Bullenbruch bei Buxtehude und Horneburg
Seltene Wiesenvögel kehren dank großer Renaturierung zurück
- Kiebitz-Schlupf
- Foto: Henning Kunze
- hochgeladen von Nicola Dultz
Der Bullenbruch zwischen Buxtehude und Horneburg entwickelt sich immer mehr zu einem echten Hoffnungsschimmer für den Naturschutz im Landkreis Stade. Wo seltene Wiesenvögel vielerorts verschwinden, entstehen durch gezielte Renaturierungsmaßnahmen wieder wertvolle Lebensräume für bedrohte Arten wie Kiebitz, Bekassine oder sogar die seltene Uferschnepfe.
Besonders bemerkenswert: Die umfangreichen Maßnahmen kosten die Hansestadt Buxtehude keinen Cent. Die Karl-Kaus-Stiftung engagiert sich seit Jahren eigeninitiativ für das Gebiet – mit großem Einsatz, langfristiger Perspektive und in enger Zusammenarbeit mit Landwirtschaft, Wasserwirtschaft und Naturschutz.
Karl-Kaus-Stiftung wurde aus eigener Initiative aktiv
Die Initiative für die Renaturierung des Bullenbruchs ging direkt von der Karl-Kaus-Stiftung aus. Geschäftsführer Henning Kunze suchte über mehrere Jahre nach geeigneten Naturschutzflächen in Norddeutschland, auf denen die Stiftung nicht nur fördern, sondern selbst aktiv werden konnte.
Der Grundstein für den Naturschutz im Bullenbruch wurde jedoch bereits deutlich früher gelegt.
Das Gebiet entstand als Kompensationsmaßnahme für die Infrastrukturvorhaben A26 und K36. Hierzu wurden die Flächen erworben und die grundlegenden naturschutzfachlichen Entwicklungsziele festgelegt. Für diese Kompensationsmaßnahmen sowie deren langfristige Umsetzung und Weiterentwicklung sind heute insbesondere die Autobahn GmbH und der Landkreis verantwortlich.
„Wir wollten neben der Förderung anderer Projekte auch selbst Verantwortung übernehmen und langfristig etwas bewegen“, erklärt Kunze. Gemeinsam mit der Naturschutzbehörde des Landkreises Stade sei schließlich schnell klar geworden, welches Potenzial im Bullenbruch steckt.
Seit Anfang 2020 kümmert sich die Stiftung nun um die Entwicklung des rund 640 Hektar großen Gebietes.
Ein einzigartiges Naturgebiet mit großer Bedeutung
Der Bullenbruch erfüllt gleich mehrere wichtige Funktionen. Einerseits ist das Gebiet ein bedeutender Lebensraum für stark gefährdete Vogelarten. Andererseits dient es auch dem Hochwasserschutz.
Bei extremen Hochwasserlagen kann der sogenannte Hochwasserentlastungspolder mehrere Millionen Kubikmeter Wasser aufnehmen. Gerade mit Blick auf den Klimawandel gewinnt diese Funktion zunehmend an Bedeutung.
Rund zwei Drittel der Fläche befinden sich in öffentlicher Hand, etwa ein Drittel gehört privaten Eigentümern.
Warum Wiesenvögel offene Landschaften brauchen
Arten wie Kiebitz, Uferschnepfe oder Bekassine brauchen weite, offene Landschaften mit feuchten Wiesen und möglichst freier Sicht. Hohe Bäume und dichte Sträucher bieten Greifvögeln und anderen Fressfeinden ideale Ansitzmöglichkeiten und gefährden dadurch die Brutgebiete der Bodenbrüter.
Deshalb werden Gehölze im sensiblen Kernbereich der Wiesenvogelgebiete an geeignete Randbereiche versetzt. „Es geht nicht darum, Natur zu zerstören, sondern darum, die richtigen Lebensräume für bedrohte Arten zu schaffen“, betont Henning Kunze. Daher bittet die Stiftung um Verständnis für diese notwendigen Maßnahmen.
Erste Erfolge im Bullenbruch deutlich sichtbar
Die positiven Entwicklungen zeigen bereits Wirkung. Als die Karl-Kaus-Stiftung die Betreuung übernahm, befanden sich viele Vogelarten auf einem Tiefpunkt. Einige waren bereits verschwunden, andere standen kurz davor.
