Nach den Ferien wird in Niedersachsen ein "eingeschränkter Regelbetrieb" aufgenommen
Schulbeginn mit dem "Szenario A"

Vor kurzem erhielt Dagny Mielke den Förderbescheid aus dem Digitalpakt für die Buchholzer Waldschule aus den Händen von Landes-Kultusminister Grant Hendrik Tonne (li.)
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  • Vor kurzem erhielt Dagny Mielke den Förderbescheid aus dem Digitalpakt für die Buchholzer Waldschule aus den Händen von Landes-Kultusminister Grant Hendrik Tonne (li.)
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(jab / os / tk). Wenn am morgigen Donnerstag, 27. August, nach den Sommerferien der Schulunterricht in Niedersachsen beginnt, fragen sich viele Eltern: Welche Regeln gelten in Zeiten der Corona-Pandemie? Ist der Unterricht gesichert?
Niedersachsens Kultusminister Grant Hendrik Tonne (44, SPD) erklärt, dass das Schuljahr 2020/21 "auf Basis größtmöglicher Normalität" beginnen soll. Nach einem Austausch mit dem Landes-Gesundheitsministerium und dem Landesgesundheitsamt in der vorvergangenen Woche stehe fest, dass das sogenannte "Szenario A: Eingeschränkter Regelbetrieb" gelten soll. Das sei den Schulleitungen auch so kommuniziert worden. Die wichtigsten Eckpfeiler des "Szenario A" sind:

Unterricht in voller Klassenstärke

Verzicht auf Mindestabstand, dafür Einführung fester Lern- und Bezugsgruppen ("Kohortenprinzip")

Maskenpflicht außerhalb von Unterrichts- und Arbeitsräumen, wenn der Mindestabstand von 1,5 Metern zwischen den Kohorten nicht eingehalten werden kann

Pflichtunterricht hat Priorität

Ganztagsangebote sind möglich

Schutz von Risikogruppen kann zu Einschränkungen führen

Sollten die Corona-Zahlen signifikant steigen, könnten "Szenario B" (Kombination aus Präsenzunterricht und Lernen zu Hause) oder sogar "Szenario C" (Quarantäne und Shutdown, Lernen zu Hause) zum Tragen kommen. Welches Szenario in den einzelnen Schulen Anwendung finde, sei keine landesweite Entscheidung aus dem Ministerium in Hannover, sondern solle vom jeweiligen Gesundheitsamt unter Betrachtung der lokalen Situation getroffen werden, erklärte Tonne in einem Interview mit der Landeszeitung Lüneburg. Ziel sei es, bei Corona-Verdachtsfällen nicht sofort eine Schließung der kompletten Schule zu veranlassen.

Das WOCHENBLATT fragte stellvertretend bei einigen Schulleitern in den Landkreisen Stade und Harburg nach, wie sie sich auf den Schulunterricht unter den neuen Bedingungen vorbereitet haben:

"Der Schulalltag wird auf jeden Fall eine spannende Angelegenheit", sagt Andreas Wolff, Leiter des Albert-Einstein-Gymnasiums (AEG) in Buchholz. Man habe auf das zeitig von Landes-Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) angekündigte "Szenario A: Eingeschränkter Regelbetrieb" reagiert und u. a. den Hygieneplan angepasst. Dieser werde auf der eigenen Homepage www.aeg-buchholz.de veröffentlicht. Der Hauptunterschied zum Schulalltag vor den Ferien liege in den Kohorten: Das sind feste Lern- und Bezugsgruppen, innerhalb derer keine Abstandsregeln gefordert sind. Jede Schule darf selbst entscheiden, wie sie die Kohorten regelt. Beim AEG wird das die jeweilige Jahrgangsstufe sein. Für alle Schüler gilt: Dort, wo es eng wird, etwa in den Fluren, gilt eine Maskenpflicht.

