Landrat kritisiert Hickhack um "Energos Force"
Statt Stade: Schwimmendes LNG-Terminal nimmt Kurs auf Gibraltar
- Hier war die Welt noch in Ordnung: Die Ankunft der "Energos Force" im März 2024 im Stader Energiehafen. Jetzt ist das Schiff unterwegs nach Gibraltar
- Foto: DET
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Seit dem Frühjahr lag sie im dänischen Skagen vor Anker, jetzt befindet sich die „Energos Force“ auf großer Fahrt: Das von der Bundesregierung gecharterte Spezialschiff zur Regasifizierung von Flüssigerdgas (LNG) befindet sich laut Schiffsradar aktuell auf dem Weg von Rotterdam nach Gibraltar. Offenbar wird das Schiff jetzt als LNG-Tanker genutzt. Im Rotterdamer Hafen wurde die "Energos Force" wohl mit LNG befüllt, das nun nach Südeuropa transportiert wird. Damit scheint die ursprünglich vorgesehene Nutzung des Schiffes als schwimmendes LNG-Terminal im Stader Energiehafen in weite Ferne zu rücken.
Noch kein LNG umgeschlagen
Bereits im März 2024 legte die „Energos Force“ in Stade an – ein symbolträchtiger Meilenstein für den neu geschaffenen Energiehafen, der in Rekordzeit errichtet wurde. Doch bislang wurde kein einziger Kubikmeter LNG umgeschlagen. Immer wieder gab es neue Termine für die angepeilte Inbetriebnahme des Terminals. Aber die Suprastruktur, also der technische Anschluss zwischen Schiff und Gasfernleitung, wurde nicht einfach nicht fertig. Es folgten Monate des Wartens, der Ungewissheit – und zunehmender Verstimmung und Schuldzuweisungen zwischen den Projektbeteiligten.
- Der Screenshot von Vesselfinder zeigt die "Energos Force" am Dienstagnachmittag (1. Juli) kurz vor der Einfahrt in die Straße von Gibraltar. Das Schiff ist etwa 54 Seemeilen (100 km) von der portugiesischen Hafenstadt Faro und 130 Seemeilen ((240 km) von Gibraltar entfernt
- Foto: vesselfinder.com
- hochgeladen von Jörg Dammann
Streit zwischen DET und HEH
Im Zentrum der Auseinandersetzung steht der Streit zwischen der bundeseigenen Deutschen Energy Terminal GmbH (DET) und dem Projektentwickler Hanseatic Energy Hub (HEH). Die HEH war für den Bau der Suprastruktur zuständig. Diese soll nun prinzipiell betriebsbereit sein. Eine unabhängige Prüfung, so eine HEH-Sprecherin, habe bestätigt, dass die Anlage spätestens zur kommenden Heizperiode einsatzfähig sei. Auch die Genehmigungsbehörden hätten grünes Licht signalisiert. Man sei bereit, sobald das Schiff zurückkehre.
Inbetriebnahme grundsätzlich möglich
Ein wenig anders klingt das bei der DET. Dort verweist man auf ausstehende Dokumentationen und noch auszuführende technische Arbeiten. Wie berichtet, hatte das Bundeswirtschaftsministerium beratend das Unternehmen Uniper hinzugezogen, das ebenfalls dem Bund gehört und bereits über Erfahrungen beim Betrieb des Wilhelmshavener LNG-Terminals verfügt. Ein Prüfbericht seitens Uniper soll laut Mitteilung der DET ergeben haben, dass die Inbetriebnahme des Stader Anlage grundsätzlich möglich ist – sofern alle offenen Punkte abgearbeitet werden. Der Ton von DET und HEH wirkt sachlich nüchtern, doch zwischen den Zeilen wird klar: Das Vertrauen ist beschädigt, das Projekt steht unter einem denkbar schlechten Stern.
Schiff wird unterverchartert
Vom Bundeswirtschaftsministerium wiederum heißt es auf WOCHENBLATT-Nachfrage, dass man keinen konkreten Zeitplan für die Inbetriebnahme der "Energos Force" als schwimmendes Terminal im Stader Energiehafen angeben könne. Eine Ministeriums-Sprecherin verweist darauf, dass eine Sicherheitsprüfung "nach internationalem LNG-Standard" noch nicht erfolgen könne, da einige Arbeiten noch ausstünden. Zudem schaut das nun CDU-geführte Ministerium - anders als noch beim grünen Wirtschaftsminister Robert Habeck - jetzt offensichtlich auf die Kosten. Man sei „aufgrund der haushaltsrechtlichen Vorgaben“ verpflichtet, eine mögliche Untervercharterung der FSRU zu prüfen, um finanzielle Schäden für die Bundesrepublik zu vermeiden, so die Sprecherin.
Teil der Kosten wieder hereinholen
Laut Insidern fallen bei der vom Bund angemieteten "Energos Force" täglich rund 200.000 Euro an Charter- und Nebenkosten an. Indem das Schiff als LNG-Tanker unterverchartert wird, könnte der Bund zumindest einen Teil der Kosten wieder hereinholen. Laut Ministerium soll diese "Untervermietung" des Schiffes dessen zeitnahe Inbetriebnahme als schwimmendes Terminal in Stade aber nicht beeinträchtigen. Eine fast wortgleiche Auskunft gibt die DET. Allerdings stellt sich die Frage, wieso sich eine Subcharter angeblich noch in Prüfung befindet, wenn die "Energos Force" bereits mit einer Ladung LNG auf dem Weg ins Mittelmeer ist.
Landrat: Verhalten der DET kritisch hinterfragen
Stades Landrat Kai Seefried zeigt sich sichtlich verärgert über das Hin und Her um die "Energos Force". Aus seiner Sicht sei das Verhalten der DET "sehr kritisch zu hinterfragen". Er sei fest davon überzeugt, dass es in Stade das nötige Know-how für den Betrieb des schwimmenden LNG-Terminals gibt. "Gemeinsam und auch als Ergebnis der guten Arbeit der HEH wäre eine Inbetriebnahme in kürzester Zeit umsetzbar, wenn denn der Wille dafür seitens der DET vorhanden wäre", erklärt der Landrat. Er gibt aber zu bedenken: "Die Zweifel, ob die bundeseigene Gesellschaft DET den Standort Stade überhaupt jemals ernsthaft betreiben wollte, sind bei uns in den vergangenen Monaten leider gewachsen."
Appell an alle Beteiligten
Seefried forderte ein koordiniertes Vorgehen und appellierte an alle Beteiligten, „einen gemeinsamen Weg zur Inbetriebnahme der FSRU zu erarbeiten“. Angesichts fast leerer Gasspeicher – insbesondere im niedersächsischen Rehden – könne ein schwimmendes LNG-Terminal in Stade einen wichtigen Beitrag zu Versorgungssicherheit in Deutschland leisten. Der Landrat kündigte zudem an, sich kurzfristig an die neue Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) zu wenden – mit dem klaren Ziel, eine Inbetriebnahme des Stader Terminals noch vor dem kommenden Winter zu ermöglichen.
Redakteur:Jörg Dammann aus Stade |
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