In Buchholz ist es sogar gratis
Parken Anwohner in Stade, Buxtehude und Winsen viel zu billig?

Parkplätze sind in vielen Städten rar gesät. Viele Anwohner sind froh, wenn sie einen Stellplatz in der Nähe ihrer Wohnung ergattern können
  • Parkplätze sind in vielen Städten rar gesät. Viele Anwohner sind froh, wenn sie einen Stellplatz in der Nähe ihrer Wohnung ergattern können
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(jd). Das Auto möglichst dicht vor der Haustür abstellen - und das fast für lau. Viele Städte verlangen dafür, dass Anwohner ihre Pkw in der Nähe ihrer Wohnung parken dürfen, nicht mehr als einen symbolischen Betrag: 30 Euro für ein ganzes Jahr. Das stößt der Deutschen Umwelthilfe (DUH) sauer auf: Sie fordert, dass die Städte die Gebühren für das Anwohnerparken deutlich anheben - am besten um satte 1.000 Prozent. Wie wird überhaupt das Anwohnerparken in der Region gehandhabt? Drei der vier Städte in den Landkreisen Stade und Harburg, nämlich Buxtehude, Stade und Winsen, haben entsprechende Parkzonen eingerichtet. Nur Buchholz sieht bisher keine Notwendigkeit.

Minimum 360 Euro im Jahr

"Die Gebühren müssen so hoch sein, dass Menschen, die nicht auf das Auto angewiesen sind, ihren Pkw-Besitz hinterfragen." So lautet die Kernthese der Deutschen Umwelthilfe bei ihrer Forderung, Anwohnerparkgebühren drastisch zu erhöhen - auf mindestens 360 Euro im Jahr. Die DUH kritisiert, dass selbst in Städten mit einem dichten Busnetz und guten Radwegen die Zahl der Autos ansteige. Immer mehr Haushalte hätten Zweit- oder sogar Drittwagen.

Warum nicht ins Parkhaus?

Ein Unding, findet DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch: "Flächen zum Spielen, Flanieren und Verweilen immer knapper. Trotzdem dürfen Anwohner in den meisten Städten mit ihren riesigen SUV und Pick-ups für nur acht Cent pro Tag den öffentlichen Raum zustellen." Für solche "SUV-Stadtpanzer", so die DUH wörtlich, fordere man noch wesentlich höhere Gebühren. Als "überfällig" bezeichnet auch Helmut Dedy, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetages, die Anhebung der Gebühren für das Anwohnerparken: "Der städtische Raum ist viel zu wertvoll, um nur Parkplatz oder Straße zu sein."

Höhere Gebühren für das Anwohnerparken sind überhaupt erst seit zwei Jahren möglich: Bis Juni 2020 galt eine bundeseinheitliche Obergrenze von 30,70 Euro. Seitdem dürfen die Bundesländer selbst festlegen, ob sie ihren Kommunen eigenen Spielraum bei der Gebührenhöhe zugestehen. Niedersachsen gehört zu den fünf Bundesländern, die das bereits zulassen.

Buxtehude will erhöhen

Doch davon machen in Niedersachsen offenbar nur die allerwenigsten Kommunen Gebrauch. Auch in Winsen und Buxtehude werden derzeit noch die "traditionellen" 30,70 Euro pro Jahr verlangt. In Winsen beschränkt sich die Zone für das "Bewohnerparken", wie man es dort nennt, auf einen vier Straßen umfassenden Bereich der Innenstadt nördlich der Marktstraße. Entsprechend wenige Berechtigte gibt es: Derzeit haben lediglich 74 Winsener einen Parkausweis.

Deutlich höher ist die Zahl der Nutzer in Buxtehude: "2022 sind insgesamt 307 Parkausweise gültig, davon 297 im Altstadtbereich", berichtet Pressesprecher Thomas Bücher. Bereits beschlossene Sache ist eine Anhebung der Gebühren zum 1. Juli: Im Bereich der Altstadt sind dann immerhin 84 Euro pro Jahr fällig, was allerdings immer noch nur ein Viertel der Summe ist, die die DUH fordert. Dennoch sei die Gebührenerhöhung "vor dem Hintergrund der Mobilitätswende und erklärter Klimaschutzziele" erfolgt und diene der Regulierung von begrenztem Parkraum, so Bücher.

Parken ohne Bargeld in Buxtehude

Die Möglichkeit, mehr Geld für die Parkausweise zu verlangen, nutzt Stade schon etwas länger. Mit 70 Euro jährlich fällt diese Preisanhebung aber sehr moderat aus. 105 Parkausweise wurden in diesem Jahr bisher ausgegeben. Die Anwohnerparkzonen beschränken sich auch hier weitestgehend auf den Altstadtbereich. Höhere Gebührensätze lehnt man im Stader Rathaus bewusst ab. "Wir wollen mit dem Anwohnerparken Bewohnern der Innenstadt, die vielfach auch bereits älter sind, ermöglichen, nahe ihrer Wohnung zu parken, beispielsweise um schwere Einkäufe nicht zu weit tragen zu müssen", erklärt Stades Bürgermeister Sönke Hartlef.

Der Kritik der DUH, dass immer mehr Zweit- und Drittwagen angeschafft werden, begegnet Hartlef mit dem Hinweis, dass in Stader Regelung "ausdrücklich nur eine Anwohnerparken-Genehmigung pro Haushalt ausgesprochen wird, also lediglich ein Fahrzeug die entsprechende Erlaubnis erhält". Zudem fördere man in Stade selbstverständlich Alternativen zum Auto. Es gebe bereits die erste Fahrradstraße und die Stadt sei dabei, Radwege weiter auszubauen und Radfahrern mehr Service zu bieten.

Autor:

Jörg Dammann aus Stade

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