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Aus der Pleite zum Millionär - Winsener Tierschutzverein will neu durchstarten

Ramona Bartels gratulierte ihrem Nachfolger Ralf Schaldach (li.) und Beisitzer Volkbert Schulze (Foto: thl)
Winsener Tierschutzverein hat neuen Vorsitzenden / Weitere Versammlung nach Sommerferien

thl. Winsen. Bei dieser Nachricht von Insolvenzverwalter Christian Heim stockte den Anwesenden auf der Jahreshauptversammlung der Atem: Der Winsener Tierschutzverein hat mehrere Erbschaften erhalten und kann dadurch nicht nur sämtliche Verbindlichkeiten ablösen. "Spitz gerechnet bleiben am Ende höchstwahrscheinlich sogar noch rund 1,2 Millionen Euro an Guthaben übrig", so Heim.
Wie das WOCHENBLATT berichtete, hatte Vereinsvorsitzende Ramona Bartels im Dezember 2013 Insolvenz für den Verein angemeldet. Mit der Eröffnung des Verfahrens und der damit verbundenen Schließung des Tierheims befand sich der Verein in der Liquidation, die aber bis heute nicht abgeschlossen wurde. Dadurch konnten die Erbschaften angenommen werden. Bei einer Erbschaft sei zwar noch ein Rechtsstreit anhängig, doch Christian Heim ist guter Dinge, das Verfahren zu gewinnen.
Seit der Insolvenz war das Buchholzer Tierheim das einzige seiner Art im Landkreis Harburg. Daneben gab es noch die zunächst von Tierärztin Dr. Tatjana Rusch betriebene Fundtierstelle, die - nachdem der Landkreis der Veterinärin die Betriebserlaubnis entzogen hatte - in einen Verein umgewandelt wurde.
Der Winsener Tierschutzverein zählt heute noch insgesamt 359 Mitglieder. Neben Ramona Bartels und ihrem Mann Michael fanden allerdings nur sieben von ihnen den Weg in den Marstall. So leer wie die Stühle, blieb auch das Podium, auf dem Bartels alleine saß. "Meine damaligen Vorstandskollegen haben alle ihre Mitgliedschaft gekündigt und mich allein gelassen", sagte sie enttäuscht und fügte hinzu: "Ich wollte eigentlich noch ein paar Worte darüber verlieren, aber das spare ich mir lieber." Anschließend erklärte auch sie ihren Rücktritt. Die Folge: Lange Gesichter bei den Anwesenden. Kurz wurde über die Zukunft des Vereins diskutiert. Eine Auflösung konnte nicht beschlossen werden, da laut Satzung 80 Prozent aller Mitglieder dafür stimmen müssten. Ohne Vorstand würde das Gericht aber einen Notvorstand einsetzen, der den Verein dann abwickeln würde.
Schließlich erklärte sich Ralf Schaldach bereit, den Verein zu führen. Unterstützung bekommt er von Volkbert Schulze aus Wulfsen, der sich zum Beisitzer wählen ließ. Schaldach ist 54 Jahre alt, Rentner und arbeitet nebenbei als Veranstaltungs-Hausmeister im Marstall. Er ist erst kurz vor der Insolvenz 2013 in den Tierschutzverein eingetreten. Seine Aufgabe ist jetzt, den Verein zwecks Fortbestand wieder in vernünftiges Fahrwasser zu bekommen. "Wir werden nach den Sommerferien zeitnah eine außerordentliche Mitgliederversammlung einberufen, um einen kompletten Vorstand zu wählen", versprach der neue Vorsitzende.
Rolf Schekerka, Vorsitzender des Buchholzer Tierschutzvereins, ist froh, dass es in Winsen weitergeht. "An dem Hund Al Capone haben wir gesehen, wie sehr die Stadt ein Tierheim benötigt." Der Kampfhund war seinerzeit in Winsen von der Polizei sichergestellt und nach Buchholz gebracht worden. Seitdem streiten sich der Verein und die Stadt Winsen über die Kosten für Unterbringung und Betreuung.

1,2 Millionen Euro - und nun?
Ein Kommentar

Der eigentlich für alle schon längst aufgelöste Winsener Tierschutzverein ist plötzlich zu Geld gekommen und aus der Insolvenz gerettet. Das ist die gute Nachricht.
Was jetzt mit dem Geld aber passiert, ist noch völlig offen. Denn außer seinen Eintrag im Vereinsregister hat der Verein nichts, kein Vereins- und schon gar kein Tierheim. Ob sich dieses jemals in Winsen wieder etablieren lässt, ist fraglich. Denn die Kommunen, die ihre Fundtiere früher in Winsen untergebracht haben, haben längst andere Möglichkeiten gefunden. Oft sogar mit langfristigen Verträgen. Ohne die Fundtiere wird sich aber kein Tierheim vernünftig betreiben lassen. Denn Kauf oder Pachtung eines Areals sowie der Bau eines Tierheims kosten Geld. Da sind 1,2 Millionen Euro schnell weg, wenn es keine Einnahmen gibt. Deshalb muss der neue Vorstand ganz genau überlegen, was er mit dem plötzlichen Reichtum macht. Sonst ist der Verein schnell wieder da, wo er Ende 2013 war.