Schwimmende LNG-Terminals
LNG-Frust: Wilhelmshaven weiht ein, Stade wartet weiter

Das schwimmende LNG-Terminal "Energos Force" befindet sich derzeit fast 3.400 Kilometer Luftlinie von Stade entfernt - Akaba (Jordanien) | Foto: DET/OpenTopo Map; jd
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In Wilhelmshaven nimmt am heutigen Freitag (29. August) das zweite schwimmende LNG-Terminal seinen regulären Betrieb auf. Die bundeseigene Deutsche Energy Terminal GmbH (DET) feiert sich in einer Pressemitteilung für die schnelle Inbetriebnahme des Spezialschiffs "Excelsior". Das Schiff legte erst Ende April in Wilhelmshaven an und konnte bereits nach wenigen Wochen an Gas-Fernleitungsnetz angeschlossen werden. In Stade dürften die Lobeshymnen der DET auf die schnelle Umsetzung des Vorhabens für Erstaunen sorgen. Dort wartet man bisher vergeblich darauf, dass das von der DET ebenfalls als schwimmendes LNG-Terminal gechartete Schiff "Energos Force" den Betrieb aufnimmt. 

Seit anderthalb Jahren nichts passiert
Die Inbetriebnahme des zweiten Wilhelmshavener Terminals zeige eindrucksvoll, "wie aus technischer Expertise und partnerschaftlicher Zusammenarbeit leistungsfähige Infrastrukturen für die Energieversorgung entstehen", heißt es in der DET-Pressemitteilung. Solche Sätze dürften bei den Politikern in Stade wie Hohn klingen. In Sachen "Energos Force" herrscht seit anderthalb Jahren Stillstand. Bereits im März 2024 legte das Schiff im neu errichteten Energiehafen an. Seitdem ist so gut wie nichts passiert. Kein Gas wurde regasifiziert, kein Kubikmeter eingespeist. Schlimmer noch: Das Ganze eskalierte in einem handfesten Streit zwischen der DET und dem für die Errichtung der sogenannten Hafen-Suprastruktur verantwortlichen Unternehmen, der Hanseatic Energy Hub (HEH). Von "partnerschaftlicher Zusammenarbeit" kann in Stade also keine Rede sein.

Statt Stade: Schwimmendes LNG-Terminal nimmt Kurs auf Gibraltar
Naher Osten statt Elbe: Schwimmendes LNG-Terminal wurde nach Ägypten "untervermietet"

Schiff ist jetzt "untervermietet"
Schließlich verschwand die "Energos Force" im Frühjahr 2025 aus dem Stader Hafen – dümpelte erst monatelang vor Skagen, dann ging es über Rotterdam und Gibraltar nach Jordanien. Aktuell liegt die „Energos Force“ im Hafen von Akaba, unterverchartert an den ägyptischen Energiekonzern EGAS. Die "Untervermietung" des Schiffes sorgte für lange Gesichter in Stade - hieß es doch bislang, dass das schwimmende LNG-Terminal noch vor Beginn der Heizperiode seinen Betrieb aufnimmt. Die Untervercharterung der "Energos Force" lässt Zweifel aufkommen: Will man das Projekt in Stade überhaupt noch zum Laufen bringen?

Schwimmendes LNG-Terminal: Betreiber kündigt Verträge

Brief an die Bundeswirtschaftsministerin
Auch der Stader Landrat Kai Seefried (CDU) zeigte sich skeptisch: "Die Zweifel, ob die bundeseigene Gesellschaft DET den Standort Stade überhaupt jemals ernsthaft betreiben wollte, sind bei uns in den vergangenen Monaten leider gewachsen." Seefried forderte bereits Anfang Juli ein koordiniertes Vorgehen und appellierte an alle Beteiligten, „einen gemeinsamen Weg zur Inbetriebnahme der FSRU zu erarbeiten“. Der Landrat schrieb zudem an die Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU)  – mit dem klaren Ziel, eine Inbetriebnahme des Stader Terminals noch vor dem kommenden Winter zu ermöglichen.

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Nichtssagende Antwort aus Berlin
Jetzt, Ende August, kam endlich eine Antwort aus Berlin. Reiche ließ ihren parlamentarischen Staatssekretär Stefan Rouenhoff ein paar eher nichtssagende Zeilen verfassen. Rouenhoff erklärt, man sei im Austausch mit allen Beteiligten und zuversichtlich, eine "konstruktive Lösung zur zügigen Inbetriebnahme" zu finden. Konkrete Aussagen, ob und wann die „Energos Force“ wieder in Stade anlegt, bleibt der Staatssekretär allerdings schuldig. Nur so viel: Das Schiff werde "rechtzeitig zu einer möglichen Inbetriebnahme wieder in Deutschland sein". Die Subcharter sei nur erfolgt, "um kurzfristig finanziellen Schaden von der Bundesrepublik Deutschland abzuwenden". 

In Stade kam bisher kein einziger Kubikmeter LNG an

KOMMENTAR: In Wilhelmshaven klappt es, in Stade nicht 

In Wilhelmshaven klappt es wie am Schnürchen: Innerhalb von vier Monaten geht ein schwimmendes LNG-Terminal ans Netz. Ein Musterprojekt – so stellt es die bundeseigene Betreibergesellschaft DET dar. Und Stade? Hier dümpelt das Projekt seit anderthalb Jahren vor sich hin. Die HEH hat ihre Hausaufgaben gemacht, die Genehmigungsbehörden haben weitgehend grünes Licht signalisiert, ein schwimmendes LNG-Terminal könnte grundsätzlich in Betrieb gehen. Doch das Schiff, ohne das gar nichts läuft, dümpelt im Roten Meer. 

Während die DET das neue Terminal in Wilhelmshaven bejubelt und dazu eine mehrseitige Pressemitteilung veröffentlicht, gibt sich das bundeseigene Unternehmen im Stader Fall wortkarg. Man muss sich längst die Frage stellen: Will der Bund das schwimmende LNG-Terminal in Stade überhaupt jemals in Betrieb nehmen? Oder ist der Standort längst abgeschrieben – nur sagt es keiner offen? Solange aus Berlin keine klaren Zusagen kommen, bleibt der bisher ungenutzte Stader Energiehafen ein Symbol für politisches Desinteresse und bürokratische Hinhaltetaktik.

Die Region wartet nicht nur auf ein Schiff. Sie wartet auf Ehrlichkeit.

Jörg Dammann

Redakteur:

Jörg Dammann aus Stade

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