Vollgas mit sechs Jahren
Emil aus Ahlerstedt erobert die Motocross-Strecke
- Eimil mit seinem Motocross-Bike auf "seinem" Übungsplatz
- Foto: sts
- hochgeladen von Stephanie Bargmann
In einem Alter, in dem andere Kinder noch Fahrradfahren lernen, saß Emil Siedler aus Ahlerstedt bereits auf einem kleinen Motorrad. Heute ist der Sechsjährige Nachwuchsfahrer beim MSC Elstorf und nimmt an ersten Motocross-Rennen teil. Hinter seinen Erfolgen stehen Talent und Ehrgeiz, aber auch viel Training, hohe Kosten und eine Familie, die den Sport gemeinsam trägt.
Die Leidenschaft begann mit vier Jahren
Mit vier Jahren bekam Emil sein erstes Pocketbike, ein kleines Motorrad für Kinder. Helm und Schutzausrüstung gehörten von Anfang an dazu. Die ersten Runden drehte er auf einer Grasfläche neben dem Neubaugebiet, in dem die Familie gerade ihr Haus baute.
Aus vorsichtigen Fahrversuchen wurde schnell mehr. „Nach kurzer Zeit war nur noch eine Staubwolke zu sehen“, erinnert sich sein Vater Nino Siedler (38).
Weil das benachbarte Grundstück noch nicht verkauft war, fragte die Familie beim Bürgermeister nach, ob Emil dort fahren dürfe. Im Gegenzug bot sie an, die Fläche zu pflegen und regelmäßig zu mähen. Der Bürgermeister stimmte zu, auch aus der Nachbarschaft gab es keine Einwände. So entstand eine kleine Trainingsstrecke. Doch schon bald reichten Emil die einfachen Runden nicht mehr. Er begann, über kleine Hügel zu springen.
Der nächste Schritt führte nach Elstorf
Mehr Möglichkeiten bot die Motocross-Strecke im rund 30 Kilometer entfernten Elstorf bei Neu Wulmstorf. Dort fand die Familie Anschluss an andere Motorsportbegeisterte. Das zu klein gewordene Pocketbike wurde durch eine TC 50 Mini ersetzt, ein Motocross-Motorrad für Kinder, das für Fahrten im Gelände gebaut ist.
Seit seinem sechsten Geburtstag darf Emil an offiziellen Wettbewerben teilnehmen. Beim NMX Cup und beim Niedersachsen Cup sammelt er erste Rennerfahrung. Obwohl manche Konkurrenten bis zu drei Jahre älter sind, fährt er regelmäßig unter die besten Zehn.
Beim Niedersachsen Cup in Halbemond gelang ihm sein bislang größter Erfolg. Als jüngster Teilnehmer erreichte er einen Platz unter den besten Fünf. Auch in der regionalen Motocross-Szene ist Emil inzwischen bekannt. Mehr als 1.300 Menschen verfolgen seinen sportlichen Weg auf Instagram und TikTok.
Vorbereitung gehört zum Rennen
Ein Rennwochenende beginnt für die Familie bereits am Vorabend. Nach der Anreise werden die Motorräder technisch überprüft. Anschließend geht die Familie die Strecke ab und bespricht schwierige Kurven, Sprünge und mögliche Fahrwege.
Zusätzliche Erfahrungen sammelte Emil bei einem einwöchigen Intensivtraining. Dort wurde er von Trainern betreut, die auch mit Profifahrern arbeiten.
Ein Sport für die ganze Familie
Motocross ist längst zum Familienprojekt geworden. Die Saison dauert von April bis Oktober, hinzu kommen Trainingseinheiten im Winter. Rund 10.000 Euro investiert die Familie nach eigenen Angaben pro Jahr. Neben Ausrüstung, Startgeldern und Fahrtkosten werden auch Ersatzteile benötigt. Für einen Start bei der Deutschen Meisterschaft seien zudem zwei Motorräder sinnvoll, falls eine Maschine ausfällt.
Auch zeitlich fordert der Sport die Familie. „Wir reden hier von sehr viel Geld und von sehr viel Zeit, die meine Frau und meine Tochter zurückstecken müssen“, sagt Nino Siedler. Zwingen würden die Eltern ihren Sohn jedoch nie. „Unser Motto lautet trotzdem: Nie aufgeben.“
Mutter Ann-Kathrin Siedler (34) begleitet Emil zu den Rennen. „Als Mutter bin ich immer gerne dabei, falls mal etwas passieren sollte. Zuhause würde ich nur auf heißen Kohlen sitzen“, sagt sie.
Gleichzeitig achten die Eltern darauf, dass Emils Schwester Emma (9) mit ihrem Turnsport nicht zu kurz kommt. Überschneiden sich ein Rennen und ein Turnier, teilt sich die Familie auf oder lässt ein Training aus. Unterstützung kommt außerdem von den Großeltern.
Die Deutsche Meisterschaft ist das nächste Ziel
Im kommenden Jahr soll Emil erstmals bei der Deutschen Meisterschaft starten. Dabei geht es zunächst nicht um Siege, sondern um Erfahrung. Bis dahin stehen weitere Trainings und Rennen an.
Ob Emil später einmal einen großen Titel gewinnt, ist offen. Sicher ist aber: Der Sechsjährige hat Freude am Fahren, Ehrgeiz und eine Familie, die ihn auf seinem Weg unterstützt.
Redakteur:Stefanie Schimanski aus Buxtehude |
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