"Ich habe heute dazugelernt"

Die etwa 15 Kilometer lange Radtour führte über Marxen und Brackel zurück nach Hanstedt
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Dank WOCHENBLATT-Aktion: Ministerpräsident Stephan Weil erkundet mit dem ADFC die Radwege im Landkreis Harburg.

mum. Hanstedt. "Das war vielleicht unsere wichtigste Veranstaltung", freute sich Karin Sager. Die Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) im Landkreis Harburg war zu Recht vollends zufrieden. Im Zuge einer WOCHENBLATT-Aktion hatte sie Niedersachsens Ministerpräsidenten Stephan Weil (SPD) eingeladen, den Landkreis Harburg mit dem Fahrrad zu durchfahren. Sagers Ziel war es, ihn auf die schlechte Qualität der Radwege in der Region hinzuweisen. Und Weil hielt Wort. "Was ich im WOCHENBLATT versprochen habe, halte ich." In kurzer Hose, Polohemd und Sandalen führte Weil am Mittwoch eine Gruppe von fast 100 Teilnehmern an - darunter nicht nur Landrat Rainer Rempe, sondern auch zahlreiche Kreis- und Lokalpolitiker. Zudem erhielt der Termin große Öffentlichkeit, da auch TV-Sender wie RTL, NDR und Sat.1 auf ihren jeweiligen Homepages davon berichteten. "Ich denke, wir konnten unser Anliegen mit der Aktion ins Rampenlicht rücken", so Sager. Sie wünscht sich nun, dass in den politischen Gremien das Thema Radfahren auch entsprechend gewürdigt wird. "Die viel gelobte Verkehrswende wird auf dem Land nur dann Akzeptanz finden, wenn neben einem funktionierenden ÖPNV die Radwege zwischen den Siedlungsgebieten und den Bahnhöfen sicher und komfortabel zu befahren sind", so Sager.
Der ADFC fordert aus diesem Grund unter anderem, dass die Gemeinden und Kreise in die Lage versetzt werden, eine Infrastruktur für den Radverkehr anzubieten, der sichere Schulwege und sichere Wege für alle ermöglicht. "Dafür müssen Mittel so eingesetzt werden können, dass sie nicht an Gemeinde- oder Kreisgrenzen scheitern", so Sager. Rund um Schulen sollten Straßen daher grundsätzlich zu Fahrradstraßen werden. Für die Landkreise Harburg und Lüneburg bietet es sich laut Sager an, die stillgelegte Trasse der Buchholzer Bahn von Buchholz nach Lüneburg als Velo-Route auszubauen. "Das Land Niedersachsen hat bisher versäumt, diese Strecke zu erwerben und zu einer Radstrecke umzubauen", so Sager. Die Baulast sollte vom Land übernommen werden, damit überhaupt eine Beschleunigung der Planung und Ausführung erfolgen kann. Zudem forderte Sager, dass in ländlichen Gegenden dringend der ÖPNV verbessert werden muss. Sager kritisierte, dass die Mitnahme von Rädern im Metronom kostenpflichtig sei, in der S-Bahn allerdings nicht. Hier müsse man sich Hamburg anpassen. Sager: "Es hilft auf Dauer nicht weiter, wenn marode Radwege liegen bleiben, gleichzeitig ein paar neue Wege gebaut werden."
Laut Sager gibt es im Landkreis Harburg mehrere Radverkehrskonzepte. "Es muss nun dringend für die Umsetzung der vorgesehenen Maßnahmen gesorgt werden, denn ein Konzept schafft keine Infrastruktur", machte die ADFC-Vorsitzende deutlich.
Stephan Weil zeigte sich von der Veranstaltung begeistert. "Ich gebe gern zu, dass ich bei den Temperaturen wenig Lust hatte, mich aufs Rad zu schwingen", so Weil. "Aber die Tour hat nicht nur Spaß gemacht. Sie hat mich inhaltlich bei der Bewertung des Radverkehrs weitergebracht." Laut Weil engagiert sich das Land im Bereich der Radwege an Bundesstraßen, an Landesstraßen und für kommunale Radwege mit derzeit mehr als 33 Millionen Euro jährlich. Weil warb um Verständnis, dass nicht alle Maßnahmen sofort umgesetzt werden können. Wie berichtet, führt die Metropolregion Hamburg derzeit eine Machbarkeitsstudie für neun Radschnellwege durch. Im Landkreis Harburg sollen bis Sommer 2020 folgende Routen untersucht werden: Hamburg-Neu Wulmstorf-Stade, Hamburg-Buchholz–Tostedt und Hamburg-Winsen-Lüneburg. "Danach kommt man dann hoffentlich zügig zur Umsetzung", so Weil.

Auf ein Wort
Nur ein Zufall - wirklich?

"Das war nur ein Zufall", so Landkreis-Sprecher Andres Wulfes. Karin Sager hatte unmittelbar vor der Veranstaltung mit Stephan Weil festgestellt, dass die Grünstreifen entlang der Tour akkurat getrimmt worden waren. Außerdem seien einige Stellen im Asphalt des Radwegs ausgebessert worden. Da liegt der Schluss nahe, dass der Landkreis beim Ministerpräsidenten einen guten Eindruck hinterlassen wollte - zumal auch Landrat Rainer Rempe an der Tour teilnahm. "Das ist nicht der Fall", so Wulfes. "Die Grünstreifen werden in der Regel zweimal im Jahr gemäht. Der Zeitplan wurde nicht angepasst." Während sich andere Teilnehmer wünschten, dass Weil künftig regelmäßig durch den Landkreis fährt, damit überall die Strecken in einen guten Zustand versetzt werden, nahm es der Ministerpräsident pragmatisch. "Freuen wir uns doch darüber, dass etwas geschehen ist."
Die große Beteiligung an der Veranstaltung des ADFC - trotz Ferien und trotz hoher Temperaturen - zeigt, dass den Menschen im Landkreis Harburg das Radfahren wichtig ist. Vor diesem Hintergrund sollten alle Verantwortlichen das Thema deutlich weiter oben auf ihrer jeweiligen Agenda platzieren. Nicht nur dann, wenn der Ministerpräsident vorbeischaut.
Sascha Mummenhoff

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