Das Weihnachtswunder nach 23 Jahren: Dank WOCHENBLATT-Berichten findet Rolf Pöker seine Familie wieder

Wiedersehen nach 23 Jahren: Rolf Pöker umarmt
seinen Sohn Steffen (43)
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Die Menschen hetzen an diesem Wochenende durch die Innenstädte. Auf der Suche nach den letzten fehlenden Geschenken oder beim Großeinkauf für die nahen Festtage hat kaum jemand Zeit zum Innehalten. Das gilt nicht für Rolf Pöker. Er sitzt in einem Zug auf dem Weg ins Saarland. Nach mehr als 20 Jahren wird er erstmals wieder das Weihnachtsfest mit seiner Familie verbringen. Welche Gedanken ihn wohl während der fast fünfstündigen Fahrt begleiten?

(mum). Seit Mitte des Jahres hatte das WOCHENBLATT immer wieder über das Schicksal des 75-Jährigen berichtet. Nachdem die Stadt Buchholz Rolf Pöker Mitte Juli aus der Obdachlosenunterkunft an der Bremer Straße warf, übernachtete der Rentner mehrere Nächte im Wald. Erst als unsere Zeitung im Rathaus intervenierte, bot man Pöker eine Dachgeschosswohnung in der Rütgersstraße an - ein dreckiges Loch. Am schlimmsten aber war für ihn, dass die Stadt ihm seine geliebten Tiere nahm - Wellensittiche und Zwerghühner.
Jetzt das große Weihnachts-Wunder: Rolf Pöker feiert zum ersten Mal nach 23 Jahren Weihnachten mit seiner Familie. Zum ersten Mal trifft er seine drei Enkel. Das verdankt der 75-Jährige seiner Schwiegertochter Martina. Für ihren Mann recherchierte sie im Internet, tippte unzählige Male den Namen „Rolf Pöker“ in das Suchfeld. Als sie die Hoffnung schon aufgeben wollte, wird sie endlich fündig - auf der Seite des WOCHENBLATT.

Diese Geschichte berührt die Herzen. Nach 23 Jahren feiert der obdachlose Rolf Pöker zum ersten Mal mit seiner Familie Weihnachten. Und so kam es dazu:
Zuletzt hatte das WOCHENBLATT Ende Oktober über Rolf Pöker berichtet. „Ich bin froh, dass ich jetzt langsam zur Ruhe komme“, sagte er damals. Sein kleines Zimmer hat der 75-Jährige liebevoll eingerichtet. Bilder an der Wand, Dekokissen auf dem gebrauchten Sofa und Schokolade in einer kleinen Schale. Pöker hat sogar eine neue Aufgabe gefunden. Zweimal in der Woche arbeitet er ehrenamtlich für das „Kaufhaus mit Herz“. Er sortiert die Spenden, repariert Möbel und hilft beim Entladen der Autos. „Manchmal fühle ich mich sehr einsam“, sagte Pöker. Er habe keine Familie.
Wenige Wochen nach diesem Bericht klingelt das Telefon in der Redaktion. Eine Frau aus Weißkirchen, einem kleinen Ort im Saarland, erkundigt sich nach Rolf Pöker. Sie sagt: „Ich bin seine Schwiegertochter.“ Sie erzählt, dass die Eltern ihres Mannes sich trennten. Die Frau zog mit ihren drei Kindern weg. Der Kontakt zum Vater brach ab. „Der größte Wunsch meines Mannes ist es, seinen Vater wieder zu treffen“, erzählt die Frau am Telefon. Sie habe immer wieder nach ihrem Schwiegervater gesucht - auch im Internet. Dort fand sie ihn schließlich auf den Online-Seiten unserer Zeitung. „Ich zeigte meinem Mann die Artikel mit den Fotos.“
Anfangs sei er sich nicht sicher gewesen, ob es wirklich sein Vater sei. Doch die Lebensgeschichte passte.
Als das WOCHENBLATT Rolf Pöker über den Anruf seiner Schwiefertochter informiert, wirkt er verunsichert. Bislang erzählte er stets, dass er keine Familie habe. „Das ist so nicht ganz richtig“, räumt er jetzt ein. „Ich hatte mal Kinder.“ Er bedauere zutiefst, dass der Kontakt vor Jahren abgebrochen sei. Seine Frau sei in den Westen gegangen; er habe in der DDR bleiben müssen. „Ich fürchte, meine Kinder wollen jetzt nichts mehr von mir wissen.“
Doch das Gegenteil ist der Fall: Noch am Wochenende reisen Steffen und Martina Pöker nach Buchholz. Nach Jahren der Ungewissheit nehmen sich Vater und Sohn wieder in die Arme. Die Zeit vergeht viel zu schnell. Schließlich versprechen sich die Männer, gemeinsam Weihnachten zu feiern. „Ich bin so aufgeregt“, sagt Rolf Pöker. „Endlich verbringe ich die Weihnachtstage wieder mit meiner Familie.“
Rolf Pöker wird an diesem Weihnachtswochenende nicht nur Zeit mit seinem Sohn verbringen. Der 75-Jährige wird erstmals seine drei Enkelkinder treffen. Helena (17), Niclas (14) und Robin (11) sind schon ganz aufgeregt. Der fremde Mann, der Heiligabend mit ihnen verbringt, ist der „Opa“, den sie bisher nur von Bildern kannten. Ganz besonders freut sich Robin auf die Begegnung mit seinem Großvater. „Robin tritt wohl in die Fußstapfen seines Opas“, sagt Martina Pöker. „Er liebt Tiere und hat sich jetzt Hühner gewünscht.“
Für Rolf Pöker ist die Zeit des Kennenlernens nach diesem Wochenende noch längst nicht beendet. Auf ihn warten auch seine zwei weiteren Kinder Frank (48) und Simona (52). Sie wohnen in Bayern, beziehungsweise in Sachsen und fiebern dem Wiedersehen ebenfalls entgegen.

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Autor:

Sascha Mummenhoff aus Jesteburg

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