Heute brüten wieder 15 Vogelarten der Roten Liste mit insgesamt rund 220 Brutpaaren im Bullenbruch.
Für besondere Freude sorgt die Rückkehr der Uferschnepfe – auch als „Königin der Wiesen“ bekannt. Nachdem die Art dort neun Jahre lang verschwunden war, wurde sie nun wieder gesichtet. Noch brütet sie nicht im Gebiet, doch die Hoffnung wächst.
„Dass die Uferschnepfe wieder im Bullenbruch auftaucht, ist ein unglaublich wichtiges Signal“, sagt Kunze. „Jetzt versuchen wir alles, damit sie hier künftig auch wieder brütet.“
Mit Wassermanagement und Gelegeschutz zum Erfolg
Der Erfolg basiert auf vielen abgestimmten Einzelmaßnahmen. Dazu gehören:
tierschonende Mahd mit Schutz der Gelege,
gezieltes Wassermanagement,
das Öffnen von Gräben,
die Wiedervernässung von Flächen,
sowie die extensive Nutzung der Wiesen.
Insgesamt wurden bereits 28 Maßnahmen umgesetzt.
Besonders wichtig ist dabei die enge Zusammenarbeit mit den Landwirten vor Ort. Die Flächen werden weiterhin bewirtschaftet – allerdings naturverträglich und angepasst an die Brutzeiten der Vögel.
Neue Wege sollen Natur und Erholung verbinden
Künftig sollen Besucher die Natur im Bullenbruch besser erleben können, ohne sensible Bereiche zu stören. Geplant ist deshalb eine neue Wegeverbindung zwischen Buxtehude, Jork und Horneburg entlang des nördlichen Randes des Gebietes.
Dadurch sollen Spaziergänger und Radfahrer gezielt gelenkt werden, damit empfindliche Brutflächen geschützt bleiben.
Zusätzlich sind Beobachtungspunkte und Infotafeln geplant, um Besuchern die Besonderheiten des Bullenbruchs näherzubringen.
Ein Vorzeigeprojekt für den Landkreis Stade
Der Bullenbruch zeigt eindrucksvoll, wie Naturschutz, Landwirtschaft und Hochwasserschutz gemeinsam funktionieren können. Die Entwicklung des Gebietes macht Hoffnung – nicht nur für seltene Vogelarten, sondern auch für den Erhalt einer einzigartigen Kulturlandschaft im Landkreis Stade.
Mit langfristigem Engagement, fachlicher Betreuung und viel Geduld entsteht zwischen Buxtehude und Horneburg Schritt für Schritt ein Naturraum, der weit über die Region hinaus Bedeutung hat.
https://www.karl-kaus-stiftung.de/start
FAQ: Renaturierung im Bullenbruch bei Buxtehude
Warum ist der Bullenbruch für den Naturschutz so wichtig?
Der Bullenbruch bietet seltenen Wiesenvögeln wie Kiebitz, Bekassine und Uferschnepfe wieder geeignete Brut- und Lebensräume. Gleichzeitig dient das Gebiet auch dem Hochwasserschutz.
Wer finanziert die Maßnahmen im Bullenbruch?
Die umfangreichen Renaturierungsmaßnahmen werden vollständig von der Karl-Kaus-Stiftung getragen. Für die Hansestadt Buxtehude entstehen keine Kosten.
Welche Maßnahmen werden im Gebiet umgesetzt?
Dazu gehören Wiedervernässung, Wassermanagement, Gelegeschutz, das Öffnen von Gräben sowie eine naturverträgliche Bewirtschaftung der Flächen gemeinsam mit Landwirten.
Warum werden Bäume und Sträucher entfernt?
Wiesenvögel benötigen offene Landschaften mit freier Sicht. Hohe Gehölze bieten Greifvögeln ideale Ansitzmöglichkeiten und gefährden die Brutplätze der Bodenbrüter.
Gibt es bereits erste Erfolge?
Ja. Inzwischen brüten wieder 15 Vogelarten der Roten Liste mit rund 220 Brutpaaren im Bullenbruch. Besonders erfreulich ist die Rückkehr der seltenen Uferschnepfe.
Wird das Gebiet künftig auch für Besucher zugänglich sein?
Geplant sind neue Wege, Beobachtungspunkte und Infotafeln. Ziel ist es, Naturerlebnis und Schutz sensibler Brutflächen miteinander zu verbinden.
Redakteur:Nicola Dultz aus Buxtehude |
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