Ärztin drohte mit dem Tod des Sohnes
Seniorin lässt Betrügerin mit neuer Enkeltrick-Variante abblitzen

"Mit mir nicht!" Ursula S. lässt sich nicht auf ominöse Anrufer ein
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jab. Samtgemeinde Harsefeld. Ursula S.* ist 88 Jahre alt, aber im Kopf noch topfit. Ein Glück für die Seniorin aus der Samtgemeinde Harsefeld. Denn vergangene Woche erhielt sie einen dramatischen Anruf, den sie dank ihres klaren Verstandes schnell als Betrug entlarvte. Sie sollte Opfer einer neuen Enkeltrick-Variante werden, vor der derzeit auch die Polizei Stade dringend warnt.

Es ist 10.30 Uhr am Freitag, als das Telefon von Ursula S.* (88) aus der Samtgemeinde Harsefeld klingelt. Es meldet sich eine Frau Dr. Stern aus dem Elbe Klinikum Stade - mit einer schrecklichen Nachricht. Ihr Sohn sei schwer an Corona erkrankt und liege im Sterben. Nur sie könne ihm jetzt noch helfen. Bei S. klingeln die Alarmglocken. Aber nicht, weil sie in Panik gerät, sondern weil sie spürt, dass an der Geschichte etwas faul ist.

Dramatische Schilderung soll Druck aufbauen

Frau Dr. Stern berichtete, dass ihr Sohn eingeflogen worden sei, dass er hohes Fieber habe, das nicht gesenkt werden könne, und dass er künstlich beatmet werden müsse. "Instinktiv wusste ich, dass hier etwas nicht stimmt. Also blieb ich cool", sagt die Senioren. Zur Erklärung: Schon seit Jahren hat S. keinen Kontakt mehr zu ihrem Sohn, der in Bayern lebt und verheiratet ist. Da sie nicht reagierte, wie die Anruferin es sich wohl wünschte, wurden die Schilderungen immer dramatischer. Irgendwann behauptete die Betrügerin, dass ihr Sohn nur noch kurze Zeit zu leben habe. Es gebe ein lebensrettendes Medikament, das in Deutschland erst Mitte des Monats zugelassen werden soll, aber dann sei es für ihn zu spät. Man könne das Medikament aber aus der Schweiz besorgen. Kosten: 6.000 Euro.

Seniorin lässt Anruferin abblitzen

Bei der Geldforderung sei ihr alles klar geworden, so S. Sie habe der Anruferin gesagt, dass ihr Sohn selbst in der Lage sei, das zu bezahlen. Außerdem sei er verheiratet, zur Not müsse seine Frau das übernehmen. Diesen Hinweis nahm die falsche Ärztin auf: Die Frau sei auch eingeflogen worden, werde psychologisch betreut und sei nicht ansprechbar. Da wurde es S. zu viel. Sie sei Rentnerin und habe kein Geld, sagte sie. Doch die Anruferin ließ nicht locker: "Wollen Sie ihren Sohn sterben lassen?", soll sie gefragt haben. Der Professor werde sich noch melden und ihr klar machen, welche Verantwortung sie jetzt habe. "Allerdings hat die Frau wohl gemerkt, dass hier nichts zu holen ist", sagt S. Denn sie habe prompt aufgelegt.

Sofort rief die Seniorin im Elbe Klinikum an und erkundigte sich nach Dr. Stern. Da es die aber dort nicht gab, erläuterte S. ihren Anruf. An der Information leitete man sie direkt zur Polizei weiter, wo die Beamten ihr mitteilten, dass es mehrere Anrufe in letzter Zeit gegeben habe und sie alles richtig gemacht habe.

Keine Chance für miese Betrüger: Ursula S. lässt sich nicht so einfach reinlegen
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"Im Nachhinein bin ich schockiert", sagt die Seniorin. Schon vor Monaten hatte eine Anruferin den Enkeltrick bei ihr versucht. Auch sie war kläglich gescheitert. "Das hier ist aber noch mal etwas ganz anderes." Was sie sehr verunsichert: Die Anrufer wussten, dass ihr Sohn nicht in der Nähe wohnt, sondern eingeflogen werden müsste. "Wie kann jemand mich so gut kennen, dass er das für ein Betrugsmanöver nutzen kann?", fragt sie sich immer wieder. Daher hat sie auch Kontakt zu ihrem Sohn aufgenommen, um ihn zu informieren - der im Übrigen putzmunter ist.

Immer die Polizei informieren

Mindestens zehn Senioren im Landkreis Stade riefen die Betrüger an und versuchten an das Ersparte der älteren Personen zu kommen. Statt als Enkel gaben sich die Anrufer als Ärzte der Elbe Kliniken Stade und Buxtehude aus. Angehörige seien schwer an Corona erkrankt. Um deren Leben zu retten, müsse der Angerufene Geld überweisen, damit das Medikament eingeflogen werden könne. Das solle zwischen 20.000 und 30.000 Euro kosten. Das Perfide: Die Betrüger nannten oft richtige Daten der Verwandten und machten ihre Behauptungen damit glaubwürdig. Polizeisprecher Rainer Bohmbach rät: "Gehen sie auf keinen Fall auf derartige Anrufe ein, sondern beenden sie die Gespräche und informieren sie die Polizei."

* Name der Redaktion bekannt

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Autor:

Jaana Bollmann aus Stade

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