Miniserie: Stöckte in früheren Zeiten
Von Alarmtrompeten und Faslamstreiben
- MGV Augusta am Gasthaus zum Hafen - Von Deyn 1954
- Foto: Archiv Peter Homann
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Für das WOCHENBLATT öffnet Dorfarchivar Peter Homann sein Archiv und spricht gemeinsam mit Hobby-Historiker Hermann Isenberg über die Dorfgeschichte.
Ob beim Faslam, der Feuerwehr oder im Sportverein – das Herz von Stöckte schlägt in seinen Vereinen. Doch das gesellschaftliche Leben an der Elbe hat sich in den vergangenen Jahrzehnten rasant entwickelt. Wo früher Mägde feierten und Löschwagen von Pferden gezogen wurden, organisieren heute hochspezialisierte Großvereine den dörflichen Zusammenhalt und die Feuerwehr ist mit High Tech unterwegs.
Weit über Stöckte hinaus bekannt ist sein Faslam. Ursprünglich als Fest der Knechte und Mägde erfunden, zog man vor dem Ersten Weltkrieg man recht bescheiden mit einem bunten, geschmückten Tannenbaum am Deich entlang. Nach dem Zweiten Weltkrieg wagten Stöckter wie Heinz Beecken 1949 den Neuanfang – damals führte der kleine Umzug bis Wehrmanns Eck und zurück zum Hafen. Heute ist der Faslam ein echtes Mega-Event: Die Faslamsbrüder locken jährlich rund 50.000 Besucher an und richten den größten Umzug in ganz Norddeutschland aus.
Eine ähnliche Professionalisierung erlebte der Sport. Als am 25. Februar 1914 der MTV Stöckte gegründet wurde, turnten die rund 30 Mitglieder noch draußen auf Wedemanns Wiese gegenüber dem Stöckter Hof. Heute bietet der 1972 fusionierte Hansa Sportverein Stöckte knapp 1.400 Mitgliedern ein Zuhause und feiert überregionale Erfolge, besonders im Trampolinturnen.
Auch die Freiwillige Feuerwehr hat ihre einfachen Anfänge längst hinter sich gelassen. Im Gründungsjahr 1877 rannte ein Ausrufer noch mit einer Alarmtrompete auf den Deich, um das Aufbruchssignal zu blasen. Mit Pferdewagen ging es dann zum Einsatz Heute ist die Stöckter Wehr mit modernsten Fahrzeugen bestens ausgerüstet unterwegs.
Doch nicht alles wuchs unaufhaltsam, manches musste sich zusammenschließen. Sinkende Mitgliederzahlen zwangen die Stöckter Chöre zum Handeln. Der traditionsreiche Männer-Gesangverein „Augusta“ von 1889 – bei dem laut mündlicher Überlieferung sogar Johannes Brahms einmal dirigiert haben soll – fusionierte über die Jahre mehrfach. Heute singt man vereint als „Chorgemeinschaft Elbdeich“.
Auch das Kneipenleben wandelte sich massiv. Früher wurden dörfliche Fehden bei Bratkartoffeln und Räucheraal im legendären „Goldenen Anker“ an der Seebrücke bei Siggi und Ellen Star beim Skat beigelegt. Heute finden viele soziale Begegnungen eher über den DRK-Ortsverein statt, der seit 1966 von der Seniorengymnastik bis zur Blutspende ein wichtiges soziales Netz bildet.
So sehr sich die Strukturen auch gewandelt haben, der Stöckter Zusammenhalt blieb nach Krisen stets bestehen. Das bewies nach 1945 besonders Frau Bertram: Die Offizierswitwe aus Berlin gründete auf einer ausgedienten Transportschute am Deich heimlich einen Naturkindergarten und brachte so in der alles andere als einfachen Nachkriegszeit ein erstes Stück Kultur ins Dorf zurück.
Redakteur:Jan Filter aus Winsen |
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