Deutliches Plus nach Berg- und Talfahrt
Stader Seehafen legt kräftig zu: Güterumschlag steigt um 24 Prozent

Der Stader Seehafen mit der Baustelle für das LNG-Terminal. Beim Güterumschlag gab es im ersten Halbjahr 2026 einen deutlichen Zuwachs im Vergleich zum Vorjahreszeitraum | Foto: Martin Elsen/nord-luftbilder.de
  • Der Stader Seehafen mit der Baustelle für das LNG-Terminal. Beim Güterumschlag gab es im ersten Halbjahr 2026 einen deutlichen Zuwachs im Vergleich zum Vorjahreszeitraum
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Niedersachsens Seehäfen sind weiter auf Wachstumskurs. In den neun Häfen wurden im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 31,1 Millionen Tonnen Güter im Seeverkehr umgeschlagen. Das sind sieben Prozent mehr als im entsprechenden Vorjahreszeitraum. Besonders kräftig fällt das Wachstum in Stade aus: Der Seehafen in Bützfleth steigerte seinen Güterumschlag um 24 Prozent.

Rund 3,2 Millionen Tonnen gingen von Januar bis Juni in Stade über die Kaikanten. Im ersten Halbjahr 2025 waren es lediglich 2,6 Millionen Tonnen gewesen. Nach Angaben der Hafenmarketinggesellschaft Seaports of Niedersachsen beruht das Plus sowohl auf einer höheren Nachfrage der ansässigen Industrie nach Massengütern als auch auf einem verstärkten Umschlag von Stückgütern und sogenannten Projektladungen – meist handelt es sich hier um besonders große oder schwere Güter wie Maschinen und Bauteile für Industrie- oder Energieanlagen.

Stade wächst stärker als fast alle anderen Häfen
Mit einem Plus von 24 Prozent hebt sich Stade deutlich von der Entwicklung der meisten anderen niedersächsischen Seehäfen ab. Wilhelmshaven, mit Abstand größter Hafen des Landes, steigerte seinen Umschlag um 14 Prozent auf 20,6 Millionen Tonnen. Papenburg legte um drei Prozent zu. In Leer stieg der kombinierte See- und Binnenschiffsumschlag um 15 Prozent. Die anderen Häfen in Niedersachsen verzeichneten sogar rückläufige Zahlen. So sank in Brake der Seegüterumschlag um zwölf Prozent, in Nordenham um elf Prozent und in Emden um knapp fünf Prozent. Cuxhaven verbuchte sogar ein Minus von 32 Prozent, wobei dort ein Sondereffekt eine Rolle spielt: Im Vorjahr hatten größere Bauprojekte für zusätzliche Baustoff-Umschläge gesorgt. Oldenburg ist wegen des Neubaus der Eisenbahnbrücke in Elsfleth derzeit für Seeschiffe nicht erreichbar.

Im Stader Hafen wurden weniger Waren umgeschlagen

Nach dem Einbruch zurück auf Wachstumskurs
Der aktuelle Aufwärtstrend für den Stader Seehafen ist erfreulich, zumal der Hafen in den vergangenen Jahren eine regelrechte Berg- und Talfahrt hinter sich hat. 2022, im Jahr des Kriegsbeginns in der Ukraine, wurden noch 5,1 Millionen Tonnen umgeschlagen. Das waren bereits 13 Prozent weniger als 2021. Vor allem die hohen Energiepreise hatten den energieintensiven Betrieben in Bützfleth zugesetzt. Der Umschlag chemischer Produkte brach damals um 27 Prozent ein. 2023 verschärfte sich die Entwicklung zunächst noch. Der Seegüterumschlag sank auf rund 3,8 Millionen Tonnen – ein Minus von mehr als 26 Prozent gegenüber 2022. Hintergrund war vor allem die schwächere Produktion der chemischen Industrie. 

2024 folgte dann die kräftige Gegenbewegung. Das Umschlagsvolumen sprang um 45 Prozent auf rund 5,5 Millionen Tonnen. Stade erzielte damit seinerzeit den höchsten prozentualen Zuwachs unter allen neun niedersächsischen Seehäfen. Hauptgrund war die wieder hochgefahrene Produktion des Aluminiumoxid-Herstellers AOS. Der Erzimport erhöhte sich von rund 980.000 Tonnen im Jahr 2023 auf etwa 2,4 Millionen Tonnen. Gleichzeitig wurde entsprechend mehr in Stade produziertes Aluminiumoxid verschifft.

Der Aufwärtstrend setzte sich 2025 fort. Der seeseitige Umschlag überschritt erstmals seit einigen Jahren wieder die Marke von sechs Millionen Tonnen und lag damit elf Prozent über dem Vorjahreswert. Rund 2,6 Millionen Tonnen davon entfielen auf Erzimporte. Bei flüssigen Massengütern wie Aluminiumoxid beziehungsweise -hydroxid und chemischen Produkten wurden knapp 2,5 Millionen Tonnen erreicht. Auch der Baustoffumschlag legte deutlich zu.

Mit den jetzt gemeldeten 3,2 Millionen Tonnen im ersten Halbjahr 2026 setzt sich diese Erholung fort. Sollte sich das Umschlagsniveau in der zweiten Jahreshälfte halten, könnte der Hafen erneut eine starke Jahresbilanz vorlegen. Eine theoretische Verdoppelung des Halbjahreswertes würde rechnerisch auf etwa 6,4 Millionen Tonnen hinauslaufen – tatsächlich können die Umschlagsmengen im Jahresverlauf allerdings deutlich schwanken.

Zukunft der Seehäfen: Stader Hafen im Fokus der Landespolitik

Nordhafen soll zusätzliche Entwicklungsmöglichkeiten schaffen
Langfristig soll der Hafen in Bützfleth zusätzliche Kapazitäten erhalten. Pläne für eine Erweiterung gibt es seit Langem. Schon vor Jahren berichtete das WOCHENBLATT über das Vorhaben, zusätzliche Umschlagsflächen zu schaffen und die bestehende Kaianlage deutlich zu verlängern. Konkreter wurden die Überlegungen mit einem Perspektivpapier von Niedersachsen Ports (NPorts). Das 2020 vorgestellte Konzept teilte den Hafen in mehrere Entwicklungsbereiche auf.

Eine Schlüsselrolle spielt dabei der sogenannte Nordhafen. Geplant ist die Erweiterung des sogenannten Multi-Purpose-Terminals. Darunter versteht man einen flexibel nutzbaren Hafenbereich, an dem unterschiedliche Güter umgeschlagen werden können. Nach den damaligen Planungen müsste dafür der Uferbereich mit rund 270.000 Kubikmetern Bodenmaterial aufgefüllt und eine rund 1.100 Meter lange Kaianlage geschaffen werden. Auch eine Anbindung an das Schienennetz wurde als Option genannt.

Planungen am Stader Seehafen schreiten weiter voran

Das Vorhaben steht weiterhin auf der Agenda. Im vergangenen Jahr wurde der Ausbau des Stader Nordhafens erneut im Niedersächsischen Landtag thematisiert. Die CDU-Landtagsfraktion forderte im Rahmen ihrer hafenpolitischen Initiative Investitionen in die niedersächsischen Hafenstandorte und nannte ausdrücklich den Ausbau des Stader Nordhafens sowie ein neues Industriegleis. Begründet wurde dies unter anderem mit der Bedeutung des Hafens für die energieintensive Industrie in Stade.

Redakteur:

Jörg Dammann aus Stade

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