Fragen und Antworten zu Mehrwegverpackungen in Pandemie-Zeiten
Mehr Müll seit Corona

Es gibt viele Möglichkeiten, Einwegverpackungen zu vermeiden   Foto: ots/Netto
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Dorothea Seeger, Meeresmüll-Expertin im Meeresschutzbüro des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), beantwortet angesichts der aktuellen Situation die drängendsten Fragen zum Thema Mehrwegverpackungen und Hygiene.

Sind Einwegverpackungen im Vergleich zu Mehrwegverpackungen sicherer?
Nein, Einwegverpackungen sind im Vergleich zu Mehrwegverpackungen in Corona-Zeiten nicht die bessere Lebensmittelverpackung. Sie sind nicht sicherer, denn auch Einwegverpackungen können Viren und krankheitserregende Bakterien aus dem Produktionsprozess beherbergen.
Darüber hinaus können Lebensmittelverpackungen Chemikalien enthalten, von denen viele für die menschliche Gesundheit gefährlich sind. Die Aufnahme toxischer Chemikalien aus Einwegplastikverpackungen durch Lebensmittel und Getränke kann mit wiederverwendbaren Verpackungen aus Glas, Edelstahl oder aus hochwertigem Kunststoff vermieden werden.

Setzt sich der Verbraucher durch den Gebrauch von Mehrwegverpackungen einem größeren Viren-Risiko aus?
Seife und heißes Wasser über 60 Grad Celsius töten sowohl das Coronavirus als auch andere Viren und Bakterien wirksam ab. Deshalb sind Haushalts- und besonders gewerbliche Geschirrspüler bei der Reinigung der wiederverwendbaren Gefäße wirksamer als das Spülen mit der Hand. Sie reinigen die Gefäße bei höheren Temperaturen und in einen längeren Waschvorgang.
Die geltenden Hygienevorschriften wie Händewaschen oder das Reinigen von Oberflächen und Gemeinschaftsgegenständen sind aber unbedingt zu beachten. Zudem sollte beim Befüllen von Mehrwegflaschen mit Wasser aus dem Wasserhahn oder aus einem Wasserspender unbedingt darauf geachtet werden, dass die Flaschen den Wasserhahn nicht direkt berühren. Das gilt auch für den Mehrweg-Kaffeebecher.

Ist das Wiederbefüllen von Mehrwegbehältern in Gastronomie und Märkten wegen Corona verboten?
Ein Verbot, Mehrwegbehälter wieder zu befüllen, gibt es nicht. Der Gebrauch und das Wiederbefüllen sind weiterhin erlaubt, eine Verpflichtung hierzu gibt es aber nicht. Viele Restaurants fokussieren sich aktuell auf Lieferdienste und den Außer-Haus-Verkauf und greifen dabei aus vermeintlichen Hygienegründen auf Einwegverpackungen zurück. Deshalb kommt es derzeit zu einem Anstieg an Verpackungsmüll.
Aus Sicht des BUND sind alle Maßnahmen zur Nutzung von Mehrwegsystemen, auch im Außer-Haus-Verkauf, dringend notwendig. Projekte wie "Essen in Mehrweg", an dem der BUND mitarbeitet, zeigen, dass der Trend des Außer-Haus-Konsums auch in Zeiten von Corona klimafreundlich gestaltet werden kann.

Ist der "Zero-Waste"-Lebensstil in Gefahr?
Nein, der "Zero-Waste"-Lebensstil ist von Dauer und gewinnt trotz Corona von Tag zu Tag an Bedeutung. Derzeit bestehen zwar viele Ängste, was den Einsatz von Mehrweglösungen angeht. Der Gedanke, ein Leben ohne Abfall anzustreben, ist jedoch immer noch wichtig und richtig. Verpackungen werden aus wichtigen Wertstoffen hergestellt und sollten nicht nach einmaligem Gebrauch zu Abfall werden. Deswegen ist es gerade jetzt wichtig, Mehrwegsysteme auszubauen und zu stärken.

Was können Verbraucher tun, um unsere Umwelt und unsere Meere zu schützen?
Nutzen Sie Mehrweg, wo immer es möglich ist. Weisen Sie auch gerne Verkäufer darauf hin, dass die Nutzung von Mehrweggefäßen unter Berücksichtigung der Hygieneregeln durchaus möglich und erlaubt ist.
Auch bei der Nutzung von Alltagsmasken empfiehlt der BUND selbstgenähte Masken zu nutzen, die immer wieder gewaschen und benutzt werden können. Jede Verpackung oder jeder Gegenstand, den wir nicht wegwerfen, sondern mehrfach benutzen oder reparieren, kommt unserer Umwelt und den Meeren zugute. Unsere Meere sind keine Müllkippe, deswegen nutzen Sie Mehrweg – egal ob bei Verpackungen oder Alltagsmasken.

Autor:

Stephanie Bargmann aus Stade

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