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Eine Bewährungsstrafe für den G20-Steinewerfer

Der Angeklagte (sitzend) wollte nicht erkannt werden und versteckte sein Gesicht hinter der Robe seines Anwaltes Foto: thl

20-Jähriger wegen Steinwürfen, Landfriedensbruchs, Einbruchs und Drogenbesitzes verurteilt

thl. Winsen. Die Vorwürfe wogen schwer: versuchte gefährliche Körperverletzung, tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte, besonders schwerer Landfriedensbruch, Einbruch und Besitz von Drogen. Insgesamt drei Anklagen verlas der Oberstaatsanwalt jetzt vor dem Winsener Jugendschöffengericht gegen K. D.. Der 20-Jährige soll sich im Juli 2017 an den G20-Krawallen in Hamburg beteiligt haben und dabei vier faustgroße Steine und eine Flasche in Richtung Polizeibeamte geworfen haben. Außerdem soll er an der Plünderung eines Rewe-Marktes im Schanzenviertel im Rahmen der Krawallnacht beteiligt gewesen sein. Weiter soll D. im April 2018 mit vier weiteren Freunden in Winsen in eine Sporthalle eingebrochen sein und einen Monat später Marihuana für sich gekauft haben, konkretisierte der Anklagevertreter die Vorwürfe.
Sowohl die Steinwürfe als auch den Einbruch und den Drogenkauf räumte K. D. sofort ein. Nur die Teilnahme an der Plünderung bestritt er zunächst. Erst als ein Video der Tat im Gerichtssaal gezeigt wurde, gab er diese Handlung schließlich auch zu. Eigentlich sei er nur aus reiner Neugierde nach Hamburg gefahren, erklärte der Verteidiger für seinen Mandanten. Dann habe er sich aber mitreißen lassen. "Sonst gehört K. aber nicht zum sogenannten Schwarzen Block. Das ist schon daran zu erkennen, dass er bei den Taten ein weißes T-Shirt trug und nicht vermummt war", so der Anwalt. "Ich hatte zuvor Marihuana und Koks konsumiert. Plötzlich ist meine gesamte Kindheit in mir hochgekommen. Deshalb habe ich wohl auch angefangen, dort mitzumachen", ergänzte der Angeklagte auf Nachfrage.
Seine Kindheit sei alles andere als normal verlaufen, gab K. D. an. Als er vier Jahre alt war, hätten ihn Jugendamt und Polizei bei seinem Vater - zur Mutter hat er keinen Kontakt - abgeholt. Von da an sei er von einem Heim in das andere gezogen. Erst zehn Jahre später sei er wieder bei seinem Vater eingezogen, habe aber zwischenzeitlich auch bei seiner Oma in Hamburg-Billstedt gewohnt. Die Schule habe er nach der achten Klasse abgebrochen. Eine Ausbildung? Fehlanzeige. Hinzu kämen eine Drogensucht und sogenannte Beschaffungskriminalität, die ihm mehrere Vorstrafen einbrachten. Mittlerweile habe er aber eine stationäre Entgiftung gemacht und sei nun von den Drogen los, so der 20-Jährige.
Im Juli 2017 erlang K. D. dann kurzzeitig zweifelhafte "Berühmtheit", als er nach dem G20-Gipfel mit einem Stein in der Hand groß auf der Titelseite einer Hamburger Tageszeitung mit der Überschrift "Verbrecher gesucht" abgebildet war. K. D. stellte sich daraufhin der Polizei, zog wenig später aber von Hamburg nach Winsen und war für die Behörden plötzlich nicht mehr erreichbar. Daraufhin erging Haftbefehl gegen ihn, der schließlich im Februar 2018 vollstreckt wurde.
"Bei einer Haftprüfung haben wir den Haftbefehl aber aufgehoben und Sie vor der Begehung weiterer Straftaten gewarnt", so der Oberstaatsanwalt im Prozess. "Trotzdem sind sie drei Wochen später mit ihren Freunden in die Turnhalle eingebrochen." Das zeige, dass D. eine erhebliche Uneinsichtigkeit und viele schädliche Neigungen habe. Dies erfordere massive Gegenmaßnahmen. Dennoch honorierte der Oberstaatsanwalt das umfassende Geständnis des jungen Mannes und nahm ihm die im Prozess gezeigte Reue ab. Deswegen hielt er am Ende die Bewährungsstrafe für vertretbar. D. müsse jedoch eine ambulante Therapie machen und laufend Nachweise darüber vorlegen sowie eine Ausbildung in einer Jugendwerkstatt aufnehmen, um zunächst einmal seinen Schulabschluss nachzuholen. "Im Jugendrecht soll hauptsächlich erzogen und nicht bestraft werden, damit der Angeklagte die Chance hat, seine Dummheiten zu beenden", so der Oberstaatsanwalt.
Das Schöffengericht schloss sich der Auffassung an. Das Urteil: ein Jahr und zehn Monate Haft, für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.