Borsteler Sommerklänge
Sven Stricker und der feine Blick aufs Menschliche
- Der Autor Sven Stricker im Gespräch vor seiner Lesung bei den Borsteler Sommerklängen
- Foto: sts
- hochgeladen von Stefanie Schimanski
Sven Stricker liest am heutigen Dienstag, 28. Juli, in der Borsteler Kirche aus seinem sechsten Sörensen-Roman „Sörensen geht aufs Haus“. In den Verfilmungen verkörpert Bjarne Mädel die Hauptfigur. Vor dem Auftritt bei den Borsteler Sommerklängen sprach der Autor mit dem WOCHENBLATT.
WOCHENBLATT: Verändert der Ort die Art und Weise, wie Sie einen Text lesen?
Sven Stricker: Ja. In Kirchen ist die Akustik meist anders. Deshalb muss ich langsamer und deutlicher sprechen und darauf achten, nicht zu pastoral oder zu pathetisch zu klingen. Manchmal kürze ich den Text auch während des Lesens und lasse Begriffe weg, die ich in einer Kirche für nicht angemessen halte.
WOCHENBLATT: Gibt es eine Passage, auf die Sie sich bei der heutigen Lesung besonders freuen?
Sven Stricker: Ja, das tue ich. Für meine Lieblingsstelle aus dem neuen Buch brauche ich beim Vorlesen etwa eine halbe Stunde. Meine Hauptfigur Sörensen hat ein Date mit einer Frau namens Charlotte. Wie das ausgeht, möchte ich nicht verraten.
WOCHENBLATT: Viele Ihrer Texte leben von genauen Beobachtungen. Was fällt Ihnen im Alltag besonders auf?
Sven Stricker: Ich finde eigentlich alles interessant. Ich achte auf die Körperhaltung und die Gestik ebenso wie auf die Sprache. Alles erzählt etwas über das Gegenüber und bietet Material zum Schreiben. Besonders spannend finde ich es, in Cafés zu sitzen. Dort entstehen ganze Dialoge für die nächsten Bücher.
WOCHENBLATT: Wie wirkt das Alte Land auf Sie?
Sven Stricker: Extrem einladend. Jedes Mal, wenn ich ins Alte Land komme, denke ich: „Ich will hier wohnen.“ Das Alte Land gehört für mich zu den schönsten Orten in Deutschland, die ich kenne.
WOCHENBLATT: Haben Sie durch Sörensen etwas gelernt, was Sie vorher nicht verstanden haben?
Sven Stricker: Das ist eine der tollsten Seiten des Schreibens: Durch genaues Beobachten lernt man sehr viel über Menschen. Sörensen ist derjenige, der das für mich ausdrückt. Er ist eine Figur, die in ihrem Leben schon relativ viel durchmachen musste, dabei aber ihren Humanismus nicht verloren hat. Die Reaktionen auf ihn – sowohl Zuspruch als auch Ablehnung, weil er als „zu belastet“ gilt – erzählen viel darüber, wie Menschen einander begegnen.
WOCHENBLATT: Welche Gedanken und Gefühle sollen die Besucher nach der Lesung mitnehmen?
Sven Stricker: Wenn es optimal läuft, haben sie sich amüsiert und nehmen zugleich einige Denkanstöße für das Miteinander mit. Ich finde es gerade heute wichtiger denn je, Respekt voreinander, vor anderen Meinungen und vor anderen Sicht- und Denkweisen zu haben. Wirkliches Interesse am Gegenüber zu zeigen, statt nur Positionen abzuklopfen – das ist mir wichtig. Alles andere finde ich zu einfach. Meine Geschichten sollen an das Menschliche appellieren – in ihrer Düsternis und in ihrem Humor.
Redakteur:Stefanie Schimanski aus Buxtehude |
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