Sommerinterview mit Katja Oldenburg-Schmidt: "Die Stadt zukunftsfähig zu machen ist oberstes Ziel"

Katja Oldenburg-Schmidt im WOCHENBLATT-Sommerinterview  Foto: tk
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tk. Buxtehude. Wie sehen die Finanzen vor Beginn der Haushaltsberatungen in Buxtehude aus, schränkt die Prioritätenliste die Politik zu stark ein, wenn es um zukünftige neue Projekte geht, und hat es Fehler bei der zweiten gescheiterten Besetzung der Leitung des Fachbereichs II gegeben? Buxtehudes Bürgermeisterin Katja Oldenburg-Schmidt beantwortet die Fragen im WOCHENBLATT-Sommerinterview.

WOCHENBLATT: Viele große Projekte, die Ihnen persönlich wichtig sind, sind im Werden. Was heißt das für die nächsten Jahre? Es wird weniger gestaltet und mehr verwaltet?

Katja Oldenburg-Schmidt: Nein, genau das Gegenteil ist der Fall. Jedes einzelne Projekt, insbesondere im Baubereich, wird von Beginn an mit den zukünftigen Nutzern, zum Beispiel Schulen, Kindertagesstätten und dem Museum passgenau und bedarfsgerecht geplant und dann umgesetzt. Damit verbleibt höchstmögliche Gestaltungsfreiheit bei den Investitionsmaßnahmen. Im Schulbereich können wir so z.B. auf pädagogische Konzepte und Inhalte besser reagieren, beim Museum werden Bau und Museumspädagogik von Anfang an zusammen projektiert.

WOCHENBLATT:Das Thema Fachbereich II. Die Spitze ist erneut verwaist. Ist das Zufall, schlechtes Karma oder gibt es Fehler im eigenen Haus?

Katja Oldenburg-Schmidt
: Nichts von alledem. Die Besetzung dieser herausgehobenen Position stellt entsprechend hohe Anforderungen an eine Führungskraft. Deshalb hatten wir eine professionelle Beratungsagentur mit der Suche nach einem geeigneten Kandidaten beauftragt. Das war aus meiner Sicht auch richtig. Wenn leider auch ohne dauerhaften Erfolg. Unsere Aufgabe wird es in den nächsten Wochen sein, unterschiedliche Möglichkeiten der Besetzung zu diskutieren. Aus meiner Sicht bietet es gleichwohl die Chance, grundsätzlich über die zukünftige Führungsstruktur nachzudenken. Ob dann am Ende die Variante eines weiteren Versuches der Neubesetzung oder vielleicht auch strukturelle Veränderungen zum Zuge kommen, wird sich zeigen. Die Diskussion möchte ich auch mit der Politik in Ruhe führen. Ich bin da nicht in Eile.

WOCHENBLATT: Beim letzten Sommerinterview vor einem Jahr haben sie gesagt, die Zahlen für den Haushalt vor den anstehenden Etatberatungen sehen erfreulich aus. Wie erfreulich oder unerfreulich ist es jetzt?

Katja Oldenburg-Schmidt: Wir befinden uns gerade in der letzten Phase zur Aufstellung des Haushaltes. Heute kann ich schon soviel sagen, dass die allgemeine Finanzsituation der Stadt nach wie vor gut ist. Allerdings sind in den kommenden Jahren Investitionen von mehr als 40 Mio.Euro geplant. Eine Kreditaufnahme wird daher unumgänglich sein. In Anbetracht der günstigen Zinslage ist dies aus meiner Sicht akzeptabel, wenn es uns dadurch gelingt, die Stadt zukunftsfähig zu machen und in Infrastruktur zu investieren. Ich bin deshalb zuversichtlich, dass wir einen genehmigungsfähigen Haushalt vorlegen werden. Sorge bereitet mir eher die Frage der Abwicklung der Maßnahmen. Durch die gute Konjunkturlage gelingt es uns immer schwerer, Aufträge zu vergeben. So paradox es klingt: ausreichende Finanzmittel sind da, sie können nur nicht ausgegeben werden. Dieser Bearbeitungsstau wird die größte Herausforderung sein

WOCHENBLATT: Als Beobachter der Buxtehuder Politik kann man den Eindruck bekommen, die Prioritätenliste, die Verwaltung und Politik gemeinsam für anstehende Projekte erstellt haben, lässt keinen Raum für neue Pläne Stimmt das?

Katja Oldenburg-Schmidt: Es war längst notwendig, mit der Politik einen verbindlichen Rahmen für die zukünftigen Investitionen festzulegen. Dieser Rahmen zwingt einerseits zur Disziplin auf allen Seiten, schafft aber anderseits die nötige Transparenz und bestmögliche Planungssicherheit bezüglich der angeschobenen Projekte. Personelle Kapazitäten und finanzielle Ressourcen sind endlich. Sie ziel- und passgenau einzusetzen ist unsere Aufgabe. Gleichwohl wird es immer wieder Veränderungen geben. In der Abwägung bietet daher unsere Prioritätenliste dafür die geeignete Grundlage. Insofern würde ich hier klar widersprechen.

WOCHENBLATT: Ist Ihr Bürgermeisterinnen-Job so, wie Sie ihn erwartet haben, oder haben Sie Überraschungen erlebt?

Katja Oldenburg-Schmidt: Große Überraschungen habe ich selbst zwar nicht erlebt, vielleicht war das Umschalten von meiner vorangegangenen Tätigkeit auf das Bürgermeisteramt eher für andere eine Umstellung. Die Aufgabe selbst ist für mich nach wie vor so wie ich es mir gewünscht habe: abwechslungsreich, mit Gestaltungsspielraum, herausfordernd und spannend. Für diese Stadt und ihre Bürger zu arbeiten ist das , was mir viel Spaß macht.

WOCHENBLATTGibt es einen Bereich, wo Sie sich gerne noch verbessern wollen?

Katja Oldenburg-Schmidt: Ich bin fest davon überzeugt, dass man nur etwas bewegen kann, wenn man sich selbst bewegt. Insofern gibt es jeden Tag etwas zu verbessern. Das eigene Handeln zu hinterfragen, sich zu reflektieren, gehört für mich ebenso dazu. Dabei klar zu bleiben, hilft in der Kommunikation und macht diese leichter. Das erlebe ich immer wieder, auch im Umgang mit den Bürgern. Eine klare Positionierung wird viel mehr geschätzt als unverbindliche Allgemeinplätze.

WOCHENBLATT: Die traditionelle Abschlussfrage lautet sonst immer: "Treten Sie wieder als Bürgermeisterin an?" Dieses Mal anders gefragt: Wenn Sie als Bürgermeisterin erneut kandidieren, gegen wen würden Sie gerne antreten?

Katja Oldenburg-Schmidt: Das wäre mir wirklich egal. Diese Entscheidung treffe ich für mich, unabhängig von anderen Kandidaten.

Katja Oldenburg-Schmidt im WOCHENBLATT-Sommerinterview  Foto: tk
Das viele Großprojekte, auf dem Foto der künftige Erweiterungsbau für das Museum, laufen, bedeute nicht, dass nicht mehr gestaltet wird, sagt Katja Oldemnburg-Schmidt
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Tom Kreib aus Buxtehude

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