, für den Kandidaten mit "Ja" oder mit "Nein" abzustimmen.  Erhält der Bewerber bzw. die Bewerberin mehr Ja- als Nein-Stimmen, gilt er bzw. sie als gewählt. Damit gibt es bei mehr als der Hälfte dieser Direktwahlen keine Auswahl zwischen mehreren Personen.

Studie zeigt: Wahlbeteiligung fällt geringer aus

Was macht eine fehlende Auswahl mit der Wahlbeteiligung? Dieser Frage ist Jona-Frederik Baumert vom Institut für Politikwissenschaft der Leibniz Universität Hannover nachgegangen. Seine Untersuchung zeigt: Gibt es keinen Gegenkandidaten, fällt die Wahlbeteiligung im Durchschnitt um vier bis fünf Prozentpunkte niedriger aus.

"Wahlen ohne Gegenkandidaten stellen eine große Herausforderung für die repräsentative Demokratie dar", schreibt Jona-Frederik Baumert. Er sieht darin grundsätzlich ein demokratisches Problem: Wo Gegenkandidaten fehlen, werde der politische Wettbewerb eingeschränkt. Abgesehen davon seien Wahlen ohne Gegenkandidaten auch für die Wähler und Wählerinnen frustrierend, da ihre Stimme als bedeutungslos erscheint.

Insgesamt sei laut Baumert jedoch kein starker Rückgang der Wahlbeteiligung zu erwarten. Schließlich werden bei der Kommunalwahl gleichzeitig die Räte auf Gemeinde-, Samtgemeinde- und Kreisebene gewählt. Dort können sich die Wählerinnen und Wähler zwischen verschiedenen Parteien und Kandidierenden entscheiden und gebe Motivation, wählen zu gehen.

Bedeutet eine Direktwahl ohne Gegenkandidaten deshalb, dass die Wähler eigentlich keine echte Wahl haben? Anikó Glogowski-Merten,  Direktorin der Niedersächsischen Landeszentrale für politische Bildung in Hannover, widerspricht dieser Sicht: "Der Wunsch nach einer größeren Auswahl an Kandidierenden ist natürlich nachvollziehbar", sagt sie. Das Argument, bei nur einem Kandidaten sei es keine "richtige Wahl", weist sie jedoch zurück. Auch ein einzelner Kandidat müsse die Zustimmung der Wähler und Wählerinnen bekommen. 

Auswahl braucht Kandidaten

Eine größere Auswahl sei nur möglich, wenn mehrere Menschen von ihrem passiven Wahlrecht Gebrauch machten. "Gemeint ist damit das Recht, auch selbst gewählt zu werden", erläutert Glogowski-Merten. Dieses Recht sei eine wichtige Grundlage der Demokratie. "Unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung lebt von engagierten Menschen, die die politische Verantwortung sehen und diese Verantwortung annehmen und sich zur Wahl stellen." 

Eine Wahl ohne Gegenkandidaten bietet zwar weniger Auswahl – bedeutungslos ist die Stimme deshalb nicht. Die Wähler und Wählerinnen können einem Bewerber ihre Zustimmung geben oder sie verweigern. Zugleich zeigt die Situation, dass politische Auswahl nicht erst am Wahltag entsteht. Sie setzt Menschen voraus, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und selbst zu kandidieren.

Die Niedersächsische Landeszentrale für politische Bildung hat eine Broschüre mit Informationen zur Kommunalwahl herausgegeben. Sie kann unter folgendem Link gelesen und heruntergeladen werden:

https://www.wahlen-in-niedersachsen.de/kommunalwahl/infobroschuere/

Bei nur einem Kandidaten heißt es lediglich "Ja" oder "Nein" | Foto: KI-generiert
Anikó Glogowski-Merten | Foto: Michelle Kortz
Redakteur:

Stephanie Bargmann aus Stade

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