In der Waldschule in Buchholz gibt es gleich eine doppelte Premiere: Auch hier gibt es erstmals eine Kohortenregelung - und das in einem nagelneuen Gebäude. Wie berichtet, wird mit dem ersten Schultag der 8,4 Millionen Euro teure Neubau in Betrieb genommen. In diesem sind die Oberschüler untergebracht, während die Grundschüler im Altbau verbleiben. "Die Trennung macht es uns natürlich einfacher, die Corona-Regeln einzuhalten", erklärt Dagny Mielke, kommissarische Leiterin der Waldschule. Gleichwohl sei es eine logistische Herausforderung, sich auf den Regelunterricht vorzubereiten. Auch in der Waldschule gilt: Innerhalb der Klassenräume gibt es keine Maskenpflicht, außerhalb schon. Die Lehrer haben mit viel Engagement einen umfangreichen Leitfaden des Landes-Gesundheitsministeriums auf die Verhältnisse in der Waldschule zusammengedampft. Schulleiterin Mielke appelliert an das Verantwortungsbewusststein von Eltern und Schülern: Man tue alles, um die Corona-Regeln im Schulalltag umzusetzen. "Die Bürger müssen dafür Sorge tragen, dass das auch nach dem Schulunterricht geschieht. Jeder muss mithelfen, Corona zu überwinden."

Die Schülerbeförderung im Landkreis Harburg werde normal starten, erklärt Kreissprecher Andres Wulfes. Die Busfahrer seien angehalten, die Schüler auf die in den Bussen geltende Maskenpflicht hinzuweisen. "Sie werden einen besonderen Blick darauf haben, natürlich aber nicht während der Fahrt. Da sollen sie sich auf den Verkehr konzentrieren", sagt Wulfes. Der Landkreis setze auf die Einsicht der Schüler und die Ansage der Eltern, die Maske zu tragen. Man werde die Erfahrungen aus den ersten Tagen zusammen mit der KVG, die die Busbeförderung übernimmt, analysieren und gegebenenfalls weitere Schutzmaßnahmen zu ergreifen.

"Wir machen ungefähr dort weiter, wo wir vor den Sommerferien aufgehört haben", sagt Ruprecht Eysholdt, Leiter des Gymnasiums Süd in Buxtehude. Die einzelnen Klassen werden von ihren Lehrern draußen abgeholt und so zu den Unterrichtsräumen geführt, dass es möglichst keine Berührungspunkte mit anderen Klassen gibt. Dabei hat der Schulleiter mit einem besonderen Problem zu kämpfen: Das Gymnasium als Teil des Schulzentrums Süd hat insgesamt drei Schulen. "Das ist eine Herausforderung", sagt Eysholdt. Er setzt darauf, dass alle Schülerinnen und Schüler mitziehen, wenn es um notwendige Hygieneregeln geht. "Wir alle sind eine Solidargemeinschaft", betont er.
Im Vorfeld des Unterrichtsbeginns hätte sich Ruprecht Eysholdt mehr Unterstützung durch den Schulträger, hier die Stadt Buxtehude, gewünscht. "Wir hätten uns über dringend benötigte zusätzliche Waschbecken gefreut." Das sei mit dem Hinweis "zu teuer" abgelehnt worden. Was Ruprecht Eysholdt im Vorfeld des Neustarts wirklich geärgert hat: Die kurzfristig im Sozialministerium diskutierte Idee, Schulleitungen mit einem Bußgeld von 10.000 Euro zu belegen, wenn sie bestimmte Regeln nicht durchsetzen. Das wurde vom Kultusministerium zwar umgehend zurückgewiesen. Eysholdt sagt dennoch, dass solche Vorstöße wenig motivierend seien. "Wir tun das Beste und das Möglichste", sagt er über Schule in Zeiten der Pandemie.

Elfriede Schöning, Schulleiterin des Vincent-Lübeck-Gymnasiums Stade, freut sich darauf, dass nun alle Schüler wieder die Schule besuchen können. "Schule allein zuhause taugt dauerhaft nichts", meint sie. Dennoch ist sie auch vorsichtig und setzt auf das vorschriftsmäßige Verhalten der Schüler.
Da die Schule mit dem System vor den Sommerferien gut gefahren ist, wird dies in ähnlicher Weise weiter umgesetzt. Der Schulhof wurde in sogenannte Reviere eingeteilt, in denen sich die Schüler während der Pausen aufhalten müssen. Auf dem Gelände und im Gebäude gilt weiterhin Maskenpflicht, außer im Unterricht. Die Klassenräume werden mehrmals pro Unterrichtsstunde gelüftet. Zudem wurden die Klassen neu auf die Räume aufgeteilt, sodass Jahrgänge sich nebeneinander befinden, die kaum Verbindung zueinander haben, wodurch der Kontakt minimiert wird.

Autor:

Oliver Sander aus Buchholz

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