"Nordheide aufgepasst!" - oder die rassistische Nachbarwehr

„Nordheide aufgepasst! - Aktion wachsame Nachbarn“  lautet eine Facebook-Gruppe, die vor Straftaten warnen will
  • „Nordheide aufgepasst! - Aktion wachsame Nachbarn“ lautet eine Facebook-Gruppe, die vor Straftaten warnen will
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(mum). „Nordheide aufgepasst! - Aktion wachsame Nachbarn“ nennt eine Facebook-Gruppe seit Anfang August ihr Anliegen. Laut Impressum richtet sie sich besonders an Menschen aus Hanstedt, Jesteburg und Buchholz. Sie sollen zur Wachsamkeit in ihrer Nachbarschaft angeregt werden. Doch obwohl es in der Gruppenerklärung heißt: „Die Meldungen müssen bitte sachlich und frei von Anschuldigungen sein“, hat sich die Plattform zu einem Forum ausländerfeindlicher Beschuldigungen entwickelt.

Ein paar Beispiele: Uli S. postet: „Zwei unbekannte Trickdiebe haben mit einem Ablenkungstrick die Postfiliale an der Hauptstraße in Jesteburg um weit mehr als 1.000 Euro erleichtert. Der Täter soll möglicherweise rumänischer Herkunft sein.“ Eigentlich spricht nichts gegen diese Art der Warnung. Allerdings zieht die Nachricht - wie in der Regel die meisten anderen auch - äußerst rassistische Kommentare nach sich. Andre R. schreibt: „Grenzen wieder zumachen im Osten! Wenn man hier abends einkaufen geht, kommt man sich vor, als wenn man gar nicht mehr in Deutschland ist!“ Andre R. legt noch nach: „Und was mich so richtig ankotzt ist, dass die mittlerweile fast alle WL auf dem Nummernschild haben. Ergo werden die also hier bleiben!“ Für Kommentare dieser Art gibt es „Gefällt mir“-Daumen der anderen Gruppenmitglieder.

Kommentare dieser Art sind bei „Nordheide aufgepasst“ nicht selten. Die Polizeimeldung, dass eine Rentnerin in einem Supermarkt bestohlen wurde, kommentiert Peter M. so: „Dass in Jesteburg immer mehr komisches Volk rumläuft, ist mir auch schon aufgefallen. Ich finde, die Polizei sollte in Jesteburg einfach mehr Präsenz zeigen und nicht unbescholtenen Bürgern im Streifenwagen hinterherjagen.“

Das Gruppenmitglied Klaus S. fordert auf der Seite, dass drei Trickbetrüger aus Rumänien sofort ausgewiesen werden sollen. Und findet dafür die Zustimmung von Henry S.: „Rumänien ist Mitglied der EU. Da liegt der Fehler. Solche Staaten haben in der EU nichts zu suchen. Unsere Politiker sind leider auf beiden Augen kurzsichtig! Ausweisen bringt nichts, die sind am nächsten Tag wieder da!“ Immerhin: Der Kommentar, dass rumänische Trickbetrüger aus dem Ort geprügelt werden sollten, wurde wieder gelöscht. An andere Stelle wagt Klaus S. eine Prognose: „Die AfD hat in Sachsen zehn Prozent bekommen. Wie lange dauert es noch, bis den Deutschen der Kragen platzt?“

Kommentar

Verdächtigungen nicht dulden
Was motiviert Menschen, so eine Hetz-Gruppe ins Leben zu rufen? Die Idee, Nachbarn zu warnen, wenn Unbekannte Straßen ausspähen, kann ich sogar noch verstehen. Wobei da eigentlich ein Anruf bei der Polizei reichen sollte. Wie man allerdings dulden kann, dass ausländische Mitbürger pauschal unter Verdacht gestellt werden, ist mir unbegreiflich. Schon schlimm genug, dass Menschen so krank denken. Noch schlimmer ist es allerdings, dass die Gruppen-Administratoren und -mitglieder solche Beiträge nicht löschen.
Sascha Mummenhoff

Autor:

Sascha Mummenhoff aus Jesteburg

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