Schwimmendes LNG-Terminal startet im November
Den Anker im Mittelmeer gelichtet: die „Energos Force“ nimmt Kurs auf Stade
- Im März 2024 legte die "Energos Force" erstmals im Stader Energiehafen an. Jetzt wird das LNG-Spezialschiff in rund zwei Wochen zurückerwartet
- Foto: DET
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Man kann es kaum glauben: Die "Energos Force" macht sich auf den Weg nach Stade. Das schwimmende LNG-Terminal hat am Montagmorgen (31. August) im östlichen Mittelmeer die Anker gelichtet und Kurs auf Gibraltar genommen. Mitte September soll die „Energos Force“ nach einer knapp 3.700 Seemeilen (ca. 6.800 Kilometer) langen Seereise Stade erreichen.
Anfang November, so kündigt es das Bundeswirtschaftsministerium gegenüber dem WOCHENBLATT an, soll das Terminal schließlich in Betrieb gehen. Dann wären seit dem ersten Anlegen der "Energos Force" am Kai des neuen Stader Energiehafens mehr als zweieinhalb Jahre vergangen. Zwischenzeitlich wurde das Schiff an die Egyptian Natural Gas Holding Company (EGAS) untervermietet. Dieser Unterchartervertrag ist jetzt ausgelaufen. „Völlig richtig, die Energos Force beendet mit dem heutigen Tag ihre Subcharter“, erklärte ein Sprecher der Deutschen Energy Terminal GmbH (DET) am Montag auf Nachfrage. Die DET ist Betreiber des schwimmenden LNG-Terminals.
Zwischenstopp in Gibraltar
In den vergangenen Monaten war die "Energos Force" am Sheikh-Sabah-Al-Ahmad-LNG‑Terminal im Golf von Aqaba in Jordanien eingesetzt. Zuletzt dümpelte das Schiff über längere Zeit im Mittelmeer, ungefähr auf halber Strecke zwischen Port Said (Ägypten) und Limassol (Zypern). Aktuell ist das Spezialschiff mit einer Geschwindigkeit von zwölf Knoten (22 km/h) nach Gibraltar unterwegs. In der britischen Exklave im Süden Spaniens wird sie am kommenden Sonntag, 6. September, erwartet. Wann genau die „Energos Force“ später in Stade festmacht, lässt der DET-Sprecher offen. Nach WOCHENBLATT-Informationen ist der 16. September anvisiert. Das wäre bei der aktuellen Geschwindigkeit des Schiffes durchaus zu schaffen,
Schiff wurde unterverchartert
Als die „Energos Force“ im März 2024 erstmals im damals frisch errichteten Stader Energiehafen in Bützfleth festmachte, sollte sie zügig zum schwimmenden LNG-Terminal umgerüstet werden. Daraus wurde nichts. Probleme und schließlich ein handfester Streit um die landseitige sogenannte Suprastruktur verzögerten das Vorhaben immer weiter. Ende 2025 übernahm die DET schließlich selbst die Verantwortung für die Fertigstellung noch offener Arbeiten. Weil in Stade nichts fertig war, lief die „Energos Force“ im Frühjahr 2025 aus, lag zunächst vor Skagen in Dänemark und wurde später in den Nahen Osten unterverchartert. Der Bund begründete das seinerzeit damit, dass sich auf diese Weise ein Teil der ohnehin anfallenden Charterkosten wieder hereinholen lasse, solange das Stader Terminal noch nicht betriebsbereit sei.
Das soll sich laut DET jetzt schnell ändern. Nach Angaben des Firmensprechers laufen die Arbeiten „auf Hochtouren". Sie seien im "Zeitplan“. Das betrifft sowohl die Anlage selbst als auch die umfangreichen Dokumentationsunterlagen, die für die Inbetriebnahme erforderlich sind. Über den weiteren Verlauf will die DET zu einem späteren Zeitpunkt informieren. Auch die Vermarktung der sogenannten Slots – also der Zeitfenster, in denen LNG-Tanker ihre Ladung anliefern können – wird vorbereitet. Das bestätigt das Bundeswirtschaftsministerium.
Fünf Milliarden Kubikmeter Gas pro Jahr
Mit der Inbetriebnahme leistet das Stader LNG-Terminal auch einen Beitrag zur deutschen Gasversorgung an Bedeutung. Laut Ministerium erhöht Stade die deutsche LNG-Importkapazität perspektivisch um rund fünf Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr. Bis 2027 sollen die schwimmenden Terminals in Wilhelmshaven I und II, Brunsbüttel, Stade und Mukran zusammen auf rund 23 Milliarden Kubikmeter Importkapazität kommen.
Fünf Milliarden Kubikmeter Gas klingen zunächst abstrakt. Umgerechnet entspricht diese Menge – abhängig vom Brennwert des Gases – ungefähr 50 bis 65,5 Terawattstunden Energie. Zum Vergleich: Deutschland verbrauchte im vergangenen Jahr insgesamt rund 864 Terawattstunden Gas. Die langfristig für Stade genannte Importkapazität entspräche damit rechnerisch etwa sechs bis knapp acht Prozent des deutschen Jahresverbrauchs.
Allerdings ist der Anteil von LNG an den deutschen Gasimporten noch immer vergleichsweise gering. 2025 importierte Deutschland insgesamt 1.031 Terawattstunden Erdgas. Rund ein Zehntel davon, nämlich 106 Terawattstunden, kamen über LNG-Terminals.
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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