Wegen zu vieler Arbeitsverträge
Joachim Matz kassiert Abfuhr vom Amt als Vertretungslehrer
- Joachim Matz vor der Winsener Schule Am Ilmer Barg, wo er in der Vergangenheit bereits als Vertretungslehrer gearbeitet hatte und nun nicht mehr tätig sein darf
- Foto: Matz
- hochgeladen von Christoph Ehlermann
"Bürokratie macht Schule", titelte das WOCHENBLATT, als es kürzlich erneut über Zeitverträge schrieb, die Joachim Matz (74) aus Winsen bei seinen Bemühungen um eine Anstellung als Vertretungslehrer immer wieder das Leben schwer machten. Gegenüber Niedersachsens Kultusministerin Julia Willie Hamburg (Grüne) hatte er die Einstellungspraxis für Lehrer im Ruhestand als "altersdiskriminierend" angeprangert. Jetzt teilte ihm die Landesschulbehörde auf seine Bewerbung als Vertretungslehrer an der Winsener Grund- und Oberschule Am Ilmer Barg für das Schuljahr 2026/2027 mit, dass er ab sofort auch "aufgrund der Vielzahl der bisher geschlossenen Verträge" nicht mehr im Schuldienst arbeiten dürfe.
"Ich möchte ausdrücklich nicht behaupten, dass meine Kritik an der Einstellungspraxis der Grund für die Entscheidung war. Der zeitliche Zusammenhang ist jedoch auffällig", so Matz.
Nach seiner eigenen Schulzeit hatte er eine Ausbildung als Gymnasiallehrer für Deutsch und Geschichte gemacht, dann 30 Jahre bei der Volksbank Lüneburger Heide eG gearbeitet und war seit der Pensionierung 2017 als Vertretungslehrer tätig. In den vergangenen achteinhalb Jahren unterschrieb er 21 Arbeitsverträge und unterrichtete an fünf Schulen.
Der enorme Aufwand - so Joachim Matz - sei nötig, weil sich Ruheständler für die Einstellung in den niedersächsischen Schuldienst nur für auf ein Schulhalbjahr befristete Verträge bewerben dürfen - so die Vorgabe auf eis-online.niedersachsen.de, der Bewerbungsplattform des Kultusministeriums. "Genau diese Vertragsform wird mir nun wegen der Vielzahl meiner bisherigen Verträge zum Verhängnis", zeigt er sich "tief enttäuscht" über die Abfuhr vom Landesschulamt.
"Wenn ein Arbeitnehmer entlassen wird, kann das verschiedene Gründe haben: Unzuverlässigkeit, Inkompetenz, Fehlzeiten oder mangelndes Engagement. Dass jemandem der Stuhl vor die Tür gesetzt wird, weil er zu viel gearbeitet hat, ist schon eine Besonderheit", erklärt Matz. Der Hinweis auf die zahlreichen abgeschlossenen Verträge mache aber auch deutlich, dass seine Dienste immer gefragt waren - "was bei dem allgegenwärtigen Lehrermangel nicht verwundert".
Auch an der Winsener Schule, wo Joachim Matz in der Vergangenheit bereits gearbeitet hatte und nun eine Kollegin in Elternzeit vertreten sollte, sei die Enttäuschung über das Veto durch die Behörde groß: "Der Stundenplan für das neue Schuljahr war fast fertig, meine Unterrichtszeiten hätten manche Lücke schließen können. Ein Kollege kommentierte den ganzen Vorgang trocken: 'Wer kritisiert, wird abserviert'."
Redakteur:Christoph Ehlermann aus Salzhausen |
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