Feuerwehrbedarfsplan für die Gemeinde Rosengarten: Insgesamt ein gutes Ergebnis, aber Einsatzzahlen sehr hoch
"Sie können stolz auf Ihre Feuerwehr sein"

Das alte Feuerwehrgerätehaus in Tötensen ist laut Gutachter "eine Katastrophe". Die Kosten für das neue  Gebäude am Hagemannsweg sind mittlerweile auf rund 1,1 Millionen Euro angestiegen
  • Das alte Feuerwehrgerätehaus in Tötensen ist laut Gutachter "eine Katastrophe". Die Kosten für das neue Gebäude am Hagemannsweg sind mittlerweile auf rund 1,1 Millionen Euro angestiegen
  • Foto: as/archiv
  • hochgeladen von Anke Settekorn

as. Nenndorf. Insgesamt ist die Feuerwehr der Gemeinde Rosengarten in einem guten Zustand. Zu diesem Schluss kommt der Feuerwehrbedarfsplan, der jetzt im Feuerschutzausschuss vorgestellt wurde. "In Summe haben Sie eine Top-Feuerwehr, freuen Sie sich darüber", lobte Gutachter Patrik Habeth (Forplan Forschungs- und Planungsgesellschaft für Rettungswesen). Dennoch sieht er in einigen Feldern Handlungsbedarf.
Abdeckung: 95,1 Prozent des besiedelten Gemeindegebietes können von den Feuerwehrleuten ausgehend vom Feuerwehrhaus innerhalb einer Fahrzeit von vier Minuten erreicht werden. Lediglich ein kleiner Teilbereich im Süden Rosengartens (vor allem Forst) wird "erst" nach 4,5 Minuten erreicht. "Das ist ein Top-Wert. Sie decken 100 Prozent des Gemeindegebietes mit der bestehenden Feuerwehr-Struktur ab", so der Experte.
Einsatzübersicht: In den vergangenen vier Jahren haben sich die Einsatzzahlen der Retter aus Rosengarten mehr als verdoppelt: von 166 (2014) auf 377 (2018) Einsätze. "Im Durchschnitt alle ein bis zwei Tage ein Einsatz - das liegt im Grenzbereich dessen, was eine freiwillige Feuerwehr leisten kann", warnte Habeth. Eine Berufsfeuerwehr ist jedoch keine Alternative für die Gemeinde: "Das würde rund 2,2 Millionen Euro kosten. Jeder Euro, den sie in die freiwillige Feuerwehr stecken, ist dagegen günstig!"
Feuerwehrhäuser: Hier muss laut Habeth dringend nachgearbeitet werden: Die Vorgaben der DIN und UVV werden nicht in allen Feuerwehrhäusern eingehalten, zudem wird nicht an allen Standorten ein reibungsloser und zeitgemäßer Alarmablauf begünstigt. "Es kann nicht sein, dass die Kameraden schon im Feuerwehrgerätehaus Leib und Leben riskieren." In Anbetracht der Größe der freiwilligen Feuerwehr sowie der Anzahl an Standorten/Feuerwehrhäusern mit entsprechend vorgehaltener Technik stellt der Gutachter insgesamt ein befriedigendes Niveau fest. Defizite, wie eine fehlende getrennte Zu- und Abfahrt oder beengte Stellplätze für die Feuerwehrfahrzeuge, sieht er unter anderem in Ehestorf, Klecken und Tötensen. Insbesondere in Tötensen sei die einsatztaktische Abwicklung "eine Katastrophe!". Positiv sei, dass die Gemeinde bereits Planungen zum Neu-/Umbau angeschoben habe.
Technische Ausstattung/Fuhrpark: Auch hier gibt es ein "befriedigend". Die Gemeinde bemühe sich um die Bereitstellung eines zeitgemäßen Fuhrparks. Im Schnitt sind die Fahrzeuge 15 Jahre alt, das älteste Einsatzfahrzeug zählt 32 Jahre. Habeth schlägt weiterhin vor, die Stelle eines hauptamtlichen Gerätewarts zu schaffen.
Personalverfügbarkeit: Die Zahl der Einsatzkräfte steigt stetig: von 338 (2008) auf 370 (2018). "Das ist sehr erfreulich, ein positives Zeichen für ein stabiles Ehrenamt in Rosengarten", lobte Habeth. Von den insgesamt 370 Einsatzkräften sind tagsüber in weniger als acht Minuten 57 Feuerwehrleute verfügbar. "Gemeinsam kriegen die Feuerwehren die erste taktische Einheit hin", berichtete Habeth. Lediglich die Ortsfeuerwehren Vahrendof-Sottorf und Iddensen könnten im ersten Abmarsch eigenständig eine Staffel bilden. Nachts (18 bis 6 Uhr) und am Wochenende erreichen binnen acht Minuten bis zu 196 Einsatzkräfte ein Feuerwehrhaus.
Die Altersstruktur: ist relativ jung: Das Durchschnittsalter liegt bei 36 Jahren.
Allerdings gibt es bei den Führerscheininhabern C/CE und Maschinisten leichte Überalterungstendenzen und eine geringe Tagesverfügbarkeit. Hier besteht laut Habeth dringend Ausbildungsbedarf.
Nachwuchs: Einen außergewöhnlich hohen "Hammer-Wert" haben die Brandschützer mit ihren 110 Kräfte starken Jugendfeuerwehr. Die Einsatzabteilung hat in den vergangenen fünf Jahren 43 Jugendliche aus den Jugendwehren übernommen - "das ist ein Spitzenwert!", lobte Habeth. Der Gutachter betonte aber, dass die Jugendarbeit weiter ausgebaut werden muss, um ausscheidenden Feuerwehrleute ersetzen zu können. Unter anderem riet er dazu, die Bemühungen um Kinderfeuerwehren zu intensivieren.
Gelobt wurden die Feuerwehrleute für ihre zahlreichen ehrenamtlichen Dienste wie Müllsammelaktionen, Unterstützung der Dorffeste, Osterfeuer oder die Brandschutzerziehung in Kita und Grundschule. Die Rosengartener Feuerwehr zeige ein "sehr hohes soziales Engagement", das sei nicht selbstverständlich, sagte der Gutachter.
Bürgermeister Dirk Seidler ist zufrieden mit dem Ergebnis: "So, wie wir aufgestellt sind, haben wir eine gute Struktur. Das wäre ohne das Engagement der Feuerwehrleute nicht möglich. Wir müssen jetzt die Feuerwehrhäuser und -fahrzeuge Instand halten und gegebenfalls für Ersatz sorgen, da sind wir auch schon dran."
"Wir sind froh und erleichtert, dass wir in unserer Arbeit bestätigt werden", sagt der stv. Gemeindebrandmeister Dirk Behmer. "Wir haben eine bedarfsgerechte und schlagkräftige Feuerwehr. Das ist nicht selbstverständlich, schaut man sich unsere Nachbarn an. Klar gibt es noch Verbesserungsbedarf, aber insgesamt haben wir eine vernünftige Truppe."
Die Unterstützung durch die Gemeinde sei auf einem guten Weg. Zuletzt hatte der Gemeinderat dafür gestimmt, im Nachtragshaushalt die Ausgaben für die Ausbildung der Feuerwehrleute aufzustocken. Gerne würden die Rosengartener auch mehr Kinderfeuerwehren anbieten. Mit der 2016 in Klecken gegründeten Kinderfeuerwehr haben die Brandschützer gute Erfahrungen gemacht, die Nachfrage ist hoch: "Die Kinder wären sofort dabei, aber es fehlt an qualifizierten Aufsichtspersonen", so Behmer. Denn für die Kinderfeuerwehr werden vor allem Ehrenamtliche mit pädagogischem Hintergrund gesucht. Feuerwehrwissen ist dabei zweitrangig. "In der Kinderfeuerwehr geht es vor allem darum, dass die Kinder beim gemeinsamen Spielen und Basteln als Gruppe zusammenwachsen", erklärt der stv. Gemeindebrandmeister. "Man muss dafür kein Feuerwehrmann sein, auch eine passive Mitgliedschaft ist möglich."

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