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Vollsperrung der B73 in Agathenburg

AOS Stade will Kapazitäten erweitern
Stader Rotschlammdeponie: Damm soll bis zu 30 Meter hoch werden

Die Rotschlamm-Deponie liegt im Stade Moor. Im Hintergrund ist die Elbe zu erkennen
  • Die Rotschlamm-Deponie liegt im Stade Moor. Im Hintergrund ist die Elbe zu erkennen
  • Foto: Martin Elsen / nord-luftbilder.de
  • hochgeladen von Jörg Dammann

(jd). Das rote Viereck inmitten der grünen Flächen ist auf Google Earth nicht zu übersehen: Zwischen Wiesen, Weiden und Moor befindet sich nordwestlich von Stade die Rotschlammdeponie von Deutschlands einzigem Hersteller von Aluminiumoxid, dem Grundstoff für den Leichtmetall-Werkstoff Aluminium. Rund vier Kilometer weiter westlich von der Deponie betreibt die Firma AOS (Aluminiumoxid Stade) die 1973 eröffnete Produktionsstätte. Bei der Herstellung entsteht Rotschlamm als Abfallprodukt, der über eine Rohrleitung in die Deponie gepumpt wird. Damit auch in Zukunft weiter produziert werden kann, will AOS die Kapazität der Deponie aufstocken. Das Unternehmen will sich die Genehmigung einholen, die Dämme zu erhöhen – von 16,5 auf 30 Meter. Derzeit wäre eine Höhe von 21 Metern erlaubt.

Für die Aufstockung der Erdwälle ist ein neuer Planfeststellungsbeschluss inklusive Umweltverträglichkeitsprüfung erforderlich. Für das Verfahren, das beim Gewerbeaufsichtsamt Lüneburg angesiedelt ist, werden derzeit die Unterlagen vorbereitet. Ob das Unternehmen irgendwann mal die volle Höhe ausreizen wird, wird die Zukunft erweisen. AOS will aber zumindest die Option darauf haben.

Denn bei der aktuell zulässigen Dammhöhe von 21 Metern wäre die Deponie in einem Jahrzehnt voll. Bereits jetzt lagern auf dem 1,4 mal 1,1 Kilometer großen Areal (154 Hektar) mehr als 20 Millionen Kubikmeter Rotschlamm. Das entspricht dem Fassungsvermögen von fast 350.000 Kesselwaggons. Weitere neun Mio. Kubikmeter passen noch rein. Bei einer Aufschüttung der Dämme auf 30 Meter wäre Platz für 12,5 Mio. Kubikmeter zusätzlich.

Roter Fleck in der Landschaft

„Diese Erhöhung wird die Restlaufzeit der Deponie um weitere 15 bis 20 Jahre verlängern“, heißt es in den Unterlagen. Eine längerfristige Sicherung der Deponie sei anzustreben, da „die AOS mit ca. 550 Mitarbeitern ein wichtiger Wirtschaftsfaktor in der Region“ sei. In dem Papier wird außerdem darauf verwiesen, dass die AOS derzeit keine andere Alternative sieht, den Rotschlamm anderweitig zu lagern - etwa in ehemaligen Salzkavernen -, ihn im Meer zu verklappen oder ihn gar zu verwerten.

In der Nachbarschaft wird man über die Pläne von AOS wohl kaum erfreut sein. In der Vergangenheit gab es Konflikte und sogar Klagen wegen des dauerhaften Sandtransports für die regelmäßige Erhöhung der Dämme und der Nutzung einer Sandgrube auf dem Gebiet der Gemeinde Hammah. Die Sandlaster sind ständig unterwegs, um neues Material herbeizuschaffen.

AOS Stade: "Reizende" Suppe im Riesen-Becken

Rohstoff wird in Westafrika abgebaut

Aluminiumoxid wird aus Bauxit gewonnen. Der Rohstoff für das Stader Werk wird in Minen im westafrikanischen Staat Guinea abgebaut. Dort ist der Abbau des rotgefärbten Erzes umstritten. Kritiker weisen auf Zwangsumsiedlungen und Umweltverschmutzungen als Folge der Bauxitgewinnung hin.

Per Schiff gelangt das Bauxit nach Stade, wo es bei der AOS weiterverarbeitet wird. Für die Erzeugung von Aluminiumoxid wird Natronlauge verwendet, das die benachbarte Dow anliefert. Bei diesem Verfahren bleibt der Rotschlamm übrig. Seine rote Färbung hat er von einem der Bestandteile, dem Eisenoxid. Ob sich Gefahrstoffe im Rotschlamm befinden, hängt vom Ursprungsstoff Bauxit ab. Das Material in der Stader Deponie soll unbedenklich sein.

Gefährlicher Schlamm: Dammbruch in Ungarn

Bei der geplanten Erhöhung des Deponie-Dammes wird wohl wieder die Frage nach dessen Standfestigkeit aufkommen. Die Sorge ist nicht unberechtigt: Im Jahr 2010 ergoss sich in Ungarn nach einem Dammbruch Rotschlamm über ein Gebiet von 40 Quadratkilometern. 150 Menschen wurden verletzt, zehn starben. Im Schlamm fanden sich giftige Stoffe wie Cadmium und Arsen – sowie ätzende Natronlauge. Anders als in Stade, wo die Lauge aus dem Schlamm herausgewaschen wird, hatte die ungarische Firma die ätzende Brühe einfach mit auf die Deponie geleitet.

Autor:

Jörg Dammann aus Stade